Drohnenaufnahme dreier Backsteingebäude. Umgeben von Wald.
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Exklusive BR-Aufnahme: In diesen alten Backsteingebäuden, erbaut von den Nazis, soll Munition zerkleinert werden.
Bildrechte: Bayerischer Rundfunk 2025
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Exklusive BR-Aufnahme: In diesen alten Backsteingebäuden, erbaut von den Nazis, soll Munition zerkleinert werden.

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Munitionsvernichtung: Rheinmetall-Infoabend stark besucht

Munitionsvernichtung: Rheinmetall-Infoabend stark besucht

Die Halle in Zusamaltheim ist bis auf den letzten Platz besetzt: Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat dort nun Bürger über die Pläne für eine Anlage auf dem Lerchenberg informiert, in der Munition gelagert und vernichtet werden soll.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Mit fast 400 Besuchern ist die Mehrzweckhalle in Zusamaltheim im schwäbischen Landkreis Dillingen am Donnerstagabend bis auf den letzten Platz besetzt. Rheinmetall will auf dem Lerchenberg, einem etwa 40 Hektar großen Gelände oberhalb der Gemeinde, Munition vernichten. Die Bürgerinnen und Bürger wollen wissen, was der Rüstungskonzern genau plant. Es geht um das erwartete Verkehrsaufkommen und um die Sicherheit. Darum, was in den bestehenden Bunkern gelagert werden soll und welche Risiken damit einhergehen könnten.

Veranstaltung bleibt friedlich

Auch die Polizei ist stark vertreten, "wegen der vielen Menschen und des brisanten Themas", heißt es von den Beamten. Die Stimmung allerdings bleibt ruhig. Nach dem Vortrag von Rheinmetall werden noch zahlreiche Fragen gestellt, aber es kommt zu keinerlei Ausschreitungen oder Ähnlichem.

Alles in allem sind die Besucherinnen und Besucher zufrieden, dass sie nun einmal aus erster Hand erfahren haben, was auf dem geschichtsträchtigen Gelände geplant ist.

Munition lagern, zerkleinern und vernichten

Auf dem Lerchenberg soll Deutschlands erstes großes, privat betriebenes Munitionsvernichtungswerk entstehen. Das Gelände sei dafür perfekt geeignet, sagt ein Unternehmenssprecher von Rheinmetall, der jahrelang genau nach so etwas gesucht habe. Vergangenen Spätsommer hat der Konzern das Gelände gekauft. Darauf befänden sich neben sehr gut erhaltenen Bunkern, in denen nicht mehr funktionsfähige Munition gelagert werden könne, auch einige gut erhaltene Backsteingebäude, in denen die Munition zerkleinert werden könne, um anschließend in einem Ofen bei bis zu 1.000 Grad vernichtet zu werden. Übrig bliebe davon in erster Linie heiße Luft, die den bundesweiten Vorgaben zufolge gefiltert werde, heißt es weiter. Zu dem erwarteten Verkehrsaufkommen sagt das Unternehmen, dass etwa 60 Lkw pro Jahr geplant seien.

Munition chemischer oder biologischer Waffen soll dort nicht vernichtet werden

Auf dem Gelände soll Fehlmunition aus der Produktion von Rheinmetall sicher vernichtet werden. Und eventuell auch geborgene Munition, etwa Fliegerbomben aus dem zweiten Weltkrieg, die immer wieder in Bayern gefunden werden. Aber das stehe noch nicht fest, man sei in Gesprächen, heißt es vom Bayerischen Innenministerium. Den Angaben zufolge wurden in Bayern im Jahr 2024 rund 87 Tonnen Kampfmittel geborgen. Bisher werde diese Fundmunition überwiegend in eigenen Anlagen durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst vernichtet.

Auf jeden Fall geht es nach Information des Rheinmetall-Sprechers auf dem Lerchenberg nur um konventionelle Munition, also nicht um biologische oder chemische. Das war ein wichtiger Punkt für die Anwohner.

Genehmigungen stehen noch aus

Auf Genehmigungen für die Pläne wartet das Unternehmen noch, hat sie teilweise noch nicht einmal beantragt. Man sei dabei, alle Papiere vorzubereiten, heißt es. Dennoch geht man davon aus, im Sommer mit den Arbeiten beginnen zu können. Zunächst soll der Zaun erneuert werden.

Der Zusamaltheimer Bürgermeister Stephan Lutz freut sich. Seine Gemeinde brauche Arbeitsplätze, rund 50 sollen entstehen, vom Wärter bis zum Staplerfahrer. Auch Gewerbesteuereinnahmen sollen fließen. Außerdem passiere nun endlich etwas mit dem schon seit Langem brachliegenden Gelände.

Nazis wollten geheimes Chemiewerk bauen

Schon früher war der Lerchenberg für militärische Zwecke genutzt worden. Die rund 30 Stahlbunker hat die Bundeswehr in den 1950er-Jahren errichtet und dort laut Rheinmetall auch bereits Munition gelagert. Die alten Backsteingebäude wurden von den Nationalsozialisten für ein geheimes Chemiewerk, das "Paraxol-Werk Welden", gebaut.

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