Am 25. Oktober 2025 um 12 Uhr mittags fielen die beiden 160 Meter hohen Kühltürme des ehemaligen Kernkraftwerks Gundremmingen in sich zusammen. Sie waren ein Symbol der deutschen Industriegeschichte. Inmitten einer gewaltigen Staubwolke stürzten die Kolosse zu Boden – und markierten zugleich den Abschluss eines Jahrzehnts, das den Ort für immer verändern wird.
Kühltürme in Gundremmingen gesprengt: Zehntausende vor Ort
Zehntausende aus Nah und Fern verfolgten das Spektakel live vor Ort. Viele Besucher zeigten sich bewegt: Was für einige ein technisches Ereignis war, bedeutete für andere eine Art Abschied von vertrauter Landschaft und Alltag. Die Türme waren bei gutem Wetter über Kilometer sichtbar.
"Es war Alltag, sie jeden Morgen und Abend zu sehen. Jetzt ist das einfach weg", sagte einer der Schaulustigen in einer Umfrage vor Ort. Andere sprachen sogar von Nostalgie und Wehmut – Worte, die den Wandel dieses Orts treffend beschreiben.
Geschichte und Bedeutung der Kühltürme
Die riesigen Kühltürme waren nicht nur technische Bauwerke, sondern ein Wahrzeichen der Region. Zwischen 1977 und 1980 errichtet, gehörten sie zu den Blöcken B und C des Kernkraftwerks, das jahrzehntelang Strom lieferte. Mit 56.000 Tonnen Stahlbeton gehörten sie zu den größten Bauwerken ihrer Art in Deutschland. Ihre Funktion war simpel und essenziell: Sie kühlten das bei der Stromproduktion erwärmte Wasser, bevor es in die Donau zurückfloss – und verhinderten so eine Überhitzung des Flusses. Doch die Ära der Atomkraft in Deutschland ist vorbei: Block B wurde bereits Ende 2017 stillgelegt, Block C folgte 2021. Die Sprengung der Kühltürme war ein sichtbarer Schritt im konsequenten Rückbau, den Betreiber RWE seit Jahren durchführt.
Ein neuer Energiestandort entsteht
Kaum vier Tage nach der Sprengung setzte RWE am ehemaligen Kraftwerksgelände den symbolischen Spatenstich für Deutschlands größten Batteriespeicher. In Anwesenheit von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und RWE-Chef Markus Krebber begann der Bau der Anlage.
Der Speicher soll eine Leistung von 400 Megawatt und eine Speicherkapazität von 700 Megawattstunden haben – genügend Energie für rund 500.000 Haushalte über einige Stunden hinweg. RWE investiert rund 230 Millionen Euro in das Projekt, das voraussichtlich 2028 in Betrieb gehen soll. "Das Energiesystem der Zukunft braucht leistungsfähige Speicher. Mit dem größten Batteriespeicher Deutschlands setzen wir ein starkes Zeichen", sagte Krebber beim Spatenstich. Ministerpräsident Söder betonte, Gundremmingen bleibe auch künftig ein wichtiger Energiestandort.
Abschied und Ausblick
Der Bürgermeister der Gemeinde, Tobias Bühler (CSU) beschrieb den Tag der Sprengung als einen "Ausnahmetag", an den man sich noch lange erinnern werde. Trotz Wehmut bei vielen Bürgerinnen und Bürgern herrscht auch Zuversicht: Die Region richtet ihren Blick nach vorn, in eine Zeit, in der erneuerbare Energien und innovative Speicherlösungen eine zentrale Rolle spielen.
2025 wird in Gundremmingen als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem ein Kapitel geschlossen und ein neues begonnen wurde – mit spektakulären Bildern und tiefgreifenden Veränderungen für die Gemeinde und darüber hinaus.
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