"Wir haben eigentlich schon längere Zeit darauf gewartet, dass die politische Entscheidung in diese Richtung gefällt wird", sagt der Bürgermeister von Leipheim, Christian Konrad. In seiner Gemeinde steht bereits ein Gaskraftwerk, das allerdings nur bei Bedarf hochgefahren wird – etwa, um Stromengpässe auszugleichen. Seit längerem plant die Gemeinde ein zweites Gaskraftwerk. Dieses sei in den Planungen schon so weit, dass es gebaut werden könne. Entsprechend begrüße er die Einigung mit der EU-Kommission, so der Bürgermeister. "Ich denke, das ist der richtige Weg, was die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger hier in unserem Land braucht."
Möglicher Standort für neues Gaskraftwerk: Leipheim
Betrieben werden soll das Kraftwerk von dem Energiekonzern LEAG. Auch dieser begrüßt die Einigung auf die Kraftwerksstrategie. Sie sei "essenziell für die Sicherung einer stabilen und sicheren Energieversorgung in Deutschland", so der CEO Adi Roesch. Man werde sich, sobald der Startschuss kommt, auf die Ausschreibungen bewerben. Durch das Ziel der Bundesregierung, dass die Kraftwerke 2031 an den Start gehen sollen, kämen für den Konzern nur Standorte infrage, die ohnehin schon bestehen. Denn diese würden den notwendigen Netzanschluss und eine leistungsfähige Energieinfrastruktur vorweisen. Neben Lippendorf (Sachsen) und Schwarze Pumpe (Brandenburg) gehöre dazu auch Leipheim im Landkreis Günzburg.
Drei Gaskraftwerke in NRW, keines in Bayern?
Auch der Energiekonzern RWE zeigte sich über die Neuigkeiten erfreut. "Wir hoffen, dass nun zügig das konkrete Gesetz vorgelegt wird, damit die ersten [...] Gaskraftwerke so schnell wie möglich [...] in Betrieb gehen können", so ein RWE-Sprecher. Als mögliche Standorte bringt er vor allem drei Orte in Nordrhein-Westfalen ins Spiel: Weisweiler, Werne, Voerde. Es würden gerade aber deutschlandweit verschiedene Standorte geprüft, betont der Sprecher. Zu einem Gaskraftwerk in Gundremmingen bei Günzburg äußerte sich der Konzern nicht. Dabei hatte Ministerpräsident Markus Söder noch im Oktober erklärt, dass dort ein neues Gaskraftwerk geplant werde.
Energiekonzern Uniper zurückhaltend
Der Konzern Uniper wiederum hält sich mit konkreten Standorten noch zurück. Man führe derzeit Vorprüfungen durch, welche geeignet wären. Auch, ob und zu welchem Zeitpunkt Uniper die "konkrete Planung von Neubau-Projekten in Bayern" aufnehmen kann, werde derzeit geprüft.
Energieverband: Es muss schnell gehen
Der Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft begrüßt die neueste Entwicklung als "wichtigen Schritt für die Wirtschaft, die Versorgungssicherheit und auch die Energiewende", betont aber auch, es müsse jetzt schnell gehen. "Die Versorgungslücke wird sich 2030 massiv auftun", so der Hauptgeschäftsführer Marian Rappl. "Und dann brauchen wir diese gesicherten Kapazitäten, um in Deutschland Versorgungssicherheit zu haben." Ein neues Gaskraftwerk in fünf oder sechs Jahren zu errichten, sei sportlich. Entsprechend müsse das Gesetz noch vor der Sommerpause durch den Bundestag.
Zu wenig Leistung für den Bedarf
Zugleich betont der Verband, zwölf Gigawatt Leistung, wie es in der Kraftwerksstrategie steht, seien zu wenig. Das dürfe nur der erste Schritt sein. Denn folge man den Zahlen der Branche und der Bundesnetzagentur, brauche es in ganz Deutschland 22 Gigawatt an Leistung.
Kritik: Gaskraftwerke nur als Notnagel
Gegenteilige Kritik übt die Deutsche Umwelthilfe. "Wir brauchen definitiv nicht 50 oder 100 neue Gaskraftwerke in Deutschland", sagt der Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. Man brauche zwar Gaskraftwerke für den Übergang zur Klimaneutralität, aber nur als Notnagel. Denn Klimaschutz gehe nur, wenn man aus der Kohle aussteige und auf erneuerbare Energien setze, nicht auf fossiles Gas. Ein "technologieoffener Mix" wäre nach Meinung der DUH besser. "Es gibt viele moderne Batterietechnologien, z.B. Großspeicher, die auch Dunkelflauten überbrücken können", so Müller-Kraenner.
Von den zwölf Gigawatt sollen in der Strategie bisher zwei technologieoffen ausgeschrieben werden.
Erste Ausschreibungen noch in diesem Jahr
Wie das genaue Gesetz am Ende aussieht, ist noch offen. Erst muss der Gesetzentwurf den Bundestag passieren, anschließend muss die Europäische Kommission die neuen Gaskraftwerke noch einmal endgültig genehmigen. Die ersten Ausschreibungen sollen allerdings noch in diesem Jahr starten.
Im Video: Kraftwerkstrategie - Grünes Licht für neue Gaskraftwerke
Grünes Licht für neue Gaskraftwerke
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