Die Hitze der vergangenen Tage hat bei der Nürnberger Straßenbahn ihre Spuren hinterlassen. Das Fugenmaterial zwischen Schiene und Asphalt war geschmolzen und ist an den Gleisen und Rädern der Straßenbahnen hängengeblieben.
Seit Sonntag steht der Verkehr still. Wann der Straßenbahnbetrieb wieder aufgenommen werden kann, ist noch offen.
Mehrere hunderttausend Euro Schaden
Von Hand müssen derzeit Arbeiter rund um die Uhr 40 Straßenbahnzüge und rund 40 Schienenkilometer von der klebrigen Masse, dem sogenannten Bitumen, befreien. Außerdem hat die VAG Nürnberg Fremdfirmen zur Unterstützung angefordert. Der Schaden beträgt mehrere hunderttausend Euro.
Wann die Reinigung der Bahnen beendet ist, ist laut Konrad Schmidt, VAG-Bereichsleiter Infrastruktur, schwer zu prognostizieren. Man hoffe, dass Ende der Woche auf ersten Streckenabschnitten der Betrieb wieder aufgenommen werden kann.
Straßenbahn in Nürnberg: Nachrüsten geht nicht
Berthold Best ist Professor für Verkehrswegebau an der Technischen Hochschule in Nürnberg. Er sagt, eine alternative Bitumenmasse, die der Hitze standhält, gebe es nicht. Man könne bei dem bestehenden Gleissystem nur wieder die vorhandene Fugenmasse verwenden.
Im Bestand sei es nicht möglich, auf die Hitze zu reagieren und die Infrastruktur in Nürnberg nachzurüsten. Bei neuen Anlagen rät er allerdings dazu, ein anderes System zu verwenden, bei dem man auf den Fugenverguss verzichten kann.
VAG-Bereichsleiter Schmidt, erklärt, man müsse bei der Auswahl des Materials auch bedenken, dass es hierzulande, im Gegensatz zu südlicheren Ländern, auch sehr kalten Temperaturen standhalten muss.
Gleise gegen die Hitze künftig wässern
Prof. Best gibt außerdem zu bedenken, dass das Gleissystem historisch gewachsen sei. Der Klimawandel sei bei weitem nicht so alt wie das Straßenbahnsystem der Stadt Nürnberg.
Als kurzfristige Lösung denkt die VAG darüber nach, das Gleis bei hohen Temperaturen künftig zu wässern. Das soll verhindern, dass die Masse weich wird und die Bahnen schließlich nicht mehr fahren können.
Probleme auch auf Bahngleisen und auf Autobahnen
Nürnberg war am Wochenende nicht die einzige Stadt, in der es Probleme wegen der Hitze im Schienenverkehr gab. Einschränkungen wegen des geschmolzenen Bitumens gab es auch in Würzburg, allerdings nicht im selben Ausmaß. Hier rollt der Straßenbahnverkehr wieder.
Auch bei der Bahn kam es zu Gleisverformungen, etwa in der Oberpfalz im Landkreis Cham. Auf Autobahnen gab es ebenfalls Schäden. Wegen drohender Blow-up-Gefahr musste etwa heute die A3 bei Deggendorf repariert werden, die Komplettsperrung sorgte für lange Staus.
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