Lena Bauer und ihr Vater züchten im mittelfränkischen Sugenheim Ferkel. 1,2 Millionen Euro haben sie in den vergangenen Jahren in einen neuen Stall investiert, mit viel Platz für Muttersauen und ihre Jungen. Die Tiere können selbst entscheiden, ob sie im Stall bleiben oder in den Außenbereich wechseln.
Auch die Bauers kämpfen mit dem Preisverfall beim Schweinefleisch, denn der drückt auch die Preise, die für junge Ferkel bezahlt werden. "Der Preis deckt die Kosten nicht und wir müssen unsere Rücklagen dafür verwenden, um einfach die laufenden Kosten zu tragen", sagt die Landwirtschaftsmeisterin.
Bayerischer Bauernverband warnt vor Höfesterben
Nicht jeder Landwirtschaftsbetrieb kann auf Rücklagen zurückgreifen, von Millioneninvestitionen in neue Ställe ganz zu schweigen, sagt Jürgen Dierauf, Obmann des Bayerischen Bauernverbands für den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und selbst Schweinehalter. Die im Vergleich mit anderen EU-Ländern höheren deutschen Auflagen in Sachen Tierwohl würden aber genau solche Investitionen erforderlich machen.
Neue Tierschutzauflagen
Der Hintergrund: 2027 kommt nach derzeitiger Planung ein 2023 beschlossenes, 2026 nochmal verschobenes staatliches Tierhaltungslabel für Schweinefleisch (tagesschau.de). In etwa zeitgleich führt die Initiative Tierwohl strengere Kriterien für ihr Label ein: Schon 2021 habe man mit allen Vertretern der Wertschöpfungskette – von der Landwirtschaft über die Schlachtbetriebe bis hin zum Lebensmitteleinzelhandel – Gespräche geführt und den neuen Weg beschlossen, heißt es bei der ITW.
Spanisches Schweinefleisch überschwemmt Europa
Gerade jetzt aber, so Dierauf, komme eine schwierige weltpolitische Lage dazu, auch beim Schweinefleisch: Weil spanische Wildschweine von der Afrikanischen Schweinpest befallen sind, würden China und andere südostasiatische Länder auch kein Fleisch von spanischen Hausschweinen mehr kaufen - das nun den europäischen Markt überschwemme und die Preise im Lebensmitteleinzelhandel drücke.
Tierwohlregeln aufschieben, mehr Geld: was der Bauernverband fordert
Deswegen fordern die Landwirte nun in einem Acht-Punkte-Plan Unterstützung durch die Bundesregierung: unter anderem die zinslose Stundung von Steuerzahlungen sowie eine höhere Soforthilfe angesichts der Kostensteigerungen bei Düngemitteln. Zugleich sollten die höheren Anforderungen beim Tierwohl ausgesetzt beziehungsweise verschoben werden. Weitere Forderungen: eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung, um mehr Transparenz für den Verbraucher zu schaffen, und eine Werbekampagne für bayerisches Schweinefleisch, unterstützt durch die Staatsregierung.
Optimismus auf dem Hof der Familie Bauer
Zumindest Familie Bauer sieht für die Zukunft nicht nur schwarz: Mit ihren Ferkeln aus den Haltungsformen drei und vier – die den Tieren deutlich mehr Platz sowie Zugang zu einem Außenbereich gewähren – würde sie eine Nische bedienen, sagt Lena Bauer.
Deswegen glaubt sie, dass sich die Erlöse vor allem für ihr Schweinfleisch wieder erholen werden. Immerhin sind die Preise Anfang August schon wieder etwas gestiegen.
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