Seidlstraße in München nach dem Anschlag mit einem Auto 2025
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Prozess um Auto-Anschlag auf Münchner Demo beginnt

Prozess um Auto-Anschlag auf Münchner Demo beginnt

Vor fast einem Jahr ist ein Auto in München in eine Menschenmenge gefahren. Eine Mutter und ihr kleines Kind kamen ums Leben. Dutzende weitere Menschen wurden verletzt. Nun beginnt der Prozess gegen den aus Afghanistan stammenden Fahrer.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Oberbayern am .

Elf Monate nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag in München beginnt der Prozess gegen einen 25-jährigen Afghanen. Mord wird ihm vorgeworfen, aber etwa auch versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung. Er soll sein Auto bewusst in eine Menschenmenge gesteuert haben.

Mutter und Tochter sterben im Krankenhaus

13. Februar 2025: Die Seidlstraße in der Nähe des Hauptbahnhofs ist voll an diesem Vormittag. Rund 1.400 Menschen ziehen mit einem Verdi-Demonstrationszug in Richtung Königsplatz zu einer Kundgebung. Plötzlich fährt von hinten ein Kleinwagen an den Begleitfahrzeugen vorbei.

Er erfasst zunächst eine Mutter und deren zweijährige Tochter im Kinderwagen. Die beiden werden so schwer verletzt, dass sie zwei Tage später im Krankenhaus sterben.

Verletzte noch immer in Behandlung

Der Fahrer soll dann noch 23 Meter weitergefahren sein. 43 Menschen haben teils lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Rechtsanwalt David Mühlberger vertritt acht der Opfer im Prozess. Sie sind dort Nebenkläger.

"Die meisten sind nach wie vor sowohl in psychologischer Behandlung als auch in einer körperlichen Physiotherapie", berichtet der Jurist. Bei manchen sei fraglich, ob sie jemals wieder arbeitsfähig sein werden.

Muslim soll religiöse Motive gehabt haben

Im Prozess werden sie erstmals wieder den Mann sehen, der das Auto laut Anklage absichtlich in den Demonstrationszug gesteuert hat. Der 25-Jährige ist sunnitischer Muslim und soll aus religiösen Motiven gehandelt haben, aber etwa auch aus Wut und Enttäuschung über seine persönlichen Lebensumstände.

Zu den Nebenklägern gehört auch der Mann, der seine Frau Amel und seine Tochter Hafsa verloren hat.

Hinterbliebene setzen Statement gegen Hass

Die Hinterbliebenen hatten kurz nach dem Anschlag in einem offenen Brief erklärt, Amel habe sich immer für Solidarität und gegen Fremdenfeindlichkeit eingesetzt. Man dürfe ihren Tod nicht nutzen, um Hass zu schüren.

Bei einer Gedenkfeier ließen sie ein weiteres Statement verlesen: "Wir möchten uns nochmals für die positive Resonanz, die Liebe und Kraft der vielen Menschen bedanken", hieß es dort etwa – und weiter: "Wir sind in Gedanken bei all den anderen betroffenen Kollegen, Freunden und Familienangehörigen, die auch mit den schrecklichen Bildern zu kämpfen haben und noch um ihre Lieben bangen."

Opfer hoffen auf lückenlose Aufklärung

Der Ort der schrecklichen Ereignisse war wochenlang ein mit Blumen übersäter Gedenkort - keine 500 Meter entfernt von dem Gerichtsgebäude, in dem nun der Prozess beginnt. Laut Bundesanwaltschaft hatte der angeklagte Afghane in sozialen Medien Hasspredigten angehört. Er habe westliche Staaten für das Leid der muslimischen Bevölkerung in seiner Heimat verantwortlich gemacht und deshalb beschlossen, Menschen in Deutschland zu töten.

Was erwarten sich die Opfer von dem Verfahren? Gerechtigkeit sei "ein großes Wort" und werde von jedem anders definiert, sagt Rechtsanwalt Mühlberger: "Was wohl von allen Mandanten durch die Bank gewünscht ist, ist eine tadellose und lückenlose Aufklärung". Für den Prozess am Oberlandesgericht München sind fast 40 Termine bis Ende Juni angesetzt.

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