Eine kleine Wandergruppe wartet am Silberberg im Bayerischen Wald auf den Sonnenaufgang.
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Eine kleine Wandergruppe wartet am Silberberg im Bayerischen Wald auf den Sonnenaufgang.
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Raus in die Natur: Wandern bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang

Raus in die Natur: Wandern bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang

Immer mehr Menschen entdecken das Wandern für sich. Ein spezielles Erlebnis wird auch gerne auf Social Media geteilt: Wanderungen bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. Auch im Bayerischen Wald bemerkt man das. Eine Spurensuche.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Es ist noch dunkel, als sich eine kleine Wandergruppe gegen 6 Uhr in der Früh an der Talstation der Silberbergbahn in Bodenmais trifft. Ihr Ziel: Der Aussichtspunkt am Silberberg vor Sonnenaufgang. Ausgestattet mit Wanderstöcken, ein paar Stirnlampen und Grödeln – wie Schneeketten für die Schuhe – macht sich die Gruppe leise auf den Weg. Gut 200 Höhenmeter geht es zu Fuß bergauf, vorbei an der Seilbahn, den Rodelbahnen, dem Besucherbergwerk und der Skipiste.

Wandern erfährt eine "Renaissance"

Angeführt wird die Gruppe von Wanderführer Klaus Pister. Der gebürtige Zwieseler wohnt seit über 30 Jahren in Bodenmais, seit fünf Jahren ist er hier als Wanderführer unterwegs. Er beobachtet, dass das Wandern grundsätzlich eine "Renaissance" erfährt. Aber auch das Erlebnis, zeitig für den Sonnenaufgang aufzustehen, werde immer beliebter.

Ähnlich sieht man das beim Naturpark Bayerischer Wald, in dem unter anderem der Silberberg liegt. Man stelle ebenfalls fest, dass immer mehr Menschen das Wandern – auch bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang – für sich entdecken, wie Hartwig Löfflmann, Geschäftsführer und Bildungsreferent beim Naturpark Bayerischer Wald in Zwiesel erklärt: "Vor allem, wenn man irgendwo der Nebellage entfliehen kann, dann geht man natürlich gern auf den Berg und schaut, über die Wolken zu kommen." Wo früher möglicherweise nur sehr wenige Wanderer unterwegs waren, würden sich heute 30 oder 40 Personen wiederfinden.

Naturpark: Respektvoller Umgang mit der Natur

Löfflmann appelliert deshalb an Wanderer, respektvoll mit der Natur umzugehen: "Wenn man sich in der freien Natur bewegt, dann sollte man […] daran denken, dass man in einem anderen Lebensraum unterwegs ist, wo man eher stört. Wenn man mit dieser Bescheidenheit loslegt, dann denke ich, ist es nicht verkehrt, wenn man sich draußen in der Natur bewegt." Er bittet außerdem, auf den Wegen zu bleiben, sich ruhig zu verhalten und Hunde an die Leine zu nehmen. Speziell für Sonnenaufgangs- oder Sonnenuntergangstouren solle man ein nicht zu helles Licht mitnehmen.

Nationalpark: Je unauffälliger, desto besser

Ähnliche Ansichten teilt man beim Nationalpark Bayerischer Wald, in dem etwa der Lusen liegt. Wie Jörg Müller, der stellvertretende Nationalparkleiter und Leiter des Sachgebiets Naturschutz und Forschung, erklärt, gebe es bei Sonnenaufgang und -untergang eine ganze Reihe von Artengruppen, die zu diesen Zeiten ihre "Aktivitäts-Peaks" haben. Er könne aber gleichzeitig gut nachvollziehen, wenn Menschen den Sonnenaufgang erleben wollen: "Wenn jemand das still und genießerisch tut, dürfte sein Störungseffekt auch nicht größer sein als von anderen Wanderern untertags." Deshalb appelliert Müller: "Je unauffälliger und unaufgeregter man sich verhält, in Bezug auf Licht und auf die Lautstärke, umso besser."

Grundsätzlich gelte in einem Nationalpark ein Kompromiss, so Müller: "Wir wollen auf der einen Seite einen sehr attraktiven Erholungsraum für Naturbesucher bieten und auf der anderen Seite natürliche Lebensgemeinschaften und Artenvielfalt schützen."

Tradition: Sonnenaufgang am Lusen erleben

Das Sonnenaufgangs- und Sonnenuntergangserlebnis ist im Nationalpark Bayerischer Wald allerdings nicht neu, wie Müller am Beispiel des Lusen beschreibt. Hier gebe es eine lange Tradition, den Sonnenaufgang zu genießen. "Ich glaub’ nicht, dass sich da grundsätzlich etwas geändert hat. Natürlich wird heute alles über neue Medien beworben und vielleicht noch eindrucksvoller in Szene gesetzt, weil man sofort jedes Bild und jeden Eindruck mit der ganzen Welt teilen kann." Dies gilt laut Müller aber für alle Naturschönheiten.

Aussicht bei orangefarbenem Licht

Bevor auch die kleine Gruppe um Wanderführer Klaus Pister den Sonnengang am Silberberg genießen und das ein oder andere Foto schießen kann, müssen die Teilnehmer gut 40 Minuten bergauf gehen. Währenddessen bittet Pister seine Gruppe, sich ruhig zu verhalten, auf den Wegen zu bleiben und nicht in den Wald zu laufen. Und so erreichen die Wanderer rechtzeitig den Aussichtsfelsen unterhalb des Gipfels. Um kurz vor acht Uhr folgt das große Finale: Die Sonne schiebt sich hinter einer Bergkette hervor. Der Silberberg ist nun von einem orangefarbenen Licht umgeben. Andächtig genießt die Wandergruppe den Anblick und ist sich einig: Trotz wenig Schlaf hat sich der Aufstieg gelohnt.

Im Audio: Sonnenaufgang auf dem Bodenmaiser Hausberg

Die kleine Wandergruppe nähert sich dem Aussichtspunkt am Silberberg.
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Die kleine Wandergruppe nähert sich dem Aussichtspunkt am Silberberg.

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