Ein Zurückrudern bei der Bio-Weidepflicht schließt der EU-Kommissar Christophe Hansen (EVP) ausdrücklich aus, sagte er im Interview mit dem Fachmagazin top agrar [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]. Die Weidepflicht sei seit 1999 Bestandteil der EU-Bio-Verordnung – also seit über 25 Jahren geltendes Recht. Aber es gab bisher viele Ausnahmen - auch in Bayern. Zum Teil genügte eine Auslauffläche anstelle einer Weide für die Bio-Rinder.
Dass 2025 nun Hunderte Bio-Rinderhalter, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, aus dem Ökolandbau ausgestiegen sind, wertet der Kommissar nicht als Beleg für eine unpraktikable Regel, sondern als Vollzugsproblem. Wenn Betriebe nach Jahrzehnten nicht regelkonform seien, habe es zuvor mangelnde Kontrollen oder falsche Genehmigungen gegeben.
Keine Ausnahme: Bio-Rinder müssen auf die Weide
Zugleich signalisiert er Verständnis für den Strukturbruch und betont, er wolle weitere Ausstiege verhindern. Denkbar seien pragmatische Lösungen innerhalb des bestehenden Rechts, etwa Flächentausch oder andere Wege, um eine Mindestweidefläche zu ermöglichen. Entscheidend sei aber: Die Tiere müssen tatsächlich auf die Weide kommen, so wie es die Bio-Gesetzgebung vorsieht und wie es Verbraucher erwarten.
Ein politisches Entgegenkommen durch Lockerungen oder neue Ausnahmeregeln schließt der Kommissar ausdrücklich aus. Andere EU-Länder hätten diesen Anpassungsprozess bereits früher durchlaufen, teils schmerzhaft, aber unumkehrbar.
EU-Kommissar machte im Sommer noch Hoffnungen
Im Sommer klang das noch anders. Bei einem Besuch in Niederbayern im Juli war es EU-Agrarkommissar Christophe Hansen (EVP) selbst, der den bayerischen Biobauern Hoffnung machte: "Natürlich will ich absolut verhindern, dass wir Biobetriebe verlieren", sagte er damals. "Deshalb mein Angebot, dass wir die EU-Verordnung öffnen." Doch daraus wird jetzt nichts mehr.
Mehr als 300 Betriebe in Bayern betroffen
In Bayern führt diese strikte Umsetzung der Weidepflicht bereits zu deutlichen wirtschaftlichen und strukturellen Problemen: Mindestens 316 Bio-Betriebe mit Rinderhaltung haben inzwischen die ökologische Landwirtschaft verlassen, weil sie ab 2026 die Vorgaben nicht erfüllen können. Diese Betriebe haben teilweise bewusst keine Förderanträge mehr gestellt, um Sanktionen zu vermeiden.
Der Bayerische Bauernverband und andere Verbände warnen immer wieder, dass ohne Ausnahmeregelungen noch weitere Betriebe aus dem Öko-System fallen könnten.
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