Salih Kanca hält sie stolz in den Händen: Er hat seine Einbürgerungsurkunde überreicht bekommen - vom bayerischen Innenminister Joachim Herrmann. Jetzt ist Kanca Deutscher - ganz offiziell. Für den Münchner ein wichtiger Schritt: Denn Kanca lebt seit über 50 Jahren in Deutschland, hat sich jahrzehntelang gesellschaftlich eingebracht und engagiert, im Fußballverein, als Schiedsrichter, im Elternbeirat in den Schulen seiner Kinder.
Salih Kanca ist einer von fast 60.000 (59.573) Menschen, die 2025 den deutschen Pass beantragt haben. Das Jahr 2025 war ein Rekordjahr, was die Einbürgerungen betrifft, so Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen im Landesamt für Statistik in Fürth. Die Zahl der Einbürgerungen sei erneut um zehn Prozent im Vergleich zu 2024 gestiegen.
Mehr Einbürgerung wegen neuem Zuwanderungsgesetz
Ein Grund sei, dass viele der Flüchtlinge, die 2015 nach Deutschland gekommen seien, inzwischen die Voraussetzungen erfüllten. Zum anderen sei mit der Änderung des Zuwanderungsgesetzes unter der Ampelregierung nun auch die doppelte Staatsbürgerschaft möglich, erklärte der Innenminister. Dies sei vor allem für Türkischstämmige wichtig, weil sie sonst in der Türkei im Erbschaftsrecht benachteiligt würden. "Deshalb haben viele türkische Mitbürger, die eigentlich schon lange die Einbürgerungsvoraussetzungen erfüllen, dies wegen des Verbots der Doppelstaatsbürgerschaft lange nicht gemacht. Da merkt man, dass jetzt die Zahl der Anträge gestiegen ist", so Herrmann.
Innenminister Herrmann bei der Einbürgerungsfeier im Statistischen Landesamt in Fürth. Ganz rechts steht Salih Kanca.
Wurzeln in der Türkei
Einer davon ist Salih Kanca. Auch für ihn war die Änderung im Zuwanderungsgesetz ein Grund, nun die Einbürgerung und damit eine doppelte Staatsbürgerschaft zu beantragen. Die Geschichte von Kanca ist eine Erfolgsgeschichte: Seine Wurzeln liegen in der Türkei. 1973 kam er als Gastarbeiter nach Regensburg. Doch bereits nach einem halben Jahr war ihm klar, dass er mehr wollte, als im Akkord zu arbeiten. Noch in der Türkei hatte er sein Abitur gemacht. In Deutschland spart er auf einen Deutschkurs, macht die Aufnahmeprüfung an der Universität. Dann studiert er in Kiel Maschinenbau, kommt danach über Regensburg nach München, wo er 40 Jahre als Entwicklungsingenieur bei Krauss-Maffei beschäftigt ist.
Dass Salih Kanca erst über 40 Jahre später die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt hat, liegt auch an seinen Kindern. Die sind hier - genauso wie die Enkel - geboren. Auch sie haben mittlerweile die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt und werden jetzt Deutsche. Nur Kancas Frau bleibt vorerst weiterhin Türkin, weil der Einbürgerungstest für sie ein zu große Hürde darstellt. "Meine Familie ist gespalten", sagt Kanca dazu.
In Deutschland begraben werden
Doch der deutsche Pass ist Salih Kanca ein wichtiges Zeichen: Er habe sich sehr in Deutschland engagiert und "deshalb sollte man die deutsche Staatsangehörigkeit bekommen", so Kanca. Auch wenn er irgendwann mal in Deutschland begraben werden will, ist ihm der türkische Pass genauso wichtig, weil seine Wurzeln in der Türkei liegen.
Herrmann: Wirtschaft braucht Zuwanderung
Laut Statistik wurden 2025 6.495 Menschen mit türkischen Wurzeln in Bayern eingebürgert. Aus Mitgliedstaaten der EU kamen mit 2.620 die meisten Eingebürgerten aus Rumänien. Der Innenminister fügte hinzu, gerade die Wirtschaft in Bayern brauche die Zuwanderung von gut integrierten Menschen, weil es auch in den nächsten 20 Jahren mehr Todesfälle als Geburten geben werde.
Im Video: Einbürgerung - Bayern verzeichnet Rekordzahlen
Einbürgerung: Bayern verzeichnet Rekordzahlen
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