Das Schreiben aus dem Internet ist auf Englisch verfasst. Möglicherweise, weil der Verfasser weltweit eine Szene erreichen wollte, die Amoktaten verherrlicht. Zunächst hatte der "Spiegel“ über die Ankündigung berichtet (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt). Dem BR liegt mutmaßlich das gleiche Dokument vor, über das der Spiegel berichtet hat und das die Staatsanwaltschaft aktuell auf seine Echtheit prüft. Auch das Team des #Faktenfuchs hat das Dokument analysiert. Es enthält mehrere Indizien, die darauf hindeuten, dass es vom mutmaßlichen Täter verfasst wurde.
Bei der Tat am Mittwoch am oberbayerischen Welfen-Gymnasium wurden zwei 13-jährige Mädchen durch Messerstiche schwer verletzt. Sie sind noch im Krankenhaus, befinden sich aber nicht mehr in Lebensgefahr. Der 16-jährige Angreifer sitzt in Untersuchungshaft.
Worum geht es in dem Dokument?
Der Verfasser erläutert hier seine Überzeugungen. Es sind 19 Seiten voller Hass und Gewaltfantasien. Auf Frauen, Muslime, Juden, queere Menschen oder reiche blonde Kinder. Kaum eine Gesellschaftsgruppe, die nicht aufgegriffen wird. Dabei strotzen die Worte des Verfassers vor Verachtung. Zudem schwärmt er von vorangegangenen Amoktaten.
Der Schreiber sieht sich aber auch als Opfer, bezeichnet sich als hoffnungslosen 16-Jährigen. Er berichtet von Mobbing und Angriffen und Unverständnis von Seiten der Lehrer. Auch die eigenen Eltern werden aufs Übelste beschimpft.
Was spricht für die Echtheit des Schreibens?
Der Autor nennt einen Vornamen, der laut "Spiegel" mit dem Namen des festgenommenen Jugendlichen übereinstimmt. Weil Behörden und Medien diesen bisher nicht veröffentlicht haben, könne das für die Authentizität sprechen, so der "Spiegel". Außerdem schildert der Autor persönliche Erlebnisse, beschreibt einen Umzug in der Kindheit. Laut "Spiegel" passen die Angaben zum Lebenslauf des Verdächtigen. Außerdem habe der Verfasser in der Schule Ärger bekommen, weil er angeblich zuvor einen Amoklauf angekündigt habe. Auch das deckt sich mit den Angaben der Behörden. Wegen zweier Vorfälle aus dem Jahr 2025 ermittelt die Staatsanwaltschaft München II bereits gegen den Täter – weil er unter anderem Mitschüler bedroht und in sozialen Netzwerken Amokläufe verherrlicht haben soll. Auch digitale Spuren lassen laut "Spiegel" vermuten, dass es sich um den 16-Jährigen handle.
Wollte der Angreifer seine Tat live streamen?
Das Magazin berichtet außerdem, dass auf einem mittlerweile gelöschten TikTok-Account kurz vor Beginn der Tat ein Livestream angekündigt wurde. Die Staatsanwaltschaft München II bestätigte auf BR24-Anfrage Hinweise auf einen möglicherweise geplanten Livestream der Tat. Darüber hinaus stieß das Team des #Faktenfuchs in einem Internetforum, in dem auch das Dokument veröffentlicht wurde, auf ein Video. Die Aufnahmen wurden vor der Sporthalle in Schongau gemacht, wohl vom mutmaßlichen Täter. Wann genau das Video entstand oder gestreamt wurde, lässt sich anhand der vorliegenden Informationen jedoch nicht verifizieren.
Anschlag statt Amoktat?
Zunächst war in den Medien von einer mutmaßlichen Amoktat die Rede – auch weil die Polizei zunächst von "Hinweisen auf eine Amoktat" sprach. Zudem äußerte sich Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) nach der Tat, man gehe "von einer Amoktat" eines "Einzeltäters" aus. Laut einer Definition der WHO versteht man unter Amok eine willkürliche, anscheinend nicht provozierte Episode mörderischen oder erheblich (fremd-)zerstörerischen Verhaltens.
Doch möglicherweise übernimmt jetzt – auch nach Auftauchen des Dokuments – die bei der Generalstaatsanwaltschaft München angesiedelte Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) das weitere Verfahren. Die Spezialeinheit wird bei Straftaten mit extremistischen oder terroristischen Bezügen sowie Hasskriminalität aktiv. Also beispielsweise bei dem Verdacht eines gezielten Anschlags und nicht etwa bei Amoktaten. Sie stehe in engem Kontakt mit der Staatsanwaltschaft München II, erklärte die Behörde gegenüber dem BR, und werde unter Berücksichtigung der ersten Ermittlungsergebnisse eine Übernahme des Verfahrens prüfen.
Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) hat als Reaktion auf die Messerattacke an einer Schule in Schongau eine spezielle Hotline für Menschen aus dem Landkreis Weilheim-Schongau und der gesamten Region eingerichtet. Wie die KVB am Freitag mitteilte, könnten Betroffene dort ab sofort psychiatrische oder psychotherapeutische Unterstützung bekommen. Die Hotline ist täglich zwischen 8 und 22 Uhr unter der Nummer 0921/8809955030 erreichbar.
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