Schulkinder an einer Haltestelle
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Bushaltestellen auf dem Land. Für viele Schulkinder sind solche Haltestellen direkt neben Straßen mit Tempo 100 Alltag. Viele Eltern sorgen sich.
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Bushaltestellen auf dem Land. Für viele Schulkinder sind solche Haltestellen direkt neben Straßen mit Tempo 100 Alltag. Viele Eltern sorgen sich.

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Schulbushaltestellen auf dem Land: Tempo 100 neben Kindern 

Schulbushaltestellen auf dem Land: Tempo 100 neben Kindern 

Auf dem Land ist der Schulbus für viele Familien Alltag. Haltestellen liegen oft außerorts, direkt neben Tempo-100-Straßen. Kinder müssen teils sogar die Fahrbahn überqueren. Offiziell gilt dies als sicher, doch bei Eltern bleibt ein ungutes Gefühl.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

In Pfarrkirchen-Aham im Landkreis Rottal-Inn liegt die Schulbushaltestelle von Marlene und Jonas direkt an einer Staatsstraße. Wenn die beiden Neunjährigen nach Hause wollen, müssen sie nach dem Aussteigen die Fahrbahn überqueren. Erlaubt sind dort 100 Stundenkilometer. Für ihre Eltern, Roman und Christine Plansky, ist das seit Jahren ein Risiko.  

"Ich kann sie nicht alleine lassen", sagt Mama Christine. "Die spielen an der Bushaltestelle, schalten den Kopf aus und dann kommen sie beim Spielen auch ein bisschen auf die Straße. Und dann kanns halt schnell gehen."  Die Eltern fordern deshalb an dieser Stelle Minimum ein Warnschild "Schulbus" oder im Idealfall ein zeitlich begrenztes Tempolimit von 70 Stundenkilometern.

Nur dokumentierte Fälle zählen 

Wer an einer Schulbushaltestelle Tempo reduzieren oder ein zusätzliches Schild aufstellen lassen will, muss sich an die Behörden wenden. Auf Kreis-, Staats- und Bundesstraßen ist das Landratsamt als Straßenverkehrsbehörde zuständig. Auf Gemeindestraßen, Verbindungsstraßen, Feld- oder Waldwegen die Gemeinde. Die Meinungen von Polizei und Bauamt fließen mit ein. 

Vor Ort wird dann jede Haltestelle einzeln begutachtet, in Form einer sogenannten Verkehrsschau. Nach der Straßenverkehrsordnung muss die besondere Gefahrenlage nachvollziehbar sein. Geprüft werden deshalb unter anderem Sichtweiten, Verkehrsstärke, gefahrene Geschwindigkeiten, Querungen, Schulzeiten oder registrierte Unfälle. 

Beinahe-Unfälle tauchen nicht in der Statistik auf

Genau hier entsteht oft der Konflikt. Eltern erleben eine Situation im Alltag als gefährlich. Behörden haben feste Kriterien, nach denen sie Haltestellen bewerten.

Überdies taucht nicht jede Gefahr in der Statistik auf. Unfälle ohne Verletzte werden nicht immer der Polizei gemeldet. Beinahe-Unfälle erst recht nicht. Für Eltern können solche Situationen trotzdem prägend sein.  

Im Video: Tempo 100 an der Bushaltestelle - Wenn Schulwege lebensgefährlich werden

Im Video: “Extrem gefährlich” - so engagiert kämpfen diese Eltern für ein Tempolimit an der Haltestelle ihrer Kinder
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Im Video: “Extrem gefährlich” - so engagiert kämpfen diese Eltern für ein Tempolimit an der Haltestelle ihrer Kinder

Ehemaliger Polizist kritisiert "Auto-First-Politik"

Johann Aigner ist ehemaliger Polizist. Als Mitglied beim Verkehrsclub Deutschland  kritisiert er genau diese Logik. Solange nichts passiert, würden viele Haltestellen als unauffällig gelten.  "Die Behörden schauen auf die Unfallstatistik. Ist da noch nie was passiert, dann brauchen sie nichts machen. Wenn dann mal einer zusammengefahren wird, dann heißt es, das ist eine Ausnahme, ein unglücklicher Einzelfall."  

Aus Sicht von Aigner beißen sich Eltern in solchen Verfahren oft die Zähne aus: Zuständigkeiten, Einzelfallprüfungen und rechtliche Hürden machen Änderungen langwierig. Er kritisiert eine "Auto-First-Politik", bei der der Verkehrsfluss für Autofahrer häufig mehr Gewicht bekomme als der Schutz von Kindern.

Ministerium: Generelle Tempoabsenkung auf Landstraßen nicht zielführend

Das Bayerische Innenministerium setzt in Bayern den fachlichen Rahmen für Verkehrssicherheit. Auf BR-Anfrage heißt es, Schulwegsicherheit nehme im Verkehrssicherheitsprogramm 2030 "Bayern mobil – sicher ans Ziel" eine wichtige Rolle ein. Den Vorschlag, die Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen generell abzusenken, sieht das Innenministerium nicht als Lösung für die Schulbushaltestellen-Problematik. Bestehende Regelungen, vor allem die Notwendigkeit der Einzelfallbetrachtung, seien ausreichend und zielführend.

 Autofahrer in der Bringschuld 

Behörden verweisen auch auf die Sorgfaltspflicht der Autofahrer: Sobald ein Schulbus mit Warnblinker unterwegs ist, darf er nicht überholt werden. Steht der Bus mit Warnblinker an der Haltestelle, gilt Schrittgeschwindigkeit – auch für den Gegenverkehr.

Vater: "Querschnittsgelähmt ist man ein Leben lang" 

Für Familie Plansky hat sich bisher wenig geändert. Das Landratsamt Rottal-Inn hat als zuständige Behörde die Haltestelle gemeinsam mit Polizei und Bauamt geprüft. Angeordnet wurde eine einseitig durchgezogene Linie, Tempo 70 oder zusätzliche Warnschilder lehnt die Behörde weiter ab. Aus Sicht des Landratsamts liegt dort keine außergewöhnliche Gefahrenlage vor. Vater Roman kann die Entscheidung nicht verstehen: 

"Das Landratsamt hat geschrieben: Es ist noch nie was passiert. Ja, aber wenn was passiert, dann ist es halt zu spät. Querschnittsgelähmt ist man ein Leben lang."

Solange es kein Tempolimit und kein zusätzliches Warnschild gibt, sichern die Eltern den Schulweg ihrer Kinder weiter selbst.

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