Eine pinke Rakete fliegt aus dem Bild heraus - im Hintergrund russische Wahrzeichen.
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Mit der Flamingo-Rakete trifft die Ukraine inzwischen Ziele bis zu 3.000 Kilometer entfernt.
Bildrechte: picture alliance / Zoonar | Stanislav Sablin, colourbox.com/1983, picture alliance / SIPA | PAUL DZA; Montage: BR
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Mit der Flamingo-Rakete trifft die Ukraine inzwischen Ziele bis zu 3.000 Kilometer entfernt.

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Rüstungswunder Ukraine: Sieg oder Risiko?

Rüstungswunder Ukraine: Sieg oder Risiko?

Die militärischen Fähigkeiten der Ukraine versetzen Freund und Feind in Staunen. Wie das kriegsgeplagte Land aufrüstet – und was der Westen davon lernen kann. Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: Possoch klärt am .

Mit der Flamingo-Rakete trifft die Ukraine inzwischen Ziele bis zu 3.000 Kilometer entfernt – Reichweite und Sprengkraft übertreffen sogar den als Wunderwaffe gehandelten deutschen Taurus-Marschflugkörper. Zwischen Februar und April hat Kiew solche Angriffe auf mittlerer Distanz vervierfacht. Das "Institute for the Study of War" [externer Link] spricht vom möglichen Beginn einer neuen Kriegsphase.

Wie aus dem Abnutzungskrieg ein Abstandskrieg wurde

Wie hat die Ukraine das geschafft? Gerhard Mangott, Politikwissenschaftler mit Schwerpunkt Russland an der Universität Innsbruck, nennt im BR24-Interview für "Possoch klärt" drei Faktoren: die sowjetische Tradition als Rüstungsstandort, eine neue Generation kreativer Ingenieure und Start-ups – und massive westliche Investitionen, kombiniert mit ausgelagerter Produktion in Europa, außerhalb der Reichweite russischer Luftangriffe. Innovation, Ingenieurskunst und westliche Hilfe zusammen erklärten das "Wunder" der ukrainischen Rüstungsindustrie.

Die Flamingo-Rakete, gebaut vom Start-up Fire Point, zeigt das Prinzip: eine Fliegerbombe, umgerüstet mit Jet-Triebwerk zum Marschflugkörper, günstiger in der Produktion als westliche Systeme. Was sie nicht kann, anders als der Taurus: gestaffelt explodieren, um sich durch mehrere Bunkerdecken zu fressen, bevor die Sprengladung tief im Bunkersystem zündet.

Dazu kommt das Gefechtsfeldmanagementsystem Delta, das in Kooperation mit der US-Firma Palantir Echtzeitdaten von der Front liefert: ein entscheidender Faktor künftiger Kriegsführung, denn wer das beste System zur Informationsverarbeitung hat, ist der Gegenseite meilenweit voraus. Ein Prämiensystem, das Brigaden für erfolgreiche Drohnenangriffe Punkte gutschreibt, die sich in neue Ausrüstung umtauschen lassen, hat die Schlagkraft nach Einschätzung westlicher Militärexperten zusätzlich gesteigert.

Im Video: Rüstungswunder Ukraine – Gewinnen sie jetzt den Krieg? Possoch klärt!

Das Risiko eines in die Enge gedrängten Putin

Genau hier liegt für Mangott das Paradox: Solange der Krieg andauert, ist die militärische Stärke der Ukraine ein Eskalationsrisiko: Ein Putin, der nicht mehr auf Sieg hoffen kann, werde unberechenbarer.

Russlands jüngste Reaktionen deuten in diese Richtung: Drohungen gegen Diplomaten in Kiew, die schwersten Angriffe auf die Stadt seit Wochen, bei denen das historische Höhlenkloster Petscherska Lawra schwer beschädigt wurde, und zum dritten Mal binnen vier Jahren der Einsatz einer atomwaffenfähigen Oreschnik-Mittelstreckenrakete.

EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnt, Putin könnte die Eskalation vorantreiben, um eine neue Mobilmachung zu rechtfertigen. Mangott bestätigt, dass Russland sich darauf vorbereite – ohne dass eine Entscheidung bereits gefallen sei. Für Putin sei eine neue Teilmobilisierung innenpolitisch riskant: Bislang traf der Krieg vor allem ärmere Bevölkerungsschichten, was den Unmut begrenzt hielt. Eine Ausweitung würde den Krieg unpopulärer machen und eine neue Emigrationswelle auslösen mit wirtschaftlichen und technologischen Folgen, die Mangott als mittelfristig verheerend für Russland einschätzt.

Kein schneller Sieg, aber ein langfristiger Gewinn

Verhandlungen sind nach Mangotts Einschätzung erst möglich, wenn beide Seiten erschöpft sind und keine realistische Hoffnung mehr auf weitere Geländegewinne besteht. Dort seien beide Kriegsparteien noch nicht. Die Positionen von Ukraine und Russland würden zu weit auseinander liegen, der Krieg dürfte mindestens noch bis Jahresende weitergehen.

Sobald der Krieg endet, wird laut Mangott genau diese ukrainische Stärke kein Risiko mehr sein, sondern der größte Sicherheitsgewinn, den Europa seit Jahren erhalten hat – durch Technologie, aber vor allem durch die Kampferfahrung ukrainischer Soldaten.

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