Schon auf den ersten Blick ist klar: Da stimmt was nicht am Hofer Untreusee. Boote liegen komplett auf dem Trockenen, Stege stehen teils fast zwei Meter über dem Wasserspiegel. Darunter zeigen Dutzende kleiner Ahorne, wie lange der eigentliche Seeboden hier schon nicht mehr von Wasser bedeckt ist. Wer die Schwimm-Einstiege nutzen will, muss die Gefahr spitzer Steine in Kauf nehmen - die ebenfalls gut einen Meter unter der Wasseroberfläche liegen sollten.
Extreme Frühjahrs-Trockenheit nicht der einzige Grund
Der Hauptgrund für den niedrigen Pegel ist, wie überall in Bayern, dass die letzten Monate laut Deutschem Wetterdienst das trockenste Frühjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen waren. Dazu sind die Pflanzen um diese Jahreszeit voll im Wachstum und verbrauchten den Großteil der Niederschläge direkt. Kaum etwas landet in den Gewässern.
Das ist am Untreusee aber nicht der einzige Grund für den niedrigen Pegelstand: Er ist ein Stausee, dessen Wasserhöhe gesteuert wird. Der "U-See", wie viele Hoferinnen und Hofer ihn nennen, wird vor allem für Freizeitaktivitäten genutzt, dient aber auch der Stabilisierung des regionalen Gewässersystems. Jedes Jahr im Herbst wird er auf zwei Meter unterhalb des Soll-Pegels abgelassen, um Platz für die Schneeschmelze zu schaffen. So sollen in früheren Zeiten häufiger auftretende Frühjahrshochwasser in der Sächsischen Saale verhindert werden.
Wie viel Platz für die Schneeschmelze ist noch sinnvoll?
Diese große Schneeschmelze, früher oft noch in Verbindung mit viel Regen im Frühjahr, tritt in Oberfranken allerdings kaum noch auf. Die Folge: Wenn der See ab dem Frühjahr wieder angestaut wird, erreicht er den angedachten Pegel für die Sommersaison schon seit vielen Jahren fast nie. Die Betriebsvereinbarung, in der zum Beispiel die Absenkung und der tägliche Mindestabfluss verpflichtend festgeschrieben sind, ist noch immer jene aus der Bauzeit des Sees in den 1970er-Jahren.
Ab 2027 soll im Herbst weniger abgesenkt werden – die Lösung?
Das soll sich jetzt ändern: Stadtverwaltung und Wasserwirtschaftsamt haben sich darauf geeinigt, künftig im Herbst nur noch auf einen statt zwei Meter unter den Sommerpegel abzusenken. Laut Christian Weiß, dem stellvertretenden Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Hof, ist das inzwischen möglich, ohne den Hochwasserschutz zu gefährden. Auch weil man jetzt im Gegensatz zur Bauzeit jahrzehntelange Erfahrungswerte habe.
Ob das reicht, damit Besucher wieder von den Stegen aus in die Boote steigen können, wird sich dann zeigen müssen. Und zwar frühestens nächstes Jahr, vorausgesetzt, das zugehörige wasserrechtliche Verfahren ist bis zum Herbst abgeschlossen. Für die Hofer Wassersportler ist also möglicherweise Land in Sicht – oder in diesem Fall eher weniger Land in Sicht – als in den letzten Jahren.
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