"Der ist irgendwann weg", sagt Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und zeigt auf den Permafrost hinter ihm. Fünfzehn Minuten Fußmarsch durch den Stollen im Inneren der Zugspitze hatten er und die ihn begleitende Delegation, darunter Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler), da hinter sich. Sie wollten sich vor Ort ein Bild vom auftauenden Permafrost machen. Erst im September waren hier rund 14.000 Kubikmeter Fels abgestürzt.
Permafrost schmilzt - Felstürze werden Normalität
Kurz gesagt: Es sieht nicht gut aus. Die TU München unter Leitung von Professor Michael Krautblatter informierte den Ministerpräsidenten, dass in diesem Jahr bereits 13 Meter jahrtausendealter Permafrost geschmolzen seien, sonst seien sieben Meter Anfang Oktober normal. Nirgendwo sonst in Europa erwärmt sich das Klima so schnell wie in den Alpen – der Forscher schätzt, dass die Zugspitze in höchstens 30 Jahren gänzlich frei von Permafrost ist.
Die Folge: Berge werden bröselig, Felsstürze zur Normalität. "Die Gefahr von Abgängen wächst", konstatiert der Ministerpräsident. Man werde versuchen, "das mit Klimaschutz und Klimaanpassung so weit wie möglich hinauszuzögern".
Doch gerade erst hat die bayerische Staatsregierung angekündigt, das Klimaschutzgesetz deutlich aufweichen zu wollen. Bayern will sich nun doch weitestgehend an die deutschlandweiten Pläne orientieren und statt 2040 erst 2045 klimaneutral sein. Auch setzt die Staatsregierung mehr auf Freiwilligkeit bei Klimaanpassungsmaßnahmen.
Mit dem Hammer simuliert der Ministerpräsident Bewegungen im Fels.
Kritik an geplanter Reform des bayerischen Klimagesetzes
Professor Harald Lesch, der im Klimarat sitzt, hatte das Vorhaben am Dienstag kommentiert. Das Gesetz helfe weder Mensch noch Klima, so Lesch. Ministerpräsident Söder entgegnete auf der Zugspitze, man sehe das anders, und verwies auf seinen Umweltminister. Minister Glauber äußerte sich überzeugt, es gehe darum, Menschen für Klimaschutz zu motivieren. Der Besuch auf der Zugspitze sei "genau richtig, um die Menschen zu beruhigen, dass wir in der Gefahrenvorsorge bei ihnen sind", ohne das Thema "zu negieren".
Bei Bayerns Grünen rief der Zeitpunkt von Söders Besuch auf der Zugspitze Spott hervor. Deren Fraktionsvorsitzende im bayerischen Landtag, Katharina Schulze, teilte mit, Söder bestaune oben auf der Zugspitze sterbende Gletscher und "hacke das eigene Klimaziel 2040 mit der Axt ab". Es sei "absurd".
Ministerpräsident verspricht Geld für Frühwarnsystem
Söder hielt dagegen, der Besuch auf der Zugspitze sei "mehr als glaubwürdig". Denn Bayern fördere etwa ein neues Projekt der TU München an der Zugspitze mit 600.000 Euro. Die TU München will in wenigen Tagen damit beginnen, die gesamte Nordseite der Zugspitze mit einem Hochleistungslaser zu vermessen. Ziel ist es, künftig frühzeitig vor Felsstürzen wie dem vom September warnen zu können. Denn Frühwarnung sei der einzige Hebel, der Forschern im Zuge des Klimawandels in den Bergen bleibe, so Professor Michael Krautblatter.
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