Michael Greiner von der Wasserwacht München-Mitte läuft an der Isar entlang. Zur Brücke über den Isarwehrkanal an der Marienklause. Eine Stelle, an der immer wieder Menschen von der Brücke ins Wasser hüpfen. "Also wir erleben es natürlich, dass das doch sehr magisch ist. So eine Brücke, wo man reinspringen kann und die Gefahren vielleicht dann in den Hintergrund rücken", sagt Greiner.
Dabei muss die Brücke gar nicht hoch sein, damit es gefährlich ist. Auch Brücken, die nur wenige Meter hoch sind, bergen Gefahren. "Auch hier an der Brücke liegt des Öfteren was im Kanal, was nicht reingehört, wie Einkaufswägen, Räder oder diese E-Scooter, die natürlich dann auch Gefahr bergen, wenn man da draufspringt", merkt Greiner an.
- zum Artikel: Badetote in Bayern: Warum vor allem Männer ertrinken
Zuletzt zwei schwere Unfälle in Bayern – ein Jugendlicher stirbt
Am Montag teilte die Polizei Regensburg mit, dass am Samstag ein 17-Jähriger durch einen Sprung von einer Straßenbrücke in den Main-Donau-Kanal ums Leben gekommen ist. Bei Freystadt in der Oberpfalz sprang der Jugendliche in den Fluss, ging nach dem Aufprall unter und war nicht mehr auffindbar. Später fanden ihn Wasserwacht-Taucher. Vor Ort blieben Wiederbelebungsmaßnahmen erfolglos, im Krankenhaus wurden sie später eingestellt. Die Kriminalpolizei ermittelt.
Am Wochenende davor kam es zu einem Zwischenfall am Sylvensteinspeicher im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Dort installierten junge Erwachsene ein Trampolin auf der 25 Meter hohen Faller-Klamm-Brücke, um darüber mit Anlauf ins Wasser zu springen, wie die Wasserwacht mitteilt. Dabei kam einer mit dem Bauch auf und musste ins Krankenhaus Innsbruck geflogen werden.
DLRG: "Sprung in den Rollstuhl" – aber konkrete Zahlen fehlen
Wasserwacht Bayern und DLRG Bayern führen keine eigenen Statistiken zu Einsätzen wegen Brückenspringens, sie seien zu selten. Insgesamt verzeichnen beide keine Zunahme solcher Fälle. Die DLRG nennt aber Unfall-Hotspots: in Würzburg am Main, Regensburg an der Donau, München an der Isar und Truchtlaching an der Alz. Sie rät ausdrücklich vom Brückenspringen ab, vor allem von Kopfsprüngen ins Wasser, und spricht wegen des Risikos einer Querschnittslähmung vom "Sprung in den Rollstuhl". Denn der Wasserstand könnte niedriger sein als gedacht.
Besonders warnt die DLRG junge Männer: Hier beobachtet sie ein sinkendes Risikobewusstsein. Ein Bild, das sich auch in der allgemeinen Statistik der Badetoten zeigt: Bis Anfang August dieses Jahres ertranken in Bayern bereits 20 Männer zwischen 20 und 30 Jahren, keine einzige Frau. 2025 waren es insgesamt 13 Männer; die letzte junge Frau ertrank 2022.
"Ich sehe es eher wie ein Sprungbrett im Schwimmbad"
Fragt man bei jungen Leuten nach, steht vor allem der Spaß im Vordergrund. Jeremias sitzt gerade am Isarufer und spielt mit seinen Freunden Karten. Der 20-jährige Münchner springt manchmal von einer Brücke südlich von Thalkirchen in den Isarwehrkanal. Dort sei die Strömung nicht so stark, auch Flöße würden dort fahren. "Ich sehe es eher wie ein Sprungbrett im Schwimmbad. Dann einfach aus Spaß da reinspringen", sagt Jeremias und fügt hinzu, dass diese Brücke ja relativ niedrig sei.
"Es ist immer chilliger, wenn schon einer vor dir gesprungen ist, dann weiß man, dass nichts drin ist. Aber auf eigene Gefahr. Es ist immer ein bisschen Risiko dabei, da muss man sich schon im Klaren sein. Und allein habe ich es zum Beispiel auch noch nie gemacht. Man hat dann schon seine Leute dabei", sagt der 20-Jährige.
Wasserwacht: Unbedingt die Baderegeln einhalten
Michael Greiner appelliert, unbedingt die Baderegeln einzuhalten. Vor allem: Springe nie in ein unbekanntes Gewässer. Am besten suche man sich einen Sprungturm an einem See oder eben Stellen, an denen Springen in offene Gewässer erlaubt sei. Auch hier helfe es, sich vorher durch Tauchen zu vergewissern, dass kein Hindernis im Gewässer ist und die Wassertiefe ausreicht.
Brückenspringern sollte zudem bewusst sein: Die aktuell niedrigen Pegelstände der bayerischen Gewässer verschärfen das Risiko eines Sprungs nochmal. Dadurch sei weniger Wasser zum Bremsen da, erklärt Michael Greiner von der Wasserwacht. Auch die Entfernung zwischen Brücke und Wasseroberfläche sei größer, was einen stärkeren Aufprall zur Folge habe.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
