Ein Landwirt gräbt in der Erde seines Feldes
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Als erste Kommune bezahlt Neumarkt in der Oberpfalz ihren Landwirten eine Gemeinwohlprämie. Für Leistungen, von denen alle was haben.
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Als erste Kommune bezahlt Neumarkt in der Oberpfalz ihren Landwirten eine Gemeinwohlprämie. Für Leistungen, von denen alle was haben.

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Stadt Neumarkt zahlt Gemeinwohlprämie an Landwirte

Stadt Neumarkt zahlt Gemeinwohlprämie an Landwirte

Als erste Kommune bezahlt Neumarkt in der Oberpfalz ihren Landwirten eine Gemeinwohlprämie. Für Grundwasserschutz, fruchtbare Böden, mehr Artenvielfalt. Für Leistungen, von denen alle was haben. Ein Modell für mehr Nachhaltigkeit?

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Die Luft flimmert bei 35 Grad über dem Acker von Michael Grübler in Neumarkt in der Oberpfalz. Der Landwirt bewirtschaftet rund 40 Hektar Acker, Wald und Hofflächen konventionell. Damit der Boden widerstandsfähiger wird und länger Wasser speichert, setzt er auf Zwischenfrüchte.

"Wir versuchen, das Wasser länger im Boden zu halten. Die Zwischenfrucht soll den Boden durchwurzeln, das Wasser schnell aufnehmen können und auch wieder abgeben an die nächste Frucht", erklärt Grübler. Ein anderer Vorteil: Der Boden kann Wasser bei Starkregen besser aufnehmen, es versickert und wird zu Grundwasser.

Ausbildung, Grundwasserschutz und Artenvielfalt fürs Gemeinwohl

Maßnahmen wie Bodenschutz, Stärkung der Bodenfruchtbarkeit, Erhalt der Biodiversität oder die Ausbildung von Fachkräften gelten als wichtige ökologische und soziale Gemeinwohlleistungen der Landwirtschaft. Diese Leistungen passieren bisher meistens noch unsichtbar. Vergütet werden sie in der Regel nicht – die Erlöse kommen vor allem über Lebensmittelpreise und Förderprogramme zustande.

Pilotprojekt: Stadt zahlt Gemeinwohlprämie

Die Stadt Neumarkt will das ändern. Als erste Kommune in Deutschland zahlt sie eine Gemeinwohlprämie an Landwirtinnen und Landwirte. "Wir wollten in Neumarkt ein Modell schaffen, um zu zeigen, dass das ein wichtiger Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung ist", sagt Ralf Mützel, Leiter des Amtes für Nachhaltigkeit. Die Gesellschaft sei abhängig von sauberem Grundwasser, von Nahrungsmitteln, die gut erzeugt wurden.

Der Stadtrat hat für drei Jahre insgesamt 100.000 Euro freigegeben. Im ersten Programmjahr konnten nun sechs Betriebe zwischen 2.300 und 3.500 Euro erhalten, darunter auch der Bio-Landwirt Thomas Schuster: "Es bewegt sich in einem Betrag, wo man schon mal was mit anfangen kann. Es ist eine nette Anerkennung“, sagt er.

Vorgemacht hat es in Neumarkt bereits ein Familienunternehmen: Die Brauerei Neumarkter Lammsbräu bezahlt seit 2024 die Landwirte in ihrer Erzeugergemeinschaft nicht nur für ihre Rohstoffe, sondern auch für erbrachte Gemeinwohlleistungen. Ein Prozent seines Umsatzes wendet das Unternehmen dafür jährlich auf.

Aufwendiges Punktesystem berechnet Leistung

Berechnet wird die Prämie über die sogenannte Regionalwert-Leistungsrechnung – ein Punktesystem, das soziale und ökologische Leistungen bewertet. Entwickelt wurde es vom ehemaligen Bio-Landwirt Christian Hiß aus Freiburg. Gemeinsam mit Landwirten und Wissenschaftlern hat Hiß einen aufwendigen Fragebogen entwickelt, in den Betriebe bis zu 500 verschiedene Werte eintragen können. Je höher der Nachhaltigkeitsgrad, desto mehr Geld sollen die Landwirte bekommen. In Neumarkt haben die Landwirte beim Klimaschutz im ersten Jahr des Pilotprojektes schon einen Nachhaltigkeitsgrad von bis zu 89 Prozent erreicht.

Projekt mit Strahlkraft

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Technischen Hochschule Neumarkt, einem Außenstandort der TH Georg Simon Ohm in Nürnberg. Professor Jan Niessen beobachtet großes Interesse: In der Szene gehe ein "Raunen" herum, was hier gemacht werde. Es sei ein Beispiel dafür, "öffentliches Geld auch für öffentliche Leistung, also fürs Gemeinwohl auszugeben", so Niessen.

Er hofft, dass solche Projekte helfen, nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme in Europa zu etablieren. Ralf Mützel wünscht sich zunächst, dass viele weitere Kommunen nachziehen und ein Signal an die große Politik senden. "Wir brauchen eine andere Sichtweise auf die Landwirtschaft. Wir wollen die Leistungen sichtbar machen – und diese Gemeinwohlleistungen müssen uns etwas wert sein", so Mützel. Erste Kommunen, etwa Pfaffenhofen in Oberbayern, haben bereits ähnliche Vorhaben angekündigt.

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