Nach knapp vier Monaten sind die Ermittlungen in dem Fall abgeschlossen: Die Staatsanwaltschaft Kempten bestätigte dem BR, dass "der Erlass eines Strafbefehls wegen des Tatvorwurfs der Körperverletzung" beim Amtsgericht Lindau beantragt wurde. Christian Thomas, 41-jähriger AfD-Kreisrat, soll in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai in Lindenberg (Landkreis Lindau) eine körperliche Auseinandersetzung mit einem 61-jährigen Mann gehabt haben. Der 61-Jährige wurde infolgedessen stationär im Krankenhaus behandelt.
Das zuständige Amtsgericht Lindau teilte auf Anfrage mit, dass der Strafbefehl zugestellt wurde und der Beschuldigte eine Woche Zeit zum Einspruch habe. Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig. Es gilt die Unschuldsvermutung. Gegenüber dem BR wollte sich Thomas in einem Telefonat nicht äußern.
Politische Meinungsverschiedenheit?
Der Auseinandersetzung soll eine politische Meinungsverschiedenheit in einer Lindenberger Kneipe zwischen dem AfD-Politiker und dem 61-Jährigen vorausgegangen sein. Als der Mann die Bar verließ, so schildert es sein Anwalt in der Strafanzeige, soll Thomas den 61-Jährigen verfolgt, geschlagen und traktiert haben. Zu dem Tathergang äußerte sich Thomas auch auf schriftliche Anfrage nicht.
Der AfD-Politiker hatte in der Nacht per Notruf die Polizei verständigt und als erster eine Körperverletzung zu seinem Nachteil angezeigt. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft dem BR. Die Ermittlungen gegen den angezeigten 61-Jährigen wurden allerdings "mangels hinreichendem Tatverdacht" eingestellt.
BR-Informationen: Thomas auch Mitarbeiter von Landtagsabgeordnetem
Der AfD-Politiker Thomas war bei den Kommunalwahlen im März als Landratskandidat für die AfD ins Rennen gegangen und musste sich geschlagen geben. Er zog aber für die AfD in den Lindauer Kreistag und in den Stadtrat von Lindenberg ein.
Während des Wahlkampfes hatte ein Auftritt des Thüringer AfD-Landeschefs Björn Höcke in Lindenberg für Diskussionen gesorgt. Christian Thomas bezeichnete Höcke damals als "Stargast" des Abends. Thomas selbst war nach eigener Aussage mehrere Jahre für die AfD im Thüringer Landtag als Mitarbeiter tätig. Das Landesamt für Verfassungsschutz Thüringen attestiert dem dortigen Landesverband eine "erwiesen rechtsextremistische Bestrebung".
In einer Rede auf einer AfD-Veranstaltung im vergangenen Jahr sagte Thomas, er arbeite für einen bayerischen Landtagsabgeordneten. Nach BR-Informationen könnte es sich dabei um den mittelfränkischen AfD-Landtagsabgeordneten und stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Johannes Meier handeln. Meier war bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Auf die Frage, ob der Strafbefehl gegen Thomas Auswirkungen auf dessen Beschäftigung bei der AfD habe, erklärte ein Sprecher der AfD-Fraktion, "dass wir uns grundsätzlich nicht zu den Mitarbeitern unserer Abgeordneten äußern".
Die Hausordnung des Bayerischen Landtages sieht vor, dass unter bestimmten Voraussetzungen, wie einer vorsätzlich begangenen Straftat, der Sonderausweis von Mitarbeitern zum Betreten des Landtages von der Verwaltung eingezogen werden kann.
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