llustration zu den Themen Stellenangebote in Vollzeit und Teilzeit. Im Bild: Eine Jobbörse im Internet.
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In Bayern arbeiteten nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag im Juni 2025 rund 1,8 Millionen Menschen in Teilzeit.
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In Bayern arbeiteten nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag im Juni 2025 rund 1,8 Millionen Menschen in Teilzeit.

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Teilzeit in Bayern: Wer, wieviel und warum?

Teilzeit in Bayern: Wer, wieviel und warum?

Teilzeit wird aktuell als Lifestyle-Entscheidung kritisiert – aber ist das wirklich der Hauptgrund? BR24 hat zusammengetragen, wie viele Menschen verkürzt arbeiten, warum und in welchen Branchen sie das tun und was die Rechtslage zu alldem sagt.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Der Wirtschaftsflügel der CDU will das Recht auf Teilzeit einschränken, um so dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Der Vorschlag erntet Kritik, auch aus den eigenen Reihen. Eine BR24-Datenanalyse zeigt, wen diese Debatte alles meint.

Wie viele Menschen in Bayern arbeiten Teilzeit?

In Bayern arbeiteten nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag im Juni 2025 rund 1,8 Millionen Menschen in Teilzeit, weitere 722.000 waren ausschließlich geringfügig beschäftigt, also zum Beispiel "Minijobber". Das entspricht etwa 38 Prozent der Beschäftigten in Bayern. Damit arbeiten im Freistaat vergleichsweise wenig Menschen in Teilzeitjobs.

Was ist Teilzeit und wer entscheidet darüber?

In Teilzeit beschäftigt zu sein, heißt nicht, dass man eben nur exakt die Hälfte von einer Vollzeitkraft am Arbeitsplatz ist. Unter Teilzeit versteht das dazugehörige Gesetz alles, was "unterhalb der im Betrieb gültigen vollen Arbeitszeit liegt". Arbeitnehmer und Arbeitgeber handeln da eine entsprechende Stundenzahl aus.

Allerdings gilt das nur in Firmen mit in der Regel mehr als 15 Beschäftigten. Sein Recht auf Teilzeit kann dabei nur geltend machen, wer bereits mindestens sechs Monate im Betrieb ist. Und er oder sie muss dem Arbeitgeber schriftlich mitteilen, um wie viel die Stundenzahl verringert werden soll und ab wann. Diesem Antrag seines Mitarbeitenden kann der Arbeitgeber widersprechen. Er muss dafür jedoch betriebliche Gründe nennen. Das wäre beispielsweise, wenn sich die Teilzeit so nicht organisieren ließe oder die Sicherheit im Betrieb dadurch gefährdet wäre. Das muss der Arbeitgeber aber dann auch im Streitfall nachweisen können.

Wer arbeitet in Teilzeit?

In Bayern waren im Juni 2025 lediglich 42 Prozent der beschäftigten Frauen in Vollzeit tätig.

Besonders deutlich werden die Unterschiede zudem, wenn man die Altersgruppen betrachtet. In der Gruppe der 35- bis 55-Jährigen arbeiteten mit großem Abstand mehr Frauen in Teilzeit oder in einem Minijob als Männer.

Den höchsten Anteil an Teilzeit- und Minijobbern gab es in der Altersgruppe der Beschäftigten, die 65 Jahre oder älter sind – und bei jungen Menschen.

Welche Gründe gibt es für Teilzeitmodelle?

Der Mikrozensus im Jahr 2024 ergab, dass neben dem "Wunsch nach Teilzeit" vor allem Betreuung eine der Hauptursachen für reduzierte Arbeitszeiten ist. Vor allem bei Frauen spielt das eine große Rolle. Männer arbeiten deutlich häufiger aufgrund von Aus- und Weiterbildung in Teilzeitmodellen.

Jobangebote im Netz zeigen: Auch Unternehmen können Interesse daran haben, Stellen nur in Teilzeit anzubieten. In manchen Branchen wie der Gastronomie oder dem Handel kommt ihnen das zu Pass. So lassen sich zum Beispiel Spitzenzeiten am Mittag oder am Abend leichter personell auffangen.

Und auch bei den Arbeitsuchenden steckt nicht nur der Drang nach möglichst viel Freizeit hinter dem Wunsch nach Teilzeit. Wer als Selbständiger zum Beispiel nicht genügend verdient oder wer sich ehrenamtlich sehr engagiert, dem kommt ein Teilzeitjob durchaus gelegen.

Und schließlich gibt es auch noch die Branchen, die gerade wegen der Krise nicht mehr genügend Arbeit für alle haben. Wenn einige ihrer Kräfte dann zumindest vorübergehend und freiwillig in Teilzeit gehen, kann das Jobs retten.

In welchen Berufszweigen gibt es die höchste Teilzeitquote?

Den höchsten Anteil an Teilzeitkräften oder Minijobbern gibt es in Reinigungsberufen – 82 Prozent. An zweiter Stelle stehen soziale und kulturelle Dienstleistungsberufe, also beispielsweise Pflegekräfte.

Verbeamtete Lehrkräfte sind in der Statistik nicht aufgeführt, da sie nicht sozialversicherungspflichtig sind. Im Schuljahr 2023/2024 betrug die Teilzeitquote bei Lehrkräften in Bayern über 46 Prozent.

Einmal Teilzeit – immer Teilzeit?

Um die berühmt-berüchtigte Teilzeitfalle zu vermeiden, wurde die sogenannte "Brückenteilzeit" eingeführt. Sie garantiert die Rückkehr in Vollzeit. Das gilt aber nur unter bestimmten Voraussetzungen, die im Teilzeit- und Befristungsgesetz aufgeführt sind. Unter anderem hängt es von der Betriebsgröße ab und davon, wie viele Beschäftigte dieses Recht in Anspruch nehmen wollen. Auch bei der Brückenteilzeit können die Arbeitgeber Nein sagen, wenn entsprechende Gründe wirklich dagegensprechen.

Das Gesetz gilt übrigens auch für geringfügig Beschäftigte, also Mini- oder Midijobber. Außerdem finden sich in vielen Tarifverträgen ergänzende Regelungen. Wobei generell Teilzeitkräfte nicht schlechtergestellt werden dürfen als in Vollzeit tätige Beschäftigte – zum Beispiel in puncto Zuschläge auf Überstunden.

Welche Folgen kann Teilzeitarbeit haben?

Auch wenn Teilzeit zunächst für den einen oder die andere attraktiv ist: Man sollte sich das genau vorab überlegen, raten Juristen und Gewerkschaften. Denn wer in Teilzeit arbeitet, zahlt zwar in die Rentenversicherung ein, am Ende jedoch zählt auch, wie viel man insgesamt eingezahlt hat Die Rente fällt also geringer aus. Gerade für Frauen, die öfter als Männer in Teilzeit gehen, kann das im Alter finanzielle Folgen haben.

Sich auf die Grundsicherung zu verlassen, ist da keine gute Idee – denn die ist nur dafür gedacht, das Existenzminimum abzusichern.

In Teilzeit zu arbeiten kann auch bedeuten, nicht oder nur unzureichend aufsteigen zu können. Laut Gesetz ist so eine Karrierebremse zwar generell verboten, doch die Diskriminierung müsste dann auch nachgewiesen werden.

💡 Sophie Menner und Claudia Kohler analysieren für BR24 TV, Radio und hier im Digitalen Daten – mit dem Fokus auf Bayern. Die Recherchen beleuchten datengestützt aktuelle Themen und deren Hintergründe und Zusammenhänge. Eine Kooperation mit der Tageszeitung Main-Post ist preisgekrönt. Haben Sie ein Thema, auf das wir mit der Datenbrille schauen sollen? Schreiben Sie uns: br24.feedback@br.de, Stichwort: Datenthema

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