CSU-Chef Markus Söder in München
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CSU-Chef Söder lehnt den Vorstoß des Wirtschaftsflügels der Union ab, "Lifestyle-Teilzeit" zu verbieten.
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CSU-Chef Söder lehnt den Vorstoß des Wirtschaftsflügels der Union ab, "Lifestyle-Teilzeit" zu verbieten.

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"Falscher Weg": CSU lehnt Teilzeit-Vorstoß aus CDU ab

"Falscher Weg": CSU lehnt Teilzeit-Vorstoß aus CDU ab

Ja zu längeren Arbeitszeiten, aber nein zu einer Einschränkung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit: CSU-Chef Söder lehnt den Vorstoß des Wirtschaftsflügels der Union ab, "Lifestyle-Teilzeit" zu verbieten. Kritik äußern auch Philologenverband und VdK.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

CSU-Chef Markus Söder stellt sich gegen den Vorstoß des Wirtschaftsflügels der Union, den Rechtsanspruch auf Teilzeit einzuschränken. Zwar sei der Grundsatz richtig, länger zu arbeiten, um die Produktivität Deutschlands zu erhöhen, sagte Söder nach einer CSU-Vorstandssitzung in München. Aber die CSU wolle dies durch Anreize erreichen, insbesondere steuerliche. "Deswegen glauben wir, dass ein generelles Reduzieren oder Verbot von Teilzeit der falsche Weg ist."

Dabei müsse jedoch zwischen dem Staat und der Wirtschaft unterschieden werden, argumentierte Söder mit Blick auf die Entscheidung seiner schwarz-orangen Koalition in Bayern, die Teilzeitregelung für Beamte etwas einzuschränken. Eigentlich seien beim Staat genügend Menschen beschäftigt. Wenn wegen der vielen Teilzeit-Beschäftigten trotzdem der Auftrag nicht ganz erfüllt werden könne, müsse der Staat reagieren.

"Ausbau der Work-Life-Balance"

Ein Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion für den CDU-Bundesparteitag fordert eine Reform der Teilzeit-Regelung: Der Rechtsanspruch auf Teilzeit solle künftig nur noch in besonders begründeten Fällen gelten, beispielsweise wegen Kindererziehung, Pflege oder einer berufsbegleitenden Weiterbildung. Denn ein "wesentlicher Anteil" von Teilzeitarbeit diene dem "Ausbau der Work-Life-Balance", heißt es in dem Papier. "In Anbetracht des Fachkräftemangels ist diese Lifestyle-Teilzeit ein zunehmendes Problem, das unsere Volkswirtschaft belastet."

Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ist die Teilzeitquote im dritten Quartal 2025 auf 40,1 Prozent gestiegen. Dieses Plus liegt auch an einem Beschäftigungszuwachs gerade in Branchen mit einem hohen Teilzeitanteil (wie Gesundheits- und Sozialwesen, Erziehung und Unterricht).

Zum Video: Mehr arbeiten, weniger Freizeit? Was der Wirtschaftsflügel der Union will

Menschen auf einem Klinikflur bei der Arbeit.
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Mehr arbeiten, weniger Freizeit - das fordert der Wirtschaftsflügel der Union.

Söder: "Wer mehr läuft, gewinnt eher"

Söder sagte, er würde den Begriff "Lifestyle-Teilzeit" nicht verwenden. "Weil es für viele Leute einfach eine Lebensplanungsfrage ist und nicht eine Frage von Lifestyle." Aber Deutschland brauche mehr Leistungsfähigkeit. "Die Welt arbeitet mehr, also müssen wir auch mehr tun." Einmal mehr bekräftigte er: "Eine Stunde pro Woche mehr würde uns enorm viel helfen." Es sei wie im Fußball: "Wer mehr läuft, gewinnt eher."

Bayerns Arbeitsministerin Ulrike Scharf (CSU) warnte: "Politik darf nicht schlecht über Menschen sprechen." Vielmehr müsse die Politik es möglich machen, dass jeder, der mehr arbeiten wolle, dies auch tun könne. Für die Wirtschaft und die Mitarbeitenden sei die Teilzeit ein wichtiges Element der Arbeitswelt. Sie halte die bestehende Rechtslage für richtig.

Philologenverband: Unverständnis über Staatsregierung

Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Michael Schwägerl, kritisierte, mit der Einführung des neuen "Kampfbegriffs 'Lifestyle-Teilzeit'" trage die Mittelstands-Union zu einer weiteren Spaltung unter den Beschäftigten bei. Statt Zwangsmaßnahmen brauche es "mehr Unterhaken". Es sei gut, dass Söder den Vorschlag als Irrweg bezeichne. "Dies hatten wir auch für die bayerische Beamtenschaft gefordert. Es bleibt für uns unverständlich, warum diese ab Herbst 2027 mit Zwangseinschränkungen bei der familienpolitischen Teilzeit umgehen muss."

Angesichts des Lehrermangels hatte Ministerpräsident Söder immer wieder die hohe Teilzeitquote bei Lehrerinnen und Lehrern kritisiert. Gegen den Widerstand von Verbänden schränkte die Koalition die Teilzeitregelung für bayerische Beamte ein: Familienpolitische Teilzeit wird künftig nicht mehr für Eltern von Kindern unter 18 Jahren möglich sein, sondern nur noch bei Kindern bis einschließlich 14 Jahren.

VdK: Nicht unter Generalverdacht stellen

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Präsidentin Verena Bentele, warnte davor, Menschen unter Generalverdacht zu stellen. "Die Forderung, Teilzeit nur noch in engen Ausnahmefällen zuzulassen, verkommt zur ungeheuerlichen Unterstellung, Arbeitnehmer seien faul und müssten zur Mehrarbeit gezwungen werden."

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) betonte, Teilzeit sei für viele eine Schutzreaktion auf Überlastung, Schichtdienst und fehlende Planbarkeit – nicht Ausdruck von Bequemlichkeit. "Die psychische und physische Belastung im Pflegeruf ist enorm – in Vollzeit zu arbeiten, bringt viele Pflegefachpersonen an die Grenzen ihrer persönlichen Belastbarkeit", erläuterte DBfK-Präsidentin Vera Lux. "Wer mehr Arbeitsstunden will, muss zuerst die Arbeitsbedingungen so verbessern, dass Pflege gesund leistbar ist."

Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), sagte dem "Stern": Es gebe unterschiedliche Gründe, warum Menschen in Teilzeit gingen. "Der Staat sollte hier nicht zwischen guten und schlechten Gründen unterscheiden.

Zum Video: Arbeitsmarktforscher Enzo Weber im Interview

Arbeitsmarktforscher Prof. Enzo Weber.
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Der Arbeitsmarktforscher Prof. Enzo Weber betont, dass jeder selbst entscheiden sollte, wie viel er arbeiten will.

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