Am Montagmorgen rückten am Grenzübergang Kiefersfelden Greenpeace-Aktivisten mit Leitern und Aufklebern an. Ihr Ziel waren die Hinweisschilder, die an fast jedem Grenzübergang in Deutschland zu finden sind. Sie informieren ortsfremde Autofahrer über die Geschwindigkeitsbegrenzungen, die in Deutschland gelten: Tempo 50 in Ortschaften und Tempo 100 auf Landstraßen. Außerdem ist da auf blauem Grund die Zahl 130 vermerkt: Das ist die Richtgeschwindigkeit, die auf deutschen Autobahnen gilt. Richtgeschwindigkeit bedeutet nichts weiter als die unverbindliche Empfehlung, 130 Kilometer pro Stunde zu fahren. Wer schneller fahren will, der darf das – wer langsamer fahren will, darf das auch.
Greenpeace überklebte Richtgeschwindigkeits-Schilder
Punkt sieben Uhr morgens haben bundesweit Greenpeace-Aktivisten diese blauen 130-Verkehrszeichen mit einer schwarzen 100 im roten Ring überklebt, dem Schild für "Geschwindigkeitsbegrenzung 100 km/h". "Damit haben wir heute Morgen um 7:00 Uhr Tempo 100 auf allen deutschen Autobahnen eingeführt", frohlockt Lena Donat, Verkehrsexpertin bei Greenpeace. Sie hat die Aktion der Aktivisten in Kiefersfelden beobachtet: "Es hat alles perfekt funktioniert und nur fünf Minuten gedauert." An den 26 bundesweiten Autobahn Grenzübergängen, an denen solche "Richtgeschwindigkeit 130 Schilder" stehen, haben Greenpeace Aktivisten diese überklebt.
Polizei prüft Straftat
Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd, wurde von seinen Bundespolizeikollegen, die in Kiefersfelden gerade Grenzkontrollen durchführten, informiert. Nach eineinhalb Stunden war das falsche Tempolimit wieder aufgehoben: "Die Autobahnmeisterei konnte die Aufkleber rückstandslos entfernen und keine Sachbeschädigung feststellen", so Stefan Sonntag. Ob es sich bei der Greenpeace-Aktion um eine Straftat handele, etwa bezüglich der Sicherheit im Straßenverkehr, wird noch geprüft. Mit Ergebnissen rechnet die Polizei bis spätestens Dienstag.
Greenpeace: "Tempo 100 sinnvoller als ein teurer Tankrabatt"
Für Greenpeace ist die Sache klar, wenn es nach Marissa Reiserer, Pressesprecherin Mobilität bei Greenpeace, geht: "Wir haben den Verkehr sicherer gemacht! Denn nichts anderes bedeutet Tempo 100". Sie verweist auf Studien, die besagen, dass die Zahl der Unfälle durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahn zurückgehe. "Außerdem ist Tempo 100 für die Verkehrspolitik absolut das Mittel der Wahl", so Reiserer: "Es kostet nichts, wir sparen acht Prozent Emissionen und machen uns damit unabhängiger von schwankenden Rohölpreisen und Importen aus dem Ausland". "Tempo 100" sei viel sinnvoller als ein hunderte Millionen Euro teurer Tankrabatt, der am Ende doch nur den Energiekonzern zugutekomme. Sie habe keine Erklärung, warum sich die Bundesregierung trotzdem dafür entschieden habe.
Im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung findet ein Tempolimit keine Erwähnung. Eine klare Positionierung zum Tempolimit findet man aber von der bayerischen CSU, die Koalitionspartner in der aktuellen Bundesregierung ist. Auf ihrer Website hat sie zu einer Kampagne aufgerufen: "Tempolimit? Nein Danke!" (externer Link).
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