Zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes wurde ein 27-jähriger Mann heute vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verurteilt. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte auf einer großen Roma-Hochzeit in Fürth sechs tödliche Schüsse auf einen 47-Jährigen abgegeben hat.
Schüsse auf Hochzeitsfeier: "sittlich auf tiefster Stufe"
Laut dem Vorsitzenden Richter ist die Tat im März vergangenen Jahres sittlich auf tiefster Stufe einzuordnen und aufs Schärfste zu missbilligen. Bereits im Vorfeld sollen der angeklagte Franzose und sein Vater mit Gewalt gedroht haben und spätestens am Tattag, so die Kammer, sollen sie den Plan gefasst haben, die ausgesprochenen Drohungen auch umzusetzen. Hintergrund sind wohl Streitigkeiten um Unterhaltszahlungen für die gemeinsamen Kinder des Angeklagten und der Tochter des Opfers. Die habe ein sogenanntes Roma Gericht festgelegt. Es fand demnach eine Paralleljustiz außerhalb jeglichen rechtsstaatlichen Rahmens vor.
Kammer: Selbstjustiz "um Familienehre wieder herzustellen"
Die Tochter des Opfers hatte sich bereits im Vorfeld der Tat von dem Angeklagten getrennt und es gab Streitigkeiten, Drohungen und Beleidigungen zwischen beiden Familien. Aus Sicht der Kammer handelte der Angeklagte heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen. Die Tötung beruhte auf dem Bestreben, Selbstjustiz zu üben und die verletzte Familienehre wieder herzustellen. Der Geschädigte war arglos und hatte keine Möglichkeit, sich zu schützen. Möglicherweise, so die Ausführungen des Richters, lag bei dem Angeklagten zur Tatzeit bereits eine paranoide Grunderkrankung vor, die aber nicht Auslöser der Tat gewesen sei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Innerhalb einer Woche kann Revision eingelegt werden.
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