Achtung! Die Polizei warnt vor Schockanrufen falscher Ärzte. Die Zahl steigt. Kliniken in Bayern passen verstärkt auf.
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Achtung! Die Polizei warnt vor Schockanrufen falscher Ärzte. Die Zahl steigt. Kliniken in Bayern passen verstärkt auf.
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Trickbetrüger: Polizei und Kliniken warnen vor falschen Ärzten

Trickbetrüger: Polizei und Kliniken warnen vor falschen Ärzten

Schockanrufe: Trickbetrüger werden immer dreister. Sie rufen alte Menschen an und behaupten, sie seien Mediziner und schockieren Opfer mit einer Krebsdiagnose naher Angehöriger. Bayernweit erbeuten die falschen Ärzte so Hunderttausende von Euro.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Falsche Handwerker, falsche Polizisten und jetzt falsche Ärzte: Die Methoden der Trickbetrüger werden immer perfider, so die Polizei. Die Opfer sind ältere Menschen, die bereit sind, den Trickbetrügern 100.000, 200.000, eine halbe Million Euro oder Schmuck und Gold zu geben, damit ihren vermeintlich kranken oder verletzten Angehörigen in der Klinik geholfen wird.

Schockanrufe falscher Ärzte nehmen zu

München, Fürth, Würzburg, Kelheim in Niederbayern: Bayernweit hat die Betrugsmasche mit dem falschen Arzt verstärkt zugenommen, stellt die Polizei fest: Rund 50 Fälle sind seit Anfang des Jahres gemeldet worden. Die Schäden: mehrere Hunderttausend Euro.

Die Täter schauen in der Regel nach Namen, die nach älteren Menschen, nach Senioren klingen, warnt Polizeisprecher Ralf Kästle. "Genau das ist der perfide Punkt. Den Opfern wird Angst gemacht. In langen Gesprächen wird ein enormer emotionaler Druck aufgebaut. Und das ist es auch letztendlich, was dazu führt, dass die Leute bereit sind, auch an Fremde hohe Geldbeträge zu übergeben."

Beispiel: Sohn liegt angeblich mit Krebsdiagnose in Klinik

Nie hätte Sohn Reinhard aus Seeshaupt am Starnberger See gedacht, dass seine Eltern auf Trickbetrüger hereinfallen. Vor wenigen Tagen ist es dann aber doch passiert. Der 53-Jährige möchte aber nicht seinen vollen Namen nennen.

Ein Professor Stein aus dem Klinikum Großhadern habe sich bei seinen Eltern gemeldet und gesagt, ihr Sohn sei lebensgefährlich krebskrank. Der 85-jährige Vater ist sofort mit dem Taxi in die Klinik gefahren.

Stimme des Sohnes mit KI gefälscht

Seine Mutter hat das Telefonat mit den Trickbetrügern weitergeführt. Im Laufe des Gesprächs haben die Täter die vermeintliche Stimme des Sohnes - mittels KI generiert - vorgespielt. Woher sie die Stimme als Vorlage hatten, ist nicht klar, vermutlich von seinem Anrufbeantworter.

Die Betrüger hatten sich also vorbereitet. Sie sagten, der Sohn werde jetzt zur Blutentnahme weggebracht, es gebe nur ein Medikament aus der Schweiz, das 120.000 Euro kostet, berichtet Sohn Reinhard. Man müsse 30.000 Euro anzahlen. "Sie haben behauptet, ich hätte gesagt, dass meine Eltern das Geld daheim hätten."

Klinikpersonal reagiert sofort und hilft

Im Klinikum Großhadern in München angekommen, der Vater hat 200 Euro für die Taxifahrt bezahlt, fragt er besorgt an der Information nach seinem angeblich schwer erkrankten Sohn Reinhard. Ihren anderen Sohn haben die Eltern schon jung verloren, deshalb sind sie jetzt besonders aufgeregt. Die Damen am Empfang werden gleich hellhörig – und handeln. Sie rufen den Sohn an und fragen, wo er ist und wie es ihm geht. "Mir geht es gut!", antwortete der verwunderte Reinhard. Dann habe man ihn mit seinem Vater verbunden.

Plakate im Klinikum Großhadern warnen vor falschen Ärzten

Der Vater ist erleichtert. Die Polizei wird alarmiert. Sie nimmt den Fall auf. Das Klinikum Großhadern hat bereits mehrere Schockanrufe miterlebt, innerhalb von 24 Stunden sogar zwei Mal. Das Team an der Rezeption passt seitdem verstärkt auf. Es hängen mehrere Plakate, auch Flyer liegen aus: Sie warnen vor Schockanrufen falscher Ärzte. "Wir passen auf und haken sofort nach, wenn wir solche Geschichten hören", sagt Rezeptionistin Ursl Johanning. Die betroffenen älteren Personen seien dann immer sehr aufgeregt.

Das Klinikum Großhadern stellt klar: Keine Klinik würde jemals Patienten oder Angehörige anrufen, eine schlimme Diagnose telefonisch mitteilen und Geld für eine Behandlung verlangen. Jeder sollte sich in solchen Fällen sofort an die Polizei wenden, so Kliniksprecher Philipp Kreßirer.

Polizei: Skeptisch bleiben und bei Angehörigen nachfragen

Der Tipp der Polizei: Bei Schockanrufen immer skeptisch bleiben, keine vertraulichen Daten herausgeben, gleich auflegen und die angeblich erkrankten oder verletzten Angehörigen kontaktieren und im Zweifel 110 wählen.

Bei den Eltern von Sohn Reinhard hatten die Trickbetrüger mit dem falschen Arzt am Telefon keinen Erfolg: Sie beendeten das Gespräch, als die Mutter die Handynummer ihres Mannes nicht nennen konnte.

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