Das Landwirtsehepaar Sindel mit ihren Puten im Stall.
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Andreas und Katja Sindel in ihrem Mastputen-Stall.
Bildrechte: BR/Stefanie Heiß
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Andreas und Katja Sindel in ihrem Mastputen-Stall.

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Vogelgrippe: Wenn eine Landwirtsfamilie 30.000 Puten verliert

Vogelgrippe: Wenn eine Landwirtsfamilie 30.000 Puten verliert

Auf dem Hof der Familie Sindel in Feuchtwangen bricht im März 2025 die Vogelgrippe aus. Tausende Puten verenden, alle anderen müssen notgetötet werden. Hier berichtet die Familie, wie sie die Tage mit der Seuche auf ihrem Hof erlebt hat.

Über dieses Thema berichtet: Unser Land am .

Auf dem Hof von Katja und Andreas Sindel stehen vier riesige, 80 Meter lange Gebäude direkt nebeneinander. Dort sind ihre insgesamt 15.000 Mastputen untergebracht. Andreas schließt die Tür zu Stall drei auf – der Stall, in dem letztes Jahr die Vogelgrippe ausgebrochen ist. Die Puten kommen angerannt und gackern. So soll es eigentlich sein.

Doch bei einer abendlichen Stallkontrolle im März 2025 war das ganz anders, erzählt Andreas in der BR-Sendereihe Hofgeflüster: "Man kennt seine Tiere, weil man viel Zeit mit ihnen verbringt. Sie waren ruhiger, es war keine Bewegung im Stall, kein Tier, das sich mal aufgeplustert hat." Am nächsten Morgen liegen vier Puten tot im Stall. Bis Mittag sterben noch weitere Tiere.

Tausende tote Tiere binnen zwei Tagen

Das Veterinäramt kommt und nimmt Proben. Der Zustand der Puten verschlechtert sich stündlich. Sie ringen um Luft und schlagen so wild mit den Flügeln, dass sie sich dabei Knochen brechen. "Man sieht die Tiere dann leiden, die innerlich an Überhitzung sterben. Das sind Bilder, die sich bei mir eingebrannt haben", erzählt Andreas mit belegter Stimme. Zwei Tage nach Ausbruch des Virus sind 80 Prozent der 3.300 Puten in Stall drei tot. Auch die Mastputen in den anderen drei Ställen sind mittlerweile infiziert. Das Labor bestätigt: Es ist die Vogelgrippe. Damit ist klar: Alle Puten auf dem Hof werden notgetötet, um sie von ihrem Leiden zu erlösen und eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Im Video: In der Serie Hofgeflüster berichten Katja und Wolfgang Sindel vom Ausbruch der Vogelgrippe auf ihrem Hof.

Für die Serie "Hofgeflüster" besucht "Unser Land"-Reporterin Stefanie Heiß Bauernhöfe in Bayern und spricht mit den Landwirtsfamilien über Tabuthemen in der Landwirtschaft. Alle Videos der "Hofgeflüster"-Serie gibt es hier.

Trotz räumlicher Entfernung: Auch Küken notgetötet

Die Sindels hoffen, dass zumindest ihre 15.000 Puten-Küken verschont bleiben. Sie sind in einem großen Stall unterhalb des Hofs untergebracht, 250 Meter Luftlinie entfernt von den Mastputen. Doch das Veterinäramt Ansbach entscheidet, dass auch die Küken gekeult werden müssen. Veterinäramtsleiter Ralf Zechmeister sagt, die Wahrscheinlichkeit, dass die Küken sich anstecken, sei einfach zu hoch gewesen. Am Ende der Keulung hätten auch sie bereits erste Anzeichen einer Infektion gezeigt.

Vogelgrippe: Keine Impfung, keine Heilung

Das Veterinäramt muss den gesamten Landkreis im Blick haben. Nur drei Kilometer Luftlinie von den Sindels entfernt gibt es einen weiteren großen Geflügelbetrieb. Durch die schnelle Tötung aller 30.000 Puten ist es gelungen, die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Die Nottötung von infiziertem Geflügel ist die einzige Möglichkeit, den Tieren zu helfen, da die Krankheit hochansteckend ist und in der Regel tödlich verläuft. Für eine Impfung gibt es bisher keine Zulassung in Deutschland.

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Katja und Andreas Sindel im Kükenstall ihres Hofs.

Tötung der Tiere: Emotionaler Ausnahmezustand

Als Katja Sindel erfährt, dass auch die neun Tage alten Küken gekeult werden müssen, ist sie im Kükenstall: "Ich bin stehen geblieben, hab mich hingekniet und hab dann wirklich zehn Minuten gebraucht, bis ich weiterlaufen konnte. Ich habe mir gedacht, ich möchte gerne einen Schutzschirm über sie spannen."

Andreas Sindel ist dabei, als die Puten und auch die Küken mit CO₂ getötet werden. "Das war emotional gesehen schon extrem belastend. Aber für mich ist das selbstverständlich. Ich bin für die Tiere verantwortlich und dann bin ich auch für die Tiere da bis zum Schluss."

Infektion durch überfliegende Wildvögel

Wie genau das Virus in den Mastputenstall gelangen konnte, wissen die Sindels bis heute nicht. Das Veterinäramt vermutet, dass ein Wildvogel, der den Stall überflogen hat, auf dem Dach von Stall Nummer drei Kot abgesetzt hat. Wenn dann starker Regen den Kot vom Dach wäscht und gleichzeitig Wind von der Seite den Regen in den Stall weht, können die Puten sich mit dem Virus infizieren.

Betriebswirtschaftlicher Schaden für die Sindels

Auch finanziell ist es für die Sindels ein Tiefschlag. Wie alle Putenhalter zahlen sie in die Tierseuchenkasse ein, die dann bei Seuchenausbruch den Verlust der Tiere ersetzt. Doch Andreas und Katja haben versehentlich ihren Tierbestand zu niedrig gemeldet. Ein Fehler, der sie teuer zu stehen kommt. Die Tierseuchenkasse kürzt ihnen die Entschädigungssumme um etwa ein Fünftel. "Das macht ungefähr 100.000 Euro aus", erzählt Katja Sindel bedrückt. Trotzdem denken die Sindels nicht ans Aufgeben: "Ich bin mit Leib und Seele Landwirt, lebe für meine Tiere", sagt Andreas.

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