Bald können neue Castor-Transporte mit Atommüll durch Bayern rollen. Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) genehmigte zwei Transporte bestrahlter Brennelemente vom Forschungsreaktor Garching bei München ins Zwischenlager Ahaus im nordrhein-westfälischen Münsterland. Das teilte das BASE am Montag mit. Die abgebrannten Brennelemente sollen den Angaben zufolge so lange in Ahaus aufbewahrt werden, bis ein Endlager zur Verfügung steht.
Straßentransporte über mehrere Hundert Kilometer – Route geheim
Beantragt wurde nach BASE-Angaben die Beförderung von zehn Brennelementen in zwei Straßentransporten. Früheren Angaben zufolge ist ein Transport über die Straße über mehrere Hundert Kilometer geplant. Die Route bleibt demnach geheim, der genaue Zeitpunkt für den Transport stehe noch nicht fest.
Kritiker: Garching-Atommüll besonders problematisch
Kritiker hatten zuvor moniert, dass der Müll aus dem Forschungsreaktor Garching im Vergleich zu Abfall aus kommerziellen Atomkraftwerken besonders problematisch sei. Wegen des zu 93 Prozent hochangereicherten Urans als Brennstoff war der Reaktor von Anfang an umstritten. Gegner sprachen entgegen den Betreibern stets von atomwaffenfähigem Material. Der Forschungsstandort Garching gehört zur Technischen Universität (TU) München.
Grüne: "Armutszeugnis für Forschungsstandort Bayern"
Scharfe Kritik kommt von den bayerischen Grünen: "Mit der Verlagerung der Brennelemente in das älteste deutsche Zwischenlager ist unter Sicherheitsgesichtspunkten nichts gewonnen", so Claudia Köhler von den Landtags-Grünen. Die zentrale Frage sei, wie diese Brennelemente so bearbeitet werden könnten, dass sie endlagerfähig sind. Dieser Frage verweigere sich die TU München seit zwei Jahrzehnten und schiebe sie vor sich her. "Dabei wäre mit dem Radiochemie-Institut an der TU in München am ehesten die Kompetenz dafür vorhanden", so Köhler.
"Es ist ein Armutszeugnis für den Forschungs- und Technologiestandort Bayern, dass diese technische Herausforderung nicht angenommen wird", so Köhler. Stattdessen werde das Problem in die Zukunft und 700 Kilometer weiter weggeschoben.
Weitere Transporte von Jülich nach Ahaus
Gleichzeitig genehmigte das BASE – ebenfalls umstrittene – Atommülltransporte vom nordrhein-westfälischen Jülich nach Ahaus. Auf der gut 170 Kilometer langen Strecke sollen rund 300.000 Brennelemente-Kugeln aus einem früheren Versuchsreaktor in 152 Castor-Behältern in das Atommüll-Zwischenlager transportiert werden – ebenfalls auf der Straße. Auch hier stehe noch kein konkreter Starttermin für die Transporte fest.
Atommülltransporte nach Ahaus quer durch das dicht besiedelte Bundesland Nordrhein-Westfalen rufen seit langem Proteste von Anwohnern und Aktivisten hervor. Auch diesmal sind welche angekündigt.
Stadt Ahaus prüft rechtliche Schritte
Nach der Genehmigung des Transports von 152 Castor-Behältern durch Nordrhein-Westfalen prüft die Stadt Ahaus nach eigenen Angaben rechtliche Schritte. "Wir werden uns dafür einsetzen, dass die berechtigten Interessen und Rechte der Stadt Ahaus gewahrt bleiben und deshalb entsprechende Rechtsbehelfsmöglichkeiten prüfen", sagte der Erste Beigeordnete der Stadt, Manuel Benning. Bürgermeisterin Karola Voß (parteilos) ergänzte: "Ahaus wehrt sich im rechtlichen Rahmen nach Kräften gegen die weitere Lieferung von hochradioaktivem Abfall."
Die Stadt sehe sich auf der einen Seite in der Verantwortung für die Zwischenlagerung als Folge der Nutzung von Kernenergie. "Die Verantwortung für die Lagerung des hochradioaktiven Abfalls muss in Deutschland aber vor dem Hintergrund der zeitlich unklaren Perspektiven einer Endlagerung als Gesamtverantwortung verstanden und getragen werden. Dies kann nicht einzelnen zentralen Standorten aufgebürdet werden", sagte die Bürgermeisterin laut Mitteilung.
Kein Endlager: 16 Zwischenlager in Deutschland
Es gibt in Deutschland keine Endlager, in denen auf Hunderttausende Jahre hinweg strahlender Atommüll sicher gelagert werden soll. Stattdessen gibt es sechzehn Zwischenlager – neben Ahaus auch Biblis (Hessen), Brokdorf, Brunsbüttel, Krümmel (alle Schleswig-Holstein), Gorleben, Grohnde, Lingen, Unterweser (alle Niedersachsen), Grafenrheinfeld, Gundremmingen, Isar (alle Bayern), Jülich (Nordrhein-Westfalen), Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern), Neckarwestheim, Philippsburg (beide Baden-Württemberg).
Mit Informationen von dpa
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