Nach großer Aufregung bei Grundschülern in Schwaben wegen tieffliegender Kampfjets macht die Bundeswehr wenig Hoffnung auf Vorwarnung zu solchen Fällen. "An sich ist das relativ schwierig", sagte ein Sprecher des Luftwaffengeschwaders in Neuburg an der Donau. Wann und wo für Übungen besonders tief geflogen werde, "entscheiden die Piloten individuell". Oft stünden die Route und der Zeitpunkt erst wenige Stunden vor Abflug fest – da sei eine Information über die Behörden vor Ort schwierig.
Kampfjets sorgen für weinende Kinder
Im schwäbischen Wemding hatten Anfang März tieffliegende Kampfjets Kinder an einer Grundschule in Wemding (Landkreis Donau-Ries) dermaßen in Aufregung versetzt, dass ihre Eltern sie früher vom Unterricht abholen durften. "Sechs oder sieben Kinder haben geweint. Zwei waren so verstört, dass wir lieber die Eltern angerufen haben, um sie abholen zu lassen", sagte die Schulleiterin Margit Stimpfle den "Nürnberger Nachrichten" [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt].
"Eines der Kinder hat ein Hörgerät, da waren wir lieber vorsichtig." Auch bei der örtlichen Polizei erkundigten sich Menschen aus Wemding, woher der Lärm komme.
Seit wann Tiefflüge wieder erlaubt sind
Wemding liegt innerhalb einer speziellen "Low Flight Area", in der Bundeswehr-Piloten für Übungen für kurze Zeit besonders tief, bis auf knapp 80 Meter über dem Erdboden, fliegen dürfen.
Seit einer Erlaubnis des Bundesverteidigungsministeriums im vergangenen Jahr sind solche Flüge wieder erlaubt. Als Grund nannte die Bundeswehr damals die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa, in der das Üben der Bündnisverteidigung wieder wichtiger geworden sei. Die Flüge würden deutlich stärker wahrnehmbar sein, teilte die Bundeswehr in dem Zusammenhang mit. Im Kalten Krieg waren solche tiefen Flüge bundesweit erlaubt.
Luftwaffe: "Keine Spaßflüge"
Der Sprecher des Luftwaffengeschwaders in Neuburg an der Donau betonte, für solche Übungen werde meist ein Rundkurs gewählt, damit Orte nicht mehrfach überflogen würden und unter dem Lärm litten. Man bemühe sich auch, die Belastung so gering wie möglich zu halten. "Einen Großteil dieser Tiefflugübungen kann ich im Simulator abbilden", sagte der Sprecher. "Aber irgendwann muss man das Simulierte auch üben." Jeder Tiefflug sei Teil des Trainings. Es gehe dabei um Standardfähigkeiten, um unter dem Radar fliegen zu können: "Die Piloten erlauben sich da keine Spaßflüge."
Wer sich wegen des Fluglärms Sorgen mache, könnte sich bei der Flugbetriebs- und Informationszentrale der Bundeswehr melden. Und wenn die Flieger nicht nur einmal über einen Ort fliegen müssten, dann werde dies im Vorhinein auch angekündigt, sagte der Sprecher des Luftwaffengeschwaders.
Mit Informationen von dpa
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