Dunkle Wolken ballen sich am Himmel, es grollt und donnert – und dann geht es los. Wenn man einen Donner wahrnimmt, ist das Gewitter nicht weiter als zehn Kilometer entfernt. Wenn zwischen Donner und Blitz nur noch zehn Sekunden oder weniger ist, besteht akute Gefahr, von einem Blitz getroffen zu werden, so der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE).
Am Berg kann das Wetter binnen Minuten umschlagen – und selbst erfahrene Bergretter überraschen. Am Höllentalgletscher der Zugspitze erwischt ein Unwetter Einsatzkräfte und Bergsteiger mitten in einem eigentlichen Routineeinsatz: Blitze schlagen ein, der Hubschrauber muss am Boden bleiben. Plötzlich heißt es nur noch: ausharren und hoffen.
Regenradar und Gewitter-Monitor geben Übersicht
Der Blick zum Himmel ist ein erster Indikator: Wenn der Wind auffrischt und die dunklen Wolken aufziehen, wird es höchste Zeit, Schutz zu suchen. Experte Tim Staeger aus dem ARD-Wetterkompetenzzentrum empfiehlt zudem: "In Wetter-Apps gibt es zudem gute Regenradars, auch vom Deutschen Wetterdienst. Die Warnwetter-App kann ich nur empfehlen. Dort gibt es auch einen sogenannten Gewitter-Monitor. Man kann dann also die entstandenen Gewitter auch tracken und kann sehen, wie die sich in den nächsten 20 bis 40 Minuten verlagern werden."
Gewitter am Berg: Unbedingt Drahtseile meiden
Im Falle eines aufziehenden Gewitters am Berg sollte man umkehren und die Tour abbrechen, empfiehlt DAV-Experte Stefan Winter – sei das nicht möglich, auf jeden Fall exponierte Stellen wie Grate, Gipfel und Freiflächen so schnell wie möglich verlassen.
Unbedingt solle man Drahtseile, wie sie auf einem Klettersteig vorhanden seien, sowie nasse Gegenden meiden und Schutz suchen – am besten in einer Hütte oder zumindest in einer Mulde. Fernhalten sollte man sich aber von wasserführenden Bereichen wie Klammen, Schluchten oder Bachläufen – dort kann der Wasserstand bei Gewittern schnell ansteigen. Zusätzlich empfiehlt der Deutsche Alpenverein (DAV), bei Wanderungen in Gruppen den Abstand zwischen den Tourenpartnern zu vergrößern (externer Link).
Im Video: Überleben am Berg bei Gewitter
Nikolaus Hippe ist Überlebenstrainer und zeigt seinen Kursteilnehmern, wie man ohne Ausstattung eine Nacht im Gewitter am Berg übersteht.
Falsch: Flach auf den Boden legen
Die häufigsten Fehler bei einem Gewitter sind, mit großen Schritten wegzulaufen oder sich flach auf den Boden zu legen – beides bietet dem Blitz eine breite Angriffsfläche.
Richtig: In die Hocke gehen
Der sicherste Platz bei einem Gewitter abseits der Berge ist ein festes Gebäude oder ein geschlossenes Auto, so der Deutsche Feuerwehrverband. Wer von einem Gewitter überrascht wird und nirgends mehr Schutz suchen kann, sollte in die Hocke gehen – idealerweise in einer natürlichen Bodensenke. Die optimale Stellung: kauernd, die Füße nah zusammen, die Arme um die Knie, Kopf einziehen, den Kontakt zum Boden so klein wie möglich halten. Das reduziert die Gefahr beträchtlich.
Wichtig ist, nicht der höchste Punkt im Gelände zu sein. Außerdem sollte man darauf achten, nicht in Gruppen Schutz zu suchen, sondern einzeln. Man sollte mindestens einen Meter oder besser noch mehr Abstand zu anderen Menschen einhalten.
Hände weg von metallenen Gegenständen
Sobald ein Gewitter aufzieht, Finger weg von metallenen Gegenständen wie Regenschirm, Wanderstöcken, Golfschlägern und Karabinern. Metall leitet den Strom besonders gut weiter. Diese Dinge gehören deshalb mindestens fünf Meter weit weg. Achtung: Auch Handy, Geldbeutel und Schlüssel enthalten Metall.
Lebensgefährlicher Merkspruch: "Buchen sollst du suchen..."
Der Blitz schlägt meistens in die höchste Erhebung ein. Gefährlich sind alleinstehende Bäume, Baumgruppen, Masten oder Bergspitzen. Hier sollte man einen Mindestabstand von zehn Metern einhalten, in den Bergen auch bedeutend mehr. Denn auch wer sich nur in der Nähe eines Blitzeinschlags aufhält, kann noch vom Blitz getroffen werden – wenn auch indirekt. Der Blitzstrom breitet sich an der Einschlagstelle kreisförmig in alle Richtungen im Boden aus und verliert dabei an Stärke.
Sind die Füße – zum Beispiel beim Wegrennen – weit auseinander, dann besteht zwischen ihnen ein Spannungsunterschied und der Strom kann durch den Körper fließen. Das kann zu lebensbedrohlichen Folgeerscheinungen führen – wie zum Beispiel Herzstillstand.
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