Eine Solaranlage (Archivbild)
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Photovoltaik ersetzt zunehmend den Strom aus Atomkraft.
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Photovoltaik ersetzt zunehmend den Strom aus Atomkraft.

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Wie es mit dem Umbau der Stromversorgung in Bayern vorangeht

Wie es mit dem Umbau der Stromversorgung in Bayern vorangeht

Das Statistische Landesamt hat die offiziellen Zahlen zu Bayerns Stromversorgung 2024 herausgegeben. Vor allem die Photovoltaik hat im Jahresvergleich die fehlende Strommenge aus der Atomkraft ausgeglichen. Aber das ist nicht die ganze Geschichte.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Bayern am .

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Die Stromerzeugung in Bayern ist im ersten Jahr ohne Atomkraft weitgehend stabil geblieben. Das zeigen die offiziellen Zahlen für die Stromerzeugung 2024 in Bayern, die das Landesamt für Statistik diese Woche bekannt gegeben hat. Strom aus erneuerbaren Energien hat den Wegfall von Isar 2 also weitgehend kompensiert – der Reaktor war im Vorjahr allerdings auch nur noch dreieinhalb Monate gelaufen.

Bei BR24-Usern hat diese Meldung eine Reihe weiterer Fragen ausgelöst.

Kann sich Bayern eigenständig mit Strom versorgen?

So kommentierte "HerrK" zur früheren Berichterstattung: "Interessant wäre es, den Verbrauch in Bayern in diesem Artikel zu erwähnen."

Außerdem schrieb"JoKi": "Es geht voran mit der erneuerbaren Stromproduktion. Gut so... zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich Bayern nicht mehr selbst mit Strom versorgt. (…) vor ein paar Jahren (…) waren wir quasi noch Exporteur."

Die jetzt veröffentlichte Mitteilung des Bayerischen Landesamts für Statistik [externer Link] behandelt nur die Erzeugung, nicht den Verbrauch. An dieser Darstellung gibt es Kritik. Denn durch den Wegfall der bayerischen Atomkraftwerke hätte sich der prozentuale Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in den vergangenen Jahren auch ganz ohne neue Solarzellen und Windräder automatisch erhöht – weil die Grundgesamtheit kleiner wurde. Das lässt die Bilanz der Staatsregierung besser aussehen, als wenn der Anteil der Erneuerbaren am Stromverbrauch betrachtet wird.

Anders als früher verbraucht Bayern mehr Strom, als es selbst erzeugt. In Zahlen: Einem geschätzten Stromverbrauch von 79,59 Terawattstunden stand 2024 eine Stromerzeugung von 60,06 Terawattstunden gegenüber. Etwa ein Viertel des in Bayern verbrauchten Stroms wird also nicht im Freistaat selbst produziert. Diese Stromlücke wurde 2024 jedoch zumindest nicht größer.

Woher bekommt Bayern den fehlenden Strom?

"AWMmonaco" fragte in der Kommentarspalte: "Wie viel Strom, insbesondere Atomstrom, musste importiert werden?"

Den Großteil des fehlenden Stroms bekommt Bayern aus Nord- und Ostdeutschland, wo mehr Windkraft installiert ist und auch noch Kohlekraftwerke laufen. Ein Teil wird jedoch auch aus dem Ausland importiert. Bayern selbst ist keine technische Einheit in der Stromversorgung, es gibt deshalb keine Zahlen für den Stromimport und -export Bayerns aus anderen Staaten. Für Deutschland insgesamt sind diese Zahlen jedoch bekannt [externer Link].

Die Bundesrepublik importierte 2024 etwa fünf Prozent des verbrauchten Stroms. Die wichtigsten Importländer waren Frankreich, Dänemark, Schweiz und Norwegen. Nach Tschechien exportierte Deutschland per Saldo Strom. Der Grund für den Import war nicht ein Mangel an Kraftwerkskapazitäten in Deutschland, sondern dass der Strom aus den Nachbarländern billiger war. Das zeigt sich auch daran, dass der Stromimport vor allem im Sommer stattfand. Im Winter, wo Strom knapper ist, stiegen die Börsenstrompreise an. Dadurch lohnte es sich, in Deutschland fossile Kraftwerke zu betreiben, und die Importe fielen. Es ist also davon auszugehen, dass vor allem im Sommer auch französischer Atomstrom nach Bayern gelangt. In kalten Wintermonaten verbraucht Frankreich seinen Strom tendenziell selbst.

Was passiert bei Dunkelflaute?

"Bayernrules" wiederum kommentierte: "Isar 2 könnte bei zweiwöchiger Dunkelflaute 1,5x München versorgen. Das auch bei -10 Grad Celsius. Wie viele erneuerbare Energien können das?"

Wenn weder Wind weht, noch die Sonne scheint, in den sogenannten Dunkelflauten, bleiben von den erneuerbaren Energien noch die Wasserkraft (22 Prozent der bayerischen Stromproduktion) und die Biomasse (15,1 Prozent). Biogasanlagen werden zunehmend so umgebaut, dass sie ihre Leistung gezielt abgeben können, wenn Wind und Sonne fehlen. Wenn Biogas ins Gasnetz eingespeist wird, kann es ganz zeitunabhängig in Kraftwerken verbrannt werden.

Für den Großteil der gesicherten Kapazität in Dunkelflauten sorgen bisher fossile Kraftwerke. Um die Kohlekraftwerke nach 2030 zu ersetzen, will die Bundesregierung per Ausschreibung wasserstofffähige Gaskraftwerke errichten lassen.

Dunkelflauten mit einer Dauer von mindestens 48 Stunden kamen 2024 dreimal vor, die längste dauerte 70 Stunden.

Kann der Photovoltaikstrom tatsächlich sinnvoll genutzt werden?

BR24-User "Kubi" argumentierte: "(...) Aktuell wird der durch die Erneuerbaren im Sommer produzierte und überschüssige Strom zu Negativpreisen ins Ausland verkauft. Heißt im Klartext, wir zahlen auch noch dafür, dass er uns abgenommen wird! (...)"

An sonnigen Tagen im Sommerhalbjahr produziert die Photovoltaik tatsächlich immer häufiger mehr Strom, als sinnvoll verbraucht werden kann. Negative Preise sind vergangenes Jahr in 457 Stunden aufgetreten. Batteriespeicher können helfen, die großen Schwankungen des Sonnenstromangebots auszugleichen. Der Bau von Großspeichern boomt inzwischen.

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