Die Würzburger Modistin Laura Zieger arbeitet an einem Hut.
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Die Würzburger Modistin Laura Zieger ist Teil von "Manufaktour".
Bildrechte: Anja Wagenbrenner
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Die Würzburger Modistin Laura Zieger ist Teil von "Manufaktour".

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Würzburger Einzelhändler kämpfen gemeinsam ums Überleben

Würzburger Einzelhändler kämpfen gemeinsam ums Überleben

Steigende Gewerbemieten oder hohe Energiepreise: Viele kleine Einzelhändler in Bayern stehen unter Druck. In Würzburg haben sich deshalb fast 60 Geschäfte zusammengeschlossen und eine Idee entwickelt, die Besucher gezielt in kleine Läden locken soll.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

In ihrer Werkstatt formt Anja Wagenbrenner filigrane Blüten aus Papier. Seit drei Jahren verkauft sie die kleinen Kunstwerke. Papier ist für sie weit mehr als ein Bastelmaterial. Es ist lebendig, sagt sie, und erstaunlich stark. Genau aus dieser Überzeugung ist auch eine neue Idee entstanden: ein Stadtplan aus Papier, der den Einzelhandel verbinden und kleine Geschäfte in Würzburg beleben soll.

Gemeinsam mit einer Töpferei und einer Druckwerkstatt hat Anja die sogenannte "Manufaktour" entwickelt – ein Netzwerk lokaler Einzelhändler. Herzstück des Projekts ist eine Stadtkarte mit verschiedenen Touren, die Besucherinnen und Besucher gezielt durch Würzburg führen, vorbei an kleinen Läden und Werkstätten, die im Alltag oft übersehen werden.

"Manufaktour" führt hinter die Kulissen

Die "Manufaktour" will mehr sein als ein Einkaufsführer. Sie soll zeigen, wie viel Handwerk, Leidenschaft und Individualität hinter den kleinen Betrieben steckt. Die Touren führen deshalb auch hinter die Kulissen – dorthin, wo Handwerk lebt.

Conni Henle hat die Töpferei ihres Vaters übernommen. Ihr Laden liegt knapp außerhalb des Stadtzentrums. Die Karte führt Gäste geradewegs an ihre Töpferscheibe. Viele Menschen wüssten gar nicht, was hinter solchen Manufakturen steckt. Wenn sie sehen, wie etwas entsteht, betont Conni Henle, werde das Handwerk anders wahrgenommen – und am Ende auch stärker wertgeschätzt.

Warum kleine Läden in Bayern kämpfen

Viele kleine Einzelhändler in Bayern stehen derzeit unter massivem wirtschaftlichem Druck. Der Onlinehandel ist stark wie nie. Marketing, Organisation und viel Bürokratie gehören für die inhabergeführten Geschäfte zum Alltag. Denn sie müssen sich nicht nur durchsetzen, sondern auch sichtbar bleiben – das kostet Zeit und Geld.

Optiker Florian Wagenbrenner beschreibt genau dieses Problem: Vieles abseits des eigentlichen Handwerks koste inzwischen so viel Kraft, dass weniger Zeit fürs Kerngeschäft bleibe.

Aus wenigen Gründern wurde ein Netzwerk

Die Initiative wurde eigens von den Händlern entwickelt, ohne die Stadt und ohne Sponsoren, dafür genau nach ihren Vorstellungen. Die Einzelhändler haben das Konzept eigenständig aufgebaut, die Touren zusammengestellt, die Karte gestaltet und am Ende die Kosten untereinander aufgeteilt.

Seit dem Startschuss im Januar 2026 sind mittlerweile fast 60 Einzelhändlerinnen und Einzelhändler sowie Betriebe Teil der "Manufaktour". Je nach Mitgliedschaft sind sie auf der Stadtkarte, auf bestimmten Touren oder online vertreten. Ein QR-Code verlinkt die Touren zudem auf Google Maps.

Die Resonanz sei überwältigend gewesen, sagt Anja Wagenbrenner. Und genau das würde zeigen: Die Nachfrage nach kleinen, besonderen Läden sei da – sie müsse nur gebündelt und sichtbar gemacht werden.

Individuelle Produkte bleiben gefragt

Dass die Einzelhändler ein wichtiger Teil der freien Marktwirtschaft sind, zeigt der Hutladen "Hutgemacht". Laura Zieger hat den Traditionsbetrieb vor einem Jahr übernommen und die Nachfolge als Modistin angetreten. Sie fertigt Hüte in Handarbeit. Ihre Kunden und Kundinnen suchen nach Produkten, die nicht von der Stange kommen. Viele seien dankbar, sagt Zieger, dass es solche Geschäfte noch gibt. Menschen wollen eben nicht nur Massenware.

Zusammenhalt statt Konkurrenz

Genau hier setzt die "Manufaktour" an: Die kleinen Händlerinnen und Händler in Würzburg verstehen sich nicht länger nur als Konkurrenten, sondern als Teil eines gemeinsamen Netzwerks. Statt einzeln um Aufmerksamkeit zu kämpfen, bündeln sie ihre Kräfte.

Gemeinsame Werbung, gemeinsame Sichtbarkeit, gemeinsame Touren – das spart Zeit, erhöht Reichweite und bringt Besucher in Läden, die viele sonst nie entdeckt hätten. Auch ein Modell für andere Städte?

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Das Gründerteam von "Manufaktour": Conni Henle, Petra-Sophie Karl, Andreas Karl, Anja Wagenbrenner (von links nach rechts).

Im Video: Immer mehr Leerstände – Wie sind Innenstädte noch zu retten?

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