Die kleine Gemeinde Mittelsinn liegt im Landkreis Main-Spessart, eingebettet zwischen den Hängen des Spessarts und der Rhön. Knapp 800 Menschen leben dort. Mittelsinn ist als erstes Christbaum-Dorf in Deutschland bekannt, weil dort viele Betriebe Weihnachtsbäume anbauen.
- Zum Artikel auf mainpost.de: Dirk Schiefer will doch nicht Bürgermeister bleiben [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]
Doch jetzt macht Mittelsinn erneut überregional Schlagzeilen – und zwar wegen einer kuriosen Stichwahl am kommenden Sonntag. Auf dem Wahlzettel für die Bürgermeister-Wahl stehen die Namen von zwei Kandidaten , doch nur einer von ihnen will neuer Bürgermeister werden. Das hat eine Vorgeschichte, die sich ein bisschen wie ein Krimi liest.
Wahl am 8. März: Philipp Kuhn als einziger Kandidat in Mittelsinn
Bei der Kommunalwahl am 8. März gab es nur einen Kandidaten, den 35-jährigen Philipp Kuhn. Er war als gemeinsamer Kandidat von CSU, SPD und Unabhängigen Bürgern (UB) angetreten. Im ersten Wahlgang hat er 219 Stimmen geholt. Amtsinhaber Dirk Schiefer (ebenfalls CSU/SPD/UB) hat es allerdings auf zwei Stimmen mehr geschafft – und das, obwohl er nicht auf dem Wahlzettel stand. Schiefer war nach dem Tod seines Vorgängers seit Mitte 2023 Bürgermeister. Er wollte aber nicht mehr antreten. Die Wähler und Wählerinnen haben ihn eigenhändig auf den Stimmzettel geschrieben.
Die Wahlbeteiligung in Mittelsinn lag bei 75,7 Prozent. Wahlberechtigt waren 625 Bürgerinnen und Bürger.
Amtsinhaber Dirk Schiefer macht überraschend einen Rückzieher
Nach dem unerwarteten Erfolg im ersten Wahlgang erklärte Amtsinhaber Schiefer zunächst, dass er in der Stichwahl antreten wolle. Vergangene Woche war das. Doch nun macht er überraschend einen Rückzieher. "Aufgrund vieler Gespräche im Verlauf der letzten Woche sehe ich für mich keine Möglichkeit, die Gemeinde Mittelsinn im Falle eines Wahlerfolgs bei der Stichwahl weiterhin, ab 1. Mai 2026, als Bürgermeister zu führen", erklärt Schiefer in einer Stellungnahme. Er ruft dazu auf, für seinen Gegenkandidaten Philipp Kuhn zu stimmen. Nur so sei eine "Wiederholungswahl mit allen damit einhergehenden Begleiterscheinungen" zu vermeiden, so Schiefer weiter. Die "Main-Post" hatte zuerst berichtet.
Schiefer: "Ich war total überrumpelt" vom Wahlergebnis
Auf Anfrage von BR24 erklärt Schiefer, er sei vom Ergebnis des ersten Wahlgangs vergangene Woche "total überrumpelt" gewesen. Im Falle eines Wahlsieges am Sonntag werde er das Bürgermeisteramt definitiv nicht antreten. Die Stichwahl sei allerdings nicht mehr rückgängig zu machen. Diese ist nötig, da im ersten Wahlgang weder Schiefer noch Kuhn auf die erforderlichen 50 Prozent gekommen waren. Bei 446 gültigen Stimmen wären mindestens 224 Kreuze notwendig gewesen.
Bürgermeisterkandidat Philipp Kuhn bestätigt auf Anfrage den Rückzieher seines Kollegen. Schiefer habe ihn telefonisch informiert. Kuhn ist seit drei Jahren Dritter Bürgermeister in Mittelsinn.
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