Ein offenbar islamistischer Attentäter ist auf dem CSD in Berlin in eine Menschengruppe gefahren – eine Frau wurde getötet, 29 weitere Personen teils schwer verletzt. Am Tag danach zeigen sich viele Politikerinnen und Politiker erschüttert.
"Wir alle sind erschüttert"
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der sich gerade bei einem Tempelfest der Hinduistischen Gemeinde Deutschlands in Hamm aufhält, teilte mit, seine Gedanken seien bei Angehörigen und Freunden der getöteten Frau und den Schwerverletzten, denen er vollständige Genesung wünschte.
"Wir alle sind erschüttert und entsetzt über den mutmaßlichen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin, bei dem Hunderttausende Menschen aus aller Welt friedlich und fröhlich feiern wollten und ein Zeichen setzen für Toleranz und Vielfalt, für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben." - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Reaktionen von Merz und von der Leyen
"Das ist ein Angriff auf unsere Gesellschaft", schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Sonntagmorgen im Onlinenetzwerk X. "Wir sind offen und freiheitsliebend - und das werden wir auch bewahren und verteidigen." Die "abscheuliche Tat" werde "mit aller Härte verfolgt".
Vor einem Gedenkgottesdienst am Nachmittag betonte Merz: "Ich möchte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des CSD hier in Berlin und in ganz Deutschland zurufen: Lassen sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern." Diese Straftäter und Extremisten hätten keinen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft. "Wir sind mehr, wir sind stärker", sagte Merz.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach den Opfern ihr Mitgefühl aus: Der CSD stehe für Freiheit, Würde und Gleichberechtigung - "die grundlegenden Werte der EU".
Söder: "Dem Terror nicht beugen"
"Der feige Anschlag auf den CSD in Berlin ist eine furchtbare Tat", schrieb Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auf X. Er sei fassungslos, dass friedlich feiernde Menschen angegriffen, verletzt und sogar aus dem Leben gerissen wurden: "Wir werden uns dem Terror nicht beugen". Im ZDF-Sommerinterview betonte Söder: "Er ist auch ein bewusster Anschlag auf die Freiheitsidee unseres Landes. Und deswegen muss auch mit aller Härte dagegen vorgegangen werden."
Zuvor hatte sich auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) geäußert: "Wir werden alles daransetzen, diese schreckliche Tat und ihre Hintergründe schnell aufzuklären und zu ahnden."
Queerer Verband: "Regenbogen hat einen Riss bekommen"
Die queere Gemeinschaft ist nach dem Angriff am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) tief getroffen. "Der Regenbogen hat heute einen Riss bekommen. Das ist ein dunkler Tag für unsere Community und unser Land", schrieb die Organisation LSVD+ - Verband Queere Vielfalt auf Instagram.
Imam Idriz: "Aus islamischer Sicht nicht zu rechtfertigen"
Auch Benjamin Idriz, Vorsitzender des Münchner Forums für Islam, verurteilte den Anschlag in einer Stellungnahme aufs Schärfste:
"Nach islamischer Lehre gilt: Wer einen unschuldigen Menschen tötet, handelt so, als hätte er die ganze Menschheit getötet. Das Leben eines Menschen ist unantastbar. Aus islamischer Sicht ist eine solche Tat ein schweres Verbrechen. Nichts kann sie rechtfertigen." Benjamin Idriz
"Angriff auf unseren freiheitlich-liberalen Rechtsstaat"
Die Grünen-Fraktionschefinnen Britta Haßelmann und Katharina Dröge sprechen von einer "entsetzlichen Terrortat" gegen "queere Menschen und ihre Freundinnen und Freunde, die für gleiche Rechte und gegen Hasskriminalität demonstriert haben". Es handle sich um einen "Angriff auf das ganzes Land, auf unseren freiheitlich-liberalen Rechtsstaat und alles, was ihn ausmacht".
Ähnlich äußerten sich viele weitere Politiker - so auch Bundestags-Vizepräsident Bodo Ramelow von der Linkspartei, der Einsatz gegen queerfeindliche Intoleranz forderte: "Lasst uns zusammen trauern und zusammenstehen gegen Hass und Gewalt!" Die CSU postete auf "X" das Bild einer Kerze für die Opfer des Anschlags. AfD-Chefin Alice Weidel fasst die Tat aus ihrer Sicht zusammen und teilte einen Fahndungsaufruf.
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