Die Zahl der Vorfälle an deutschen Stromwerken reißt nicht ab: In Berlin ist ein Umspannwerk durch ein Feuer leicht beschädigt worden. Die Einsatzkräfte seien am frühen Montagmorgen alarmiert worden, teilte die Polizei mit. In der Bissingzeile brannten demnach "eine Baustelle und ein Teil des Umspannwerkes, welche durch das Feuer beschädigt wurden". Die Kriminalpolizei ermittele nun mit Hilfe des Betreibers, ob eine Straftat oder ein technischer Defekt vorliege. In Berlin fielen am Morgen Dutzende Ampeln aus.
- Zum Artikel: Schutz vor Sabotage – was kann der Staat tun?
Auch in Sachsen fand die Polizei am Morgen neun weitere selbstgebaute Sprengvorrichtungen unmittelbar an Hochspannungstrassen, die mutmaßlich für Anschläge auf die Stromversorgung aufgestellt wurden. Sie befanden sich an Hochspannungstrassen in der Nähe des Umspannwerks Graustein bei Görlitz, wie das Landeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden mitteilten. Bereits am Freitag wurden in Sachsen an zwei Umspannwerken mehrere Sprengstoffvorrichtungen entdeckt.
Wie viele Fälle gab es bisher?
In mehreren Bundesländern sowie in der Hauptstadt Berlin gab es mittlerweile Vorfälle an Umspannwerken – in Sachsen stellte die Polizei insgesamt 21 selbstgebaute Sprengvorrichtungen sicher, wie die Ermittler mitteilten. Diese Umspannwerke waren betroffen:
- Sachsen (Umspannwerk Bärwalde nahe Lippen, Umspannwerks Graustein nahe Schleife)
- Brandenburg (Umspannwerke in Jänschwalde und Schwarze Pumpe)
- Nordrhein-Westfalen (Umspannwerke in Gohr, Bergheim-Rheidt, Dormagen und Weisweiler)
- Berlin-Tiergarten (Umspannwerk Bissingzeile)
- Niedersachsen (Umspannwerk Ganderkesee, Fehlalarm)
Karte: Überblick über die bisherigen Vorfälle
Hängen die Taten miteinander zusammen?
Nach Anschlägen oder Sabotageversuchen an der Stromversorgung in mehreren Bundesländern läuft die Fahndung nach einem Verdächtigen auf Hochtouren. Die Brandenburger Polizei veröffentlichte Fahndungsfotos eines 48-Jährigen. Der Tatverdächtige soll sich in Schreiben zu den Anschlägen auf Umspannwerke in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen bekannt haben und mit Kritik an der Energieerzeugung mit fossilen Brennstoffen begründet haben.
Diese Bekennerschreiben werden als authentisch eingeschätzt und enthalten Täterwissen, wie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) am Freitag sagten. Dobrindt sagte, er gehe von einem Fall von "Klimaextremismus" aus.
Ob der 48-Jährige auch für die Anschläge in Berlin und Sachsen verantwortlich gemacht wird, ist bisher nicht bekannt. Es sehe aktuell so aus, dass ein technischer Defekt im Umspannwerk in Berlin einen Kurzschluss ausgelöst habe, der zu einer Explosion führte, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel am Montagvormittag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses, wie der RBB berichtet (externer Link). Ermittelt werde aber in alle Richtungen, so Polizeisprecher Florian Nath.
Wie können Umspannwerke geschützt werden?
Für den Schutz der kritischen Infrastruktur sind zunächst die Betreiber selbst verantwortlich - zum Beispiel, indem sie ihre Anlagen mit hohen Zäunen und ähnlichen Maßnahmen vor Angriffen schützen. Die Abwehr von Angriffen, etwa durch eine Drohne auf dieselbe Anlage wäre wiederum eine hoheitliche Aufgabe, die zunächst der Polizei zugeordnet wäre.
In Bayern sollen künftig auch Privatfirmen Drohnenangriffe auf einem Firmengelände abwehren können. Das solle mit einem Landesgesetz geregelt werden. Bislang sind für die Drohnenabwehr in Deutschland die Sicherheitsbehörden zuständig. Geplant sind laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auch Änderungen beim Datenschutz. Damit sollen die Regeln zur Video-Überwachung von Werksgeländen gelockert werden.
Expertinnen und Experten zufolge wird es jedoch nicht möglich sein, alle Stromleitungen oder Umspannwerke hundertprozentig zu schützen. Wichtig seien vielmehr Notfall-, Wiederanlauf- und Krisenpläne, heißt es.
Mit Information von dpa und AFP
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