Ein überfülltes Gummiboot, die Nacht auf dem Mittelmeer – und nur wenige Stunden später eine Katastrophe. Anfang Februar kenterte vor der Küste Libyens ein Flüchtlingsboot, auf dem 55 Menschen unterwegs gewesen sein sollen. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) werden 53 von ihnen vermisst oder für tot gehalten, darunter auch zwei Babys.
Längst sind solche Schicksale kein Einzelfall. Etwa 660 Migrantinnen und Migranten sind laut offiziellen Zahlen im Januar und Februar bei versuchten Überfahrten über das Mittelmeer ums Leben gekommen. Dies seien mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum, teilte die EU-Grenzschutzbehörde Frontex unter Berufung auf Zahlen der IOM am Donnerstag mit. Zugleich sei die Zahl der irregulären Grenzübertritte in den ersten beiden Monaten des Jahres um die Hälfte zurückgegangen.
Mehr Todesfälle: Wetter Ursache für den Anstieg
Beides ist nach Einschätzung von Frontex auf die extremen Wetterbedingungen zurückzuführen, die die Überfahrten noch riskanter machten. Insgesamt seien 12.000 "irreguläre Grenzübertritte" an den EU-Außengrenzen erfasst worden.
"Die Zahl dieser Tragödien ist auf die extremen Wetterbedingungen zurückzuführen", erklärte Frontex. Die Schleuser seien sich der Risiken bewusst. "Sie zögern nicht, verzweifelte Menschen auf seeuntüchtigen Booten aufs Meer zu schicken, weil sie am Profit interessiert sind", erklärte die Grenzschutz-Agentur.
Irregulären Grenzübertritte
Die Migrationsroute über Mitteleuropa sei seit Jahresanfang am häufigsten genutzt worden. Dort wurden laut Frontex knapp 3.400 Ankünfte registriert. Auf der Route aus Westafrika verzeichnete die Agentur einen Rückgang irregulärer Überfahrten um gut 80 Prozent auf etwa 1.200 Ankünfte. Die Zahl der Überquerungen des Ärmelkanals Richtung Großbritannien ging im Januar und Februar demnach um zwölf Prozent zurück. Frontex verzeichnete 3.900 Fälle. Die meisten Migranten kamen demnach aus Afghanistan, Bangladesch und Algerien.
Unerlaubte Einreisen: Lage in Bayern
Schon Ende Februar hatte die bayerische Grenzpolizei ihre Jahresbilanz für 2025 vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass die Zahl der unerlaubten Einreisen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 20 Prozent auf 1.902 Fälle gesunken ist. Auch die registrierten Schleuserfälle gingen deutlich zurück. Innenminister Joachim Herrmann und Ministerpräsident Markus Söder sehen darin einen Beleg dafür, dass verstärkte Grenzkontrollen zur Eindämmung illegaler Migration beitragen.
Der Iran-Krieg und mögliche Folgen
Die EU-Grenzschutzagentur verwies in ihrem Bericht auch auf mögliche Auswirkungen des Iran-Kriegs. "Die Eskalation der Lage im Nahen Osten birgt die Gefahr, dass es in den kommenden Monaten zu einer Zunahme der Fluchtbewegung in der Region kommt", hieß es. Bislang habe dies noch keine spürbaren Auswirkungen auf die Migrationssituation an den Außengrenzen der EU gehabt. Frontex beobachte die Entwicklungen weiterhin aufmerksam.
Frontex ist die EU-Agentur für Grenz- und Küstenschutz mit Sitz in Warschau. Sie unterstützt die Mitgliedstaaten bei der Sicherung der EU-Außengrenzen gegen Migration und grenzüberschreitende Kriminalität.
Mit Informationen von AFP, dpa und KNA.
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