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Experte Lange: US-Fremdregierung in Venezuela "keine gute Idee"

Experte Lange: US-Fremdregierung in Venezuela "keine gute Idee"

Als völkerrechtlich "zumindest zweifelhaft" bezeichnet der Sicherheitsexperte Nico Lange den US-Angriff auf Venezuela und die Festnahme von Präsident Maduro. Im BR24-Interview gibt er auch einen Ausblick, wie es für das Land jetzt weitergehen könnte.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Nach Wochen der Eskalation hat das US-Militär am Samstag Venezuela bombardiert und das Präsidentenpaar in Handschellen an Bord eines US-Kriegsschiffs außer Landes gebracht. Am Abend (mitteleuropäischer Zeit) kündigte US-Präsident Donald Trump an, das Land vorerst selbst zu regieren und für US-Ölunternehmen zu öffnen.

Vorgehen völkerrechtlich "zumindest zweifelhaft"

Für den Sicherheitsexperten Nico Lange ist die Gefangennahme Maduros völkerrechtlich "zumindest zweifelhaft. Viele sagen, es ist völkerrechtswidrig". Trump selbst freilich, erläutert Lange bei BR24 im BR-Fernsehen, will Nicolás Maduro als Kopf eines Drogenkartells identifiziert haben. Folgt man dieser Auffassung, konnte Trump ihn nach US-Recht auch ohne Mitwirkung des Kongresses festsetzen lassen.

Bundesregierung bislang zurückhaltend

Die deutsche Bundesregierung hält sich mit einer Bewertung des US-Angriffs bislang weitgehend zurück. Für Lange muss sie sich nun aber die Frage stellen, ob Deutschland und Europa "stark, handlungsfähig und handlungswillig" seien - falls nicht, werde man stets "nur mit Fakten konfrontiert, die andere geschaffen haben".

"Wir leben in einer Welt, in der Macht die entscheidende Kategorie ist." Nico Lange

Lange: Trump unterscheidet "vieles" von Putin

Auf die Frage, was Trump angesichts des jüngsten Angriffs noch von Russlands Präsident Wladimir Putin unterscheide, antwortete Experte Lange: "Vieles". Trump sei der gewählte Präsident in einem Staat mit Gewaltenteilung, Putin hingegen nicht. Der Kremlchef führe einen Angriffskrieg, "um die europäische Ordnung umzugestalten, mit Tausenden Toten jeden Tag". Der US-Präsident hingegen führe "begrenzte Militäroperationen, um geopolitische Signale auszusenden", so Lange. Er räumte jedoch ein: "Beide brechen das internationale Recht, das ist richtig." Dennoch gebe es viele wichtige Unterschiede.

Wie es in Venezuela weitergehen könnte

Für die Zukunft Venezuelas verweist Lange auf einen Vorschlag der venezolanischen Friedensnobelpreisträgerin Maria Machado. Sie hatte angeregt, den Oppositionspolitiker Edmundo González als Präsidenten einzusetzen. "Ich halte das für einen sehr guten Vorschlag", erklärte Lange.

González hatte nach übereinstimmender Auffassung der USA und der EU 2024 die Präsidentschaftswahl in Venezuela gewonnen - war vom Regime Maduros aber mit Verhaftung bedroht worden und nach Spanien geflohen. Lange betonte, mit González könne der Übergang zu einer neuen, legitimen Regierung geebnet werden, die im Interesse der Menschen in Venezuela sei, die in den vergangenen Jahren "sehr gelitten" hätten. Eine "Fremdregierung der USA" hält der Experte dagegen für "keine gute Idee".

Nico Lange ist Politikwissenschaftler und Publizist. Er war von 2012 bis 2017 in Leitungspositionen für die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), später im Leitungsstab des Bundesverteidigungsministeriums tätig. Seit 2022 ist er Senior Fellow der Zeitenwende-Initiative bei der Münchner Sicherheitskonferenz.

Im Video: ARD-Brennpunkt zum US-Angriff auf Venezuela

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