Durch den Iran-Krieg sind die Weltmarktpreise für Erdgas so hoch, dass sich der Import und das Speichern von Gas kaum lohnen. Diese Situation hält schon seit dem Frühjahr an.
Aktuell liegt der Füllstand bei etwa 55 Prozent. "Historisch niedrig" laut dem Verband der Speicherbetreiber "Initiative Energien speichern" (INES). Zum 1. November schreibt eine Verordnung des Bundes im Durchschnitt aller deutschen Gasspeicher eigentlich einen Füllstand von 70 Prozent vor.
Wie groß ist das Risiko für einen echten Gasmangel im Winter?
Auch in Wintermonaten kommt ungefähr drei Viertel des Gasverbrauchs aus direkten Importen und nur ein Viertel aus den Gasspeichern. Die Importmöglichkeiten haben sich durch den Bau zusätzlicher Terminals für verflüssigtes Erdgas (LNG) an den deutschen Küsten stark verbessert. Die Bundesnetzagentur sieht deshalb die Versorgungssicherheit gewährleistet.
Das könnte sich allerdings ändern, falls wichtige Versorgungswege ausfallen: etwa Pipeline-Lieferungen aus Norwegen durch Sabotage der Infrastruktur, oder die LNG-Lieferungen aus den USA durch ein Exportverbot der US-Regierung.
Wird das Gas teurer?
Wegen der leeren Speicher ist Deutschland im kommenden Winter stärker von den Weltmarktpreisen abhängig als in früheren Jahren. Und schon jetzt ist der Börsenpreis so hoch wie noch nie seit der akuten Energiekrise nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine 2022. Ein besonders kalter Winter oder weitere Ausfälle in der weltweiten LNG-Infrastruktur könnten den Preis weiter hochtreiben.
Das betrifft jedoch die meisten Verbraucher nicht direkt, weil sie in der Regel vertragliche Preisgarantien für eine gewisse Zeit besitzen. Das finanzielle Risiko müssen die Gashändler tragen – die sich ja entschieden haben, so wenig Erdgas einzuspeichern, und so quasi zu spekulieren.
Allerdings schlagen dauerhaft erhöhte Gasbeschaffungskosten mit Verzögerung auch auf Kundenverträge durch.
Was kann die Bundesregierung jetzt tun?
Die Bundesregierung könnte mit Staatsgeld eingreifen, um zusätzliches Erdgas einzuspeichern und so die 70-Prozent-Quote zum 1. November zu erreichen. Solche Käufe oder bereits die Ankündigung davon würden die Preise jedoch weiter hochtreiben. Außerdem kämen sie entweder die Steuerzahler sehr teuer – oder die Gaskunden, wenn die Kosten umgelegt werden. Die Wintervorsorge bleibe eine Aufgabe des Marktes, betont das Bundeswirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU). Andreas Goldthau von der Universität Erfurt fasst die Lage so zusammen: "Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine gute Option mehr für politische Maßnahmen."
Hilft die nationale Gasreserve?
Nein. Die strategische Gasreserve soll zwar einmal zehn Prozent des deutschen Speichervolumens umfassen, sie existiert jedoch noch nicht. Erst ab dem kommenden Sommer soll die Reserve angelegt werden, und zwar gestreckt über zwei bis drei Jahre, damit die Gasbeschaffung für die Reserve nicht ihrerseits die Preise hochtreibt.
Was könnte die Bundesregierung mittel- und langfristig tun?
Andere Länder verpflichten Gashändler, einen gewissen Anteil der vorab an Kunden verkauften Gasmengen auch physisch einzuspeichern, etwa Frankreich und Italien. Die Niederlande subventionieren die Einspeicherung, wenn sie sich marktwirtschaftlich nicht lohnt. Die Linie der Bundesregierung ist jedoch bisher, den Markt die Wintervorsorge regeln zu lassen.
Der größte Hebel, um weniger abhängig vom Ausland zu werden, wäre den Erdgasverbrauch in Deutschland zu senken. Etwa durch die energetische Sanierung von Häusern und den verstärkten Einbau von Wärmepumpen.
Was können Verbraucher tun?
Kurzfristig können Haushalte, die in der Grundversorgung sind oder deren Preisbindung ausläuft, nach einem möglichst günstigen Gasanbieter suchen. Allerdings sind Gasverträge für Neukunden laut dem Vergleichsportal Verivox inzwischen im Durchschnitt mehr als ein Drittel teurer als vor einem Jahr. Mittel- und langfristig kann eine bessere Isolierung des Hauses den Energieverbrauch drücken. Und wer zur Wärmepumpe wechselt, muss kein Gas mehr kaufen. Der Strompreis für Neukunden liegt laut Verivox derzeit sogar niedriger als vor einem Jahr. Weil vor allem in den Sommermonaten immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien im deutschen Netz fließt, entkoppelt sich der Strompreis zunehmend vom Gaspreis.
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