Noch nie hat ein Papst vor dem spanischen Parlament gesprochen. Nach der Messe mit über einer Million Menschen am Sonntag in Madrid war die Rede vor den Cortes in der spanischen Hauptstadt der politische Höhepunkt der Spanienreise von Papst Leo XIV.
Aufrüstung in Europa und politische Spaltung
Dabei warnte der Papst: "Die Welt befindet sich in einer tiefen geistigen und kulturellen Krise, die sich in Gewalt, Polarisierung und gegenseitigem Misstrauen äußert." Besorgniserregend sei, dass sich auch in Europa "die Aufrüstung erneut als fast unvermeidliche Antwort auf die Instabilität der internationalen Lage" darstelle. Damit bezieht er erneut deutlich Stellung zu Krieg und Frieden und mahnt andere Wege an, als derzeit in der politischen Debatte laut sind.
Wahre Sicherheit entstehe nicht durch Waffen, sondern durch Gerechtigkeit, Dialog und die Achtung des Völkerrechts, machte Leo XIV. deutlich. Zugleich appellierte er an die politischen Lager, respektvoll miteinander umzugehen. "Bestimmtheit erfordert keine Verachtung; Meinungsverschiedenheit muss nicht mit Demütigung einhergehen", sagte er.
Menschenwürde, Migration und Lebensschutz
In seiner Rede vor dem spanischen Parlament stellte Leo XIV. die Menschenwürde in den Mittelpunkt. Jede Gesetzgebung müsse sich der Frage stellen, welches Menschenbild ihr zugrunde liege und welche Gesellschaft dadurch entstehe.
Unter Berufung auf Papst Benedikt XVI. betonte er, eine gerechte Gesellschaft gründe auf der Anerkennung der unantastbaren Würde jedes Menschen. Diese Würde dürfe weder von Mehrheiten noch von gesellschaftlichen Stimmungen abhängig gemacht werden.
Mit Blick auf den Lebensschutz fragte der Papst: "Kann eine Gemeinschaft, die das ungeborene Kind, den alten Menschen, den Kranken, den still Leidenden oder denjenigen, der ganz auf die Fürsorge anderer angewiesen ist, ausblendet, als wirklich gerecht bezeichnet werden?"
Zu dem in Spanien sehr präsenten Thema Migration erklärte Leo XIV., kein Land könne diese Herausforderung allein bewältigen. Daher sei eine "koordinierte, solidarische und wirksame Reaktion unerlässlich, die den Migranten Schutz, Aufnahme und echte Integrationschancen gewährleisten kann".
Missbrauch in der Kirche: Papst spricht von "Pest"
Deutliche Worte fand Leo XIV. auch beim Treffen mit den rund 120 Mitgliedern der Spanischen Bischofskonferenz im Anschluss. Dort bezeichnete er den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen und Schutzbefohlenen durch Geistliche als "Pest".
Die Kirche müsse darauf mit "Zuhören, Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und einem immer entschlosseneren Handeln in Sachen Prävention und einer Kultur der Fürsorge" reagieren, forderte der Papst. Betroffene müssten angehört, geschützt und auf ihrem Weg der Heilung unterstützt werden.
Hintergrund sind jahrelange Auseinandersetzungen zwischen Kirche, Politik und Justiz über die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen. Erst Anfang des Jahres hatten sich Kirche und spanische Regierung auf ein vorläufiges Verfahren zur finanziellen Entschädigung von Betroffenen verständigt. Während der Reise traf Leo XIV. auch Missbrauchsbetroffene. Die Auswahl der Teilnehmer, die von der Kirche vorgenommen worden war, war allerdings von Opferverbänden kritisiert worden.
Christliches Erbe Europas im Fokus
Bereits am Sonntag hatte Leo XIV. bei einer Begegnung mit Vertretern aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Sport für eine neue Wertschätzung des christlichen Erbes Europas geworben.
Er fragte, ob Europa ohne die Prägung des Glaubens dieselbe Identität entwickelt hätte. Christen hätten über Jahrhunderte Krankenhäuser und Schulen gegründet sowie soziale Initiativen aufgebaut. Zugleich rief der Papst zu einem respektvollen gesellschaftlichen Dialog auf. Worte, so Leo XIV., könnten verletzen oder heilen, Spaltung vertiefen oder Hoffnung schaffen.
Im Video: Spanien-Reise - Papst ruft zum Frieden auf
Bei seiner Rede im spanischen Parlament in Madrid sagte Papst Leo XIV., Waffen könnten "niemals einen echten und dauerhaften Frieden schaffen".
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