Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, hält eine breite öffentliche Diskussion über Nuklearwaffen in Europa für heikel. "Wir haben den Kanzler in seiner Rede gehört und er hat noch einmal deutlich gemacht, dass auf sehr hoher Ebene, also zwischen ihm und dem Präsidenten Macron, eine Diskussion über europäische nukleare Abschreckung stattfindet", sagte Breuer im BR24-Interview bei der Münchner Sicherheitskonferenz. "Das ist auch gut so, das auf dieser Ebene zu tun", fuhr er fort.
Der Generalinspekteur warnte jedoch davor, die Diskussion "jetzt schon weiter herunterzubrechen, denn es ist immer ein Blick in die Herzkammer". Die Abschreckungslogik, die dahinterstecke, dürfe nicht nach außen gelangen. "Ich glaube, da müssen wir schon genau darauf achten, dass wir da nicht so viel preisgeben", so Breuer. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte zuvor gefordert, die nukleare Abschreckung neu zu justieren, um im Dialog mit Russland glaubwürdig zu sein. An dem Ziel werde bereits gearbeitet.
Breuer: Kein Rückzug der USA auf militärischer Ebene
Die Befürchtung, dass die US-amerikanischen Partner sich auf militärischer Ebene zunehmend von Europa entfernen, teilt Generalinspekteur Breuer nicht. Es habe in den vergangenen Wochen und Monaten zwar ein "Auf und Ab" gegeben, räumte er ein. Aber: "Wenn ich mich mit meinem Counterpart unterhalte, wenn ich mich mit meinen amerikanischen Kollegen und Kameraden unterhalte, dann sehe ich eine Stabilität. Ich sehe eine Verlässlichkeit, ich sehe ein Schulter-an-Schulter."
Auch die geplante Übergabe zweier Nato-Kommandos der USA an die Europäer wertet Breuer nicht als Rückzug der Amerikaner aus dem Bündnis. Man dürfe an dieser Stelle "nicht jede Aktion, jedes kleine Bisschen überbewerten". Die Amerikaner seien dafür auf niedrigerer Ebene in operativen Kommandos stärker vertreten. Es handle sich somit lediglich um eine "Interessensverlagerung innerhalb des Bündnisses", betonte Breuer.
Breuer zu Nato-Nominierung: "Hat mich sehr gefreut"
Über seine eigene Zukunft hielt sich der Generalinspekteur indessen bedeckt. Kürzlich war bekannt geworden, dass Deutschland Breuer in das Rennen um den Posten des Vorsitzenden des Nato-Militärausschusses schickt. Der Job gilt neben dem Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa als der einflussreichste für Militärs.
"Diese Nominierung hat mich sehr gefreut", sagte Breuer BR24. "Aber ganz ehrlich: Zwei Seelen schlagen ach in meiner Brust." Er sei gerne Generalinspekteur, die Aufgabe bereite ihm "sehr viel Freude" und er glaube, dass es noch viel zu tun gebe. Zugleich sehe er die Chancen, die mit dem Nato-Posten einhergehen.
Derzeitiger Vorsitzender des Nato-Militärausschusses ist der Italiener Giuseppe Cavo Dragone. Seinen Nachfolger wählen die 32 Mitgliedstaaten diesen September. Um gewählt zu werden, muss ein Kandidat mindestens 17 Stimmen erhalten.
Redaktioneller Hinweis: Das Interview wurde am Samstag, 14.02.26, am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz geführt.
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