Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach in der Münchner Runde vom 1.7.2026
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Gerlach über Pflegekassen: "Wird künftig nicht funktionieren"

Gerlach über Pflegekassen: "Wird künftig nicht funktionieren"

Die Ausgaben für Pflege steigen, doch Deutschlands Pflegekassen sind leer. Seit Monaten wird über eine Pflegereform gestritten. In der Münchner Runde hat Bayerns Gesundheitsministerin Gerlach (CSU) der bisherigen Finanzierung eine Absage erteilt.

Über dieses Thema berichtet: Münchner Runde am .

"Ich bete dafür, nicht zum Pflegefall zu werden", sagte Andrea Würtz, ehemalige Pflegedienstleiterin in der Münchner Runde im BR Fernsehen. Angesichts der Debatte um die geplanten Sparmaßnahmen in der Pflege durch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) macht sie sich große Sorgen.

Als Pandemiebeauftragte des Gesundheitsamts Miesbach erlebte Andrea Würtz die eklatanten Missstände in der Seniorenresidenz Schliersee aus erster Hand (der BR berichtete). Diese Angst würden viele teilen. Das Problem sei, dass diese Not weder in Berlin noch bei Wirtschaftsweisen ankäme. Sie befürchtet, die Reformen könnten zu Mehrbelastung bei den Menschen führen.

Pflegebedürftigkeit trifft sehr viele

Dabei sind die Chancen, im Alter das Pflegesystem in Anspruch nehmen zu müssen, sehr hoch: Die Wahrscheinlichkeit, im Alter pflegebedürftig zu werden, liegt in der Altersgruppe von 90 Jahren bei 70 Prozent der Männer und bei Frauen sogar bei 86 Prozent.

Mit Blick auf den demografischen Wandel halten viele Menschen in Deutschland eine stabile Finanzierung der Pflege für notwendig. Nur auf die Kassen möchten sich viele nicht verlassen. Denn diese rechnen mit Defiziten in Milliardenhöhe.

Wirtschaftsweise Grimm für Generationengerechtigkeit

Veronika Grimm, Mitglied im Sachverständigenrat Wirtschaft, schlug deshalb vor, man solle versuchen, kapitalgedeckt zu sparen. Diejenigen, die jetzt in dem Alter seien, in dem man noch etwas ansparen könne, sollten dies für den Fall tun, dass sie später pflegebedürftig würden.

Dies würde die Generationengerechtigkeit stärken, so Grimm. Es könne nicht sein, dass die junge Generation unter der Beitragslast leide, die man politisch vorher nicht adressiert habe.

Gerlach: "Umlagefinanziertes System wird nicht mehr funktionieren"

Unterstützung erhielt sie von Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU), die sich ebenfalls für eine kapitalgedeckte Vorsorge aussprach. Es gelte allen, aber vor allem der jüngeren Generation klarzumachen, "dass das umlagefinanzierte System so nicht mehr funktionieren wird", so Gerlach.

Darum sei es wichtig, klare Konstruktionen zu schaffen, "dass auch kapitalgedeckt Vorsorge betrieben werden kann für später". Bislang werden die Einnahmen aus den Versicherungsbeiträgen der Erwerbstätigen noch direkt für die Ausgaben der Pflegebedürftigen verwendet.

Ates Gürpinar kritisiert "weltfremden" Vorschlag

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Linken, Ates Gürpinar, bezeichnete den Vorschlag als "weltfremd". Zu Gerlach sagte er, er wisse nicht, mit welchen Menschen die Gesundheitsministerin in Kontakt sei, aber: "Die Menschen, die jetzt anfangen, zu arbeiten, bauen sich kein Kapital auf. Das ist schlicht und einfach nicht der Fall."

Es sei eine Mär, dass das umlagefinanzierte System nicht mehr funktionieren würde, so Gürpinar. Man müsse dafür nur die Gutverdiener stärker zur Kasse bitten.

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