Bulgarien führt den Euro ein
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Menschen feiern in Sofia den Jahreswechsel - und den Umstieg auf den Euro
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Menschen feiern in Sofia den Jahreswechsel - und den Umstieg auf den Euro

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Musterland in Sachen Schulden: Bulgarien führt den Euro ein

Musterland in Sachen Schulden: Bulgarien führt den Euro ein

Mit dem Jahreswechsel ist die Eurozone größer geworden: Bulgarien hat sich vom Lew verabschiedet und den Euro als Zahlungsmittel eingeführt. Was sich die bulgarische Regierung davon verspricht – und warum es auch Bedenken gibt.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Für rund 6,4 Millionen Bulgaren hat der Lew als Landeswährung ausgedient. Mit Anbruch des neuen Jahres gilt auch in Bulgarien der Euro. Der Balkanstaat ist damit das 21. Land, in dem die Gemeinschaftswährung das offizielle Zahlungsmittel ist.

Bulgarische Regierung hofft auf Impulse für Tourismus und Handel

Das bulgarische Finanzministerium zeigt sich optimistisch: Die Euro-Einführung werde dem Tourismus helfen. Denn Urlauber müssen kein Geld mehr umtauschen und können sich damit zusätzliche Gebühren sparen. Außerdem können sie ab sofort Preise besser vergleichen.

Und auch für den Handel sieht die Regierung in Sofia Vorteile – sowohl mit anderen europäischen Staaten als auch international. Der feste Umrechnungskurs liegt bei 1,95583 Lew pro Euro. Das ist exakt derselbe Kurs, zu dem einst die D-Mark in den Euro überging. 

Viele Bulgaren befürchten höhere Preise

Die einen feiern, dass Bulgarien jetzt zum Euroraum gehört. Die anderen aber sind skeptisch. Denn Bulgarien gehört zu den ärmsten Ländern der EU. Und die Sorge ist groß, dass der Euro höhere Preise mit sich bringen könnte und sich als "Teuro" entpuppt.

Dazu kommt die Befürchtung, dass Bulgarien einen weiteren Preis zahlt, um dazuzugehören: nämlich, dass das Land mit dem Lew auch einen Teil seiner Unabhängigkeit aufgeben muss.

So hat Staatspräsident Rumen Radew in seiner Neujahrsansprache bemängelt, dass es kein Referendum gegeben hat vor der Euro-Einführung. Die Regierenden hätten die Bürger nicht hören wollen, kritisierte Radew. Er selbst hatte im Vorfeld einen entsprechenden Antrag gestellt, der von der prowestlichen Parlamentsmehrheit abgelehnt worden war.

EZB verspricht Bulgarien Wohlstand und Sicherheit

Die Europäische Zentralbank wiederum weist auf die vielen Vorteile hin, die die Euro-Zugehörigkeit für Bulgarien bringe. "Ich heiße Bulgarien herzlich in der Euro-Familie willkommen", erklärte die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde. Den Euro nannte sie ein "starkes Symbol" für "gemeinsame Werte und kollektive Stärke".

Ähnlich hatte sich kurz vor dem Jahreswechsel auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geäußert. Der Beitritt zur Eurozone stelle für Bulgarien einen "wichtigen Meilenstein" dar. Und weiter: "Er wird das Reisen und Leben im Ausland erleichtern, die Transparenz und Wettbewerbsfähigkeit der Märkte steigern und den Handel fördern."

Bulgarien gilt als Musterland in Sachen Verschuldung

Aus Sicht der EU hat Bulgarien alle Bedingungen erfüllt, um in die Eurozone aufgenommen zu werden. Die Inflationsrate lag Ende 2024 unter drei Prozent – eine sehr gute Basis für die Aufnahme. Danach schnellte die Inflation allerdings wieder nach oben. Und auch bei der Korruptionsbekämpfung hat Bulgarien nicht wirklich Fortschritte gemacht.

Dafür gilt das Land in einer Hinsicht als Musterknabe: Die Schulden belaufen sich auf weniger als 24 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Davon könnten andere Staaten, auch Deutschland, nur träumen.

Mit Material von dpa und AFP

Im Video: Bulgarien - Einführung des Euros

Euroscheine auf einer Ladentheke
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Bulgarien - Einführung des Euros

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