Eine Pistenraupe trägt ein Schild von einer Wanderkarte, dahinter der Schriftzug "Sölden"
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Beginn der Skisaison: Die Wanderkarte wird im Winter nicht benötigt.
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Beginn der Skisaison: Die Wanderkarte wird im Winter nicht benötigt.

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Pisten-Wettrüsten – Warum Sölden so früh eröffnet

Pisten-Wettrüsten – Warum Sölden so früh eröffnet

Mitte November will Sölden mehr Pistenkilometer bieten als jedes andere Skigebiet der Welt. Die Bergbahnen investieren Millionen in die Zukunft des Skigebiets während andere wegen mangelnder Schneesicherheit schließen müssen. Wie kann das sein?

Über dieses Thema berichtet: Abendschau · Die Reportage am .

Mitte November, Herbst in Sölden: Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, im Tal hat es 12 Grad Celsius. 1.000 Höhenmeter weiter oben: Inmitten einer braunen Berglandschaft liegt eine große weiße Fläche. Eine rote Pistenraupe fährt über den Schnee und transportiert eine riesige Tafel, darauf zu sehen: eine Wanderkarte. Die kann erstmal weg, denn ab morgen sollen hier am Giggijoch die Skipisten öffnen.

Marco Kuprian ist dafür zuständig, dass das klappt. Als stellvertretender Betriebsleiter der Pisten am Giggijoch muss er dafür sorgen, dass dort genug Schnee liegt. Naturschnee ist bisher kaum liegen geblieben, deshalb hat er in den letzten Wochen so viel künstlich beschneit wie möglich. Für alle Pisten reicht es aber noch nicht. Und noch mehr beschneien kann er gerade nicht, dafür ist es aktuell zu warm.

Aber immerhin die Hauptpisten am Giggijoch will er morgen öffnen. Das ist wichtig, denn die bilden die Verbindung zwischen dem Ort Sölden und dem Gletscherskigebiet. Am Gletscher kann man schon seit Anfang Oktober Skifahren, aktuell muss man aber vom Tal noch mit dem Auto über die Gletscherstraße nach oben fahren.

Im Video: Skifahren im Herbst - Söldens Wettlauf gegen das Klima

Ein Marketing-Kniff: Pistenweltmeister im November

38 Pistenkilometer hat das Skigebiet Sölden am Gletscher schon geöffnet. Damit ist Sölden die Nummer eins: die meisten geöffneten Pistenkilometer – weltweit. Zumindest Mitte November, denn schon zwei Wochen später öffnen größere Skigebiete und Sölden wäre nicht mehr an der Spitze. Aber das ist dann nicht mehr so wichtig, denn das Ganze ist ein Marketing-Kniff, mit dem das Skigebiet die ersten Gäste der Saison anziehen will.

Unten am Giggijoch sollen morgen nochmal über 23 Pistenkilometer dazukommen. Dieser erweiterte Opening-Termin wird schon Monate vorher veröffentlicht. Ob zu dem Zeitpunkt Schnee liegt oder nicht, ist da noch nicht absehbar. Aber die Gäste sollen sich auf den Termin verlassen können, Stichwort Planungssicherheit. Das ist für Philipp Falkner, Teil der Geschäftsführung der Bergbahnen Sölden, wichtig: "Jede Woche, die wir später aufsperren, ist eine verlorene Woche", sagt er. Das Geld, das sie in dieser Woche verdienen würden, fehle später für Investitionen.

70 Millionen Euro Investitionen

Und Sölden investiert kräftig: 70 Millionen Euro im Jahr 2025, ein Teil davon: ein neuer Sessellift am Giggijoch für 20 Millionen Euro. Er soll mehr Gäste in kürzerer Zeit transportieren – mit Hilfe von künstlicher Intelligenz. Kameras überwachen den Ein- und Ausstiegsbereich des Lifts. Erkennen sie einen Fahrgast, der Schwierigkeiten hat – also zum Beispiel stolpert oder einen Skistock verliert –, soll das System automatisch stoppen. Das soll den Lift effizienter machen und die Gäste weniger Zeit beim Anstehen und Liftfahren kosten.

Im nächsten Jahr sollen zwei weitere Sessellifte und eine Gondel neu gebaut werden. Während Sölden hohe zweistellige Millionenbeträge investiert, müssen andere Skigebiete, zum Beispiel in Bayern, sich aufgrund von mangelnder Schneesicherheit umstellen. Wie kann das sein?

Bildrechte: Selina Oberpriller
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Abseits des Gletschers können Gäste Mitte November zwar schon fahren, das funktioniert aber nur mit künstlicher Beschneiung.

Skigebiete führen ein Wettrennen gegen die Erderwärmung. Sölden hat in diesem Wettrennen einen Vorteil gegenüber anderen Skigebieten: Es ist sehr hoch gelegen. In dieser Höhenlage sind die Bedingungen für Naturschnee oder künstliche Beschneiung noch länger gegeben als in niedrigeren Lagen. Wie lange, das zeigen neue Berechnungen von BR Data: Schnee war gestern.

Im Wettrennen gegen die Erderwärmung hat Sölden (noch) einen Vorteil

Für Philipp Falkner von der Geschäftsführung der Bergbahnen Sölden ist das ein Wettbewerbsvorteil. Wegen der höheren Schneegarantie auch außerhalb der Hauptsaison erwartet er eine Verlagerung der Gäste von niedrig gelegeneren Skigebieten nach Sölden. Und der 32-Jährige sagt, er arbeite stark darauf hin, noch in seinem Rentenalter in Sölden Skifahren zu können.

Marco Kuprian hat es am nächsten Tag geschafft: Obwohl der Schnee knapp ist, kann er zumindest die Hauptpisten am Giggijoch öffnen und Sölden kann weiter mit den weltweit meisten Pistenkilometern werben: 61 Kilometer schon Mitte November.

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