Bei den Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg gibt es offenbar einen Rückschlag. Der russische Präsident Wladimir Putin will seine Position über ein Kriegsende noch einmal überarbeiten. Grund ist ein angeblicher ukrainischer Drohnenangriff auf seine Präsidentenresidenz. Beweise dafür hat der Kreml bislang nicht vorgelegt und er hat offenbar auch nicht vor, dies zu tun.
Angeblich 91 Drohnen auf dem Weg zur Residenz zerstört
Laut russischen Medien handelt es sich um Putins Waldai-Residenz, die im Gebiet Nowgorod zwischen Moskau und St. Petersburg liegt. Dort soll Putin oft seine Wochenenden mit der Familie verbringen. Ob der Kreml-Chef zum Zeitpunkt des angeblichen Angriffs in der Residenz war, ist unklar.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte zuerst am Montag den versuchten "Terroranschlag" öffentlich gemacht. Er sprach von 91 ukrainischen Drohnen mit größerer Reichweite, die Russlands Flugabwehr abgeschossen habe. Über Schäden oder Verletzte war nach Darstellung Lawrows nichts bekannt. Lawrow kündigte aber auch Vergeltungsschläge Moskaus in Kiew an. Details nannte er nicht.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wies die Anschuldigungen Russlands zurück. Sie seien ein Vorwand, den Krieg fortzusetzen und erneut auch Regierungsgebäude in Kiew angreifen zu wollen.
Moskau liefert keine Beweise für angeblichen Drohnenangriff
Auch mehr als einen Tag nach dem angeblichen Drohnenangriff hat Moskau nach Angaben aus Kiew keine Beweise für einen solchen Beschuss vorgelegt. "Russland hat noch keine plausiblen Belege zur Untermauerung seiner Vorwürfe geliefert, wonach die Ukraine die Residenz Putins angegriffen habe", erklärte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha. Er bekräftigte, "dass kein Angriff dieser Art stattgefunden hat".
Der Kreml teilte seinerseits am Dienstag mit, dass er keine Beweise für den angeblichen Angriff auf die Putin-Residenz zu präsentieren beabsichtige. Es brauche keinen Beleg für "solch einen massiven Drohnenangriff", der dank der guten Koordination im russischen Luftabwehrsystem abgewehrt worden sei, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.
Trump: "Das ist nicht gut"
US-Präsident Donald Trump bestätigte, dass Putin ihn über den angeblichen Drohnenangriff informiert habe. "Das ist nicht gut", so Trump. Angesichts der derzeit laufenden Gespräche über eine Beendigung des Kriegs in der Ukraine sei es "nicht der richtige Zeitpunkt" für einen solchen Angriff, sagte Trump am Montag zu Journalisten auf seinem Privatanwesen Mar-a-Lago in Florida. Es sei eine Sache, offensiv zu sein, weil sie (Russland) offensiv gewesen seien. "Aber es ist eine andere Sache, sein Haus anzugreifen."
Kritik für seine Aussagen erhielt Trump aus seinem eigenen Lager. Der republikanische Kongressabgeordnete Don Bacon, ein ehemaliger Luftwaffengeneral und Mitglied im Verteidigungsausschuss, schrieb auf der Plattform X: "Präsident Trump und sein Team sollten sich zunächst über die Fakten informieren, bevor sie Schuldzuweisungen vornehmen. Putin ist bekannt dafür, dass er unverhohlen lügt."
Russland will Verhandlungsposition überarbeiten
Moskaus Anschuldigungen erfolgen inmitten intensiver diplomatischer Bemühungen um eine Beendigung des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Nach Angaben des russischen Präsidentenberaters Juri Uschakow kündigte Putin in seinem Telefonat mit Trump an, dass Russland seine Positionen zu "einer Reihe von Vereinbarungen, die in der vorherigen Phase getroffen wurden", und zu weiteren diskutierten Lösungen nach dem ukrainischen "Terrorangriff" auf Putins Residenz "überprüfen" werde.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, dass Moskau seine Gangart in den Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs verschärfen werde: "Die Konsequenzen werden sich in einer Verhärtung der Verhandlungsposition der Russischen Föderation niederschlagen", sagte der Putin-Sprecher.
Mit Informationen von dpa und AFP.
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