Im Iran gehen die Massenproteste gegen das Regime weiter. Am gestrigen Samstag gingen wieder zahlreiche Menschen in verschiedenen Städten auf die Straße, auch heute soll es wieder Proteste geben – trotz des verschärften Vorgehens der Behörden.
Offenbar über 500 Tote bei neuen Protesten im Iran
Nach Angaben von Aktivisten wurden in den vergangenen zwei Wochen mindestens 538 Menschen getötet, 490 davon Demonstranten und 48 Sicherheitskräfte. Mehr als 10.600 weitere seien festgenommen worden. Das teilte die in den USA ansässige Human Rights Activists News Agency (HRANA) am Sonntag mit. Die tatsächliche Opferzahl sei möglicherweise aber noch deutlich höher.
Die iranische Regierung hat bisher keine offiziellen Gesamtopferzahlen genannt. Unabhängig ließen sich die Zahlen von HRANA nicht überprüfen, weil im Iran das Internet abgeschaltet und Telefonverbindungen unterbrochen wurden. Bei früheren Protesten hat HRANA aber verlässliche und letztlich akkurate Zahlen geliefert. Die Organisation stützt sich auf ein Netzwerk von Aktivisten innerhalb des Irans.
Zuvor hatte die Organisation Iran Human Rights (IHR) von mindestens 192 getöteten Menschen gesprochen.
Iran: Proteste sollen US-Militäraktion provozieren
Irans Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf wirft der Protestbewegung im Land vor, die Grundlage für eine Militärintervention der USA schaffen zu wollen. In einer TV-Ansprache drohte er, die "Feinde" müssten wissen, dass sie vernichtet würden. Die Massenproteste bezeichnete er als terroristischen Krieg – inszeniert von den USA. Er drohte: Sollten die Vereinigten Staaten im Iran eingreifen, werde man US-Militärstützpunkte attackieren.
US-Präsident Donald Trump hatte kurz zuvor den Teilnehmern der andauernden Massenproteste gegen die Staatsführung im Iran Unterstützung zugesichert. "Der Iran strebt nach FREIHEIT, vielleicht wie nie zuvor. Die USA sind bereit zu helfen!!!", schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Wie die Hilfe aussehen soll, ist unklar. Die "New York Times" meldete unter Berufung auf US-Beamte, Trump sei in den vergangenen Tagen über neue Optionen für Militärschläge im Iran informiert worden. Er erwäge ernsthaft, seine Drohung wahrzumachen, das Land wegen der Unterdrückung der Proteste anzugreifen.
Zugang zum Internet weiter blockiert
Die Proteste im Iran hatten Ende Dezember begonnen, ausgelöst durch eine massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der Währung Rial. In Teheran gingen zunächst wütende Händler auf die Straße. Danach weiteten sich die Proteste auf das gesamte Land aus und richteten sich gegen die iranische Führung.
Das genaue Ausmaß bleibt jedoch auch wegen einer weitgehenden Internetsperre unklar. Die iranische Führung will so offenbar die Kommunikation zwischen den Demonstranten erschweren. Außerdem soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Massenproteste unterdrückt werden. Die Maßnahme schürt die Sorge, dass die Führung in Teheran wie schon bei vergangenen Protesten das Blackout nutzen könnte, um die Demonstrationen brutal niederzuschlagen.
Mit Informationen von dpa, AFP und Reuters
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