Trotz kühler Temperaturen nach Sonnenuntergang ist die Regensburger Innenstadt belebt. Menschen aller Altersgruppen ziehen durch die Straßen und Gassen, die einen haben ein Bier in der Hand, die anderen ein Eis. Was die meisten eint: Immer wieder bleiben sie fasziniert stehen, zücken das Handy, machen Fotos und Videos.
- Zum Artikel: Ein Festival des Lichts – RE.LIGHT zum ersten Mal in Regensburg
Der Grund für das rege Treiben: Die zweite Ausgabe des Re.Light-Festivals: Lichtkunst in Regensburg. Internationale sowie nationale und regionale Künstler bringen noch bis zum 22. März die Altstadt zum Leuchten, mit verschiedenen Installationen und Lichtshows, auf Straßen und in Hinterhöfen, in Kirchen und auf kleinen Plätzen.
Thema Frauenrechte vor dem Alten Rathaus
Mitten in der Regensburger Altstadt, direkt vor dem Alten Rathaus mit dem historischen Reichssaal, hat Vanessa Hafenbrädl eine breite Fahne über die Straße hängen lassen. Der Stoff wirkt leicht, spielerisch bewegt der Wind die transparente Fahne hin und her. Hafenbrädl ist Lichtkünstlerin. Ihr Werk "No Flag" beschäftigt sich mit der Bewegung für Frauenrechte in Bayern vor gut hundert Jahren. Dafür hat sie lange recherchiert und unter anderem das Stück "Bayerische Suffragetten" der Münchner Kammerspiele einfließen lassen. Verschiedene Frauen der Bewegung treten als Projektion auf der Fahne auf.
Vanessa Hafenbrädl kommt aus der Nähe des Ammersees. Bereits bei der ersten Ausgabe des Lichtkunst-Festivals vor zwei Jahren war sie vertreten. Zur Vorbereitung auf die zweite Ausgabe verbrachte sie mehrere Tage in der Stadt, um Inspiration zu sammeln.
Licht lockt Leute
Insgesamt besteht das Lichtkunstfestival aus 15 Stationen: Installationen, Projektionen und weitere Spielarten der Lichtkunst faszinieren das Publikum, zumindest die meisten. Eine Besucherin bezeichnet das Event als "interessant", sie wisse aber noch nicht so recht, was sie davon halten soll. "Schon beeindruckend, aber man muss sich darauf einlassen", sagt sie. Andere Besucher zeigen sich begeistert. "Richtig cool, was man mit Licht alles machen kann, so unterschiedliche Sachen, Wahnsinn!", sagt eine Frau. Ein weiterer Besucher freut sich, dass nachts wieder ein bisschen was los ist in der Innenstadt. "Das gibt einem ein gewisses Gemeinschaftsgefühl."
Mehr Kunst als Kommerz
Ursprünglich war das Re.Light auch als zusätzlicher Besuchermagnet für die in den Wintermonaten doch eher spärlicher besuchte Regensburger Altstadt gedacht. Trotz dieses Marketing-Charakters soll die Kunst aber keinesfalls zu kurz kommen. Die slowenische Kuratorin Nika Perne hat dafür international bekannte Lichtkünstler nach Regensburg eingeladen. Etwa aus Italien, Japan oder Großbritannien. "Was die Entwicklung des Festivals angeht, ist es so, dass wir es zunehmend im Bereich der Lichtkunst positionieren. Festivals werden ja oft auch eher als eine Art Stadtmarketing oder Tourismusprodukt wahrgenommen. Wir versuchen aber, es wirklich als Kunstveranstaltung zu etablieren."
Lichtkunst soll Bezug zum Ort haben
Die Künstler sollen dabei aber nicht einfach nur eingeflogen werden, ihre Installationen aufbauen und wieder abreisen. Wichtig sei Perne auch, dass sich der Ort, an dem das Festival stattfindet, in der Kunst wiederfindet – und auch dessen Geschichte. "Ich möchte in das Programm wirklich gern diese lokalen Initiativen und das lokale Erbe einbringen. Wir versuchen immer, in Bezug auf den Ort zu arbeiten – in Bezug auf die Stadt und ihr Erbe." So projiziert die Künstlerin Liudmila Siewerski beispielsweise am zentralen Neupfarrplatz Videos auf die Fassade einer Kirche. Ein sogenanntes Mapping, in dem sich die lange Geschichte Regensburgs widerspiegeln soll.
Wenige Gassen weiter rückt dagegen Katja Heitmann auch Regensburgerinnen und Regensburger selbst ins Zentrum ihrer Kunst. Heitmann geht es in ihrem Werk "Perpetuum" um Bewegungen von Menschen. Wie in anderen Städten hat sie auch hier ausführliche Interviews mit Menschen geführt und für sie typische Bewegungen abgefilmt. Diese werden unter anderem als Schattenrisse auf Leinwände und Fassaden projiziert. Diese Schatten sollen sich dann auch mit den Schatten der Besucherinnen und Besucher mischen, die das Werk somit am besten unmittelbar aus nächster Nähe erleben sollen.
Festival soll Tausende Besucher anziehen
Die erste Re.Light-Ausgabe vor zwei Jahren hat pro Abend etwa 15.000 Besucher in die City gezogen. Der Kulturreferent der Stadt, Wolfgang Dersch, rechnet wieder mit einem ähnlichen Erfolg. "Diese angenehme, ruhige und neugierige Stimmung, auf die freue ich mich einfach wieder. In der jetzigen Zeit ist speziell ein Licht-Festival genau das Richtige."
2. Re.light-Lichtkunstfestival in Regensburg
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