Diesmal bleiben die Stühle neben Miss Sophie nicht leer, die vier Gentlemen und Junggesellen sitzen also leibhaftig neben ihr im Garten des prächtigen Schlosses: Sir Toby, Admiral von Schneider, Mister Pommeroy und Mister Winterbottom. Die Gastgeberin ergreift das Wort – und eröffnet den Wettstreit: "Zuerst möchte ich ihnen danken, dass sie alle meiner Einladung gefolgt sind, zu einem Wettbewerb um mein Herz."
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Miss Sophie und James: Mehr als eine reine Arbeitsbeziehung?
Der Silvesterklassiker als Liebeskomödie, als ziemlich alberne, läuft in sechs Folgen auf Amazon Prime. Die junge, blonde, hübsche Miss Sophie gibt die Bachelorette. Die bankrotte Aristokraten-Bachelorette, die einen reichen Mann heiraten muss, um dem Gerichtsvollzieher zu entkommen. Und dann ist da natürlich noch der Butler: James. Auch er, jung und schnittig, der Tigerkopf für ihn noch kein Hindernis.
Er ist die eigentliche große Liebe der Adeligen. Es ist eine herrlich dämliche Vorgeschichte zum weltberühmten Sketch. Aus dem 18-minütigen Original wird eine mehrstündige Farce, die das Unterhaltungsfernsehen von heute auf die Schippe nimmt.
Parodie auf Kitsch-Serien und Datingshows
"Miss Sophie" parodiert einerseits Hochglanz-Schnulzen wie "Emily in Paris", "Bridgerton" oder "Maxton Hall" und sieht dabei auch selbst ziemlich gut aus. Andererseits nimmt die Serie Trash-TV-Datingshows wie "Bachelorette" oder "Love Island" hoch. Das wird immer dann besonders deutlich, wenn eine Stimme aus dem Off in Heidi-Klum-Tonfall die nächste Challenge für die hochzeitswillige Gesellschaft ankündigt.
Alicia von Rittberg als (Ur-Bachelorette) Miss Sophie lächelt verführerisch und gibt genau die Banalitäten von sich, die man in solchen Formaten in einer Tour hört. Die Bewerber, darunter Moritz Bleibtreu als französischer Champagner-Millionär Mister Pommeroy, präsentieren sich in ihrem vermeintlich besten, tatsächlich in schlechtestem Licht und wetteifern um die Gunst der – das weiß natürlich keiner – verarmten Adeligen.
Ein bisschen zu viel "same procedure"
Als plötzlich einer der Herren ermordet in seinem Bett liegt, bekommt die Serie nochmal eine andere Richtung – und neben den satirischen Elementen auch eine Kriminote. Trotzdem dreht sich vieles im Kreis in dem mehr als 4-stündigen Challenge-Marathon: Sieger werden gekürt und wieder abgewählt, Geheimnisse enthüllt und verworfen, die Gäste verlassen das Schloss und kehren wieder zurück, täglich grüßt der Insolvenzverwalter.
Es ist am Ende vielleicht ein bisschen zu viel "same procedure", zu viel vom immer Gleichen, das die Serie durchspielt, und ja, es wird zwischendurch auch etwas überdreht. Im Großen und Ganzen ist das dann aber doch genau das, was wir an "Dinner for One" lieben.
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