Mit Serien wie "The Sopranos" und "The Wire" hat HBO in den Nuller-Jahren das jüngste "Goldene Serienzeitalter" eingeläutet: Plötzlich war es möglich, in TV-Serien komplexe Themen zu behandeln und Charaktere mit psychologischer Tiefe zu zeigen. HBO hat damit auch den Weg geebnet für Serien wie "Breaking Bad" oder "Mad Men". Und das "Home Box Office" hat auch weiterhin Serien auf Top-Niveau produziert, zuletzt etwa "Succession", "The White Lotus", "The Penguin" oder "The Pitt". Bisher waren all diese Serien hierzulande bei anderen Anbietern zu sehen, etwa im HBO-Channel von Sky.
Große Namen und neue Produktionen
Am 13. Januar startet HBO nun als eigener Streaming-Anbieter HBO Max in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Damit wandern nicht nur HBO-Eigenproduktion unter das Dach des neuen Dienstes, sondern auch andere große Franchises wie etwa "Game of Thrones", "Harry Potter" oder Superhelden-Stories aus dem DC-Universum. Zum Start schickt HBO zum Beispiel das "Game of Thrones"-Prequel "A Knight of the Seven Kingdoms" ins Rennen.
Und auch deutsche HBO-Produktionen soll es in Zukunft mehr geben. Los geht's mit "4 Blocks Zero", einem Prequel zur Berliner Gangster-Serie "4 Blocks" mit Kida Khodr Ramadan sowie mit "Banksters" rund um einen Bank-Azubi, der zum Bankräuber wird.
Auch Filme sind teil des HBO-Max-Portfolios, darunter der neue "Superman", "The Batman" und die bis dato zwei Teile der "Dune"-Trilogie sowie alle bisherigen "Harry Potter"-Adaptionen. Auch die am 6. Februar startenden Olympischen Winterspiele in Italien wird man auf HBO Max verfolgen können.
Übernahme durch Netflix?
Es drängt also ein Streaming-Schwergewicht auf den deutschsprachigen Markt, die Konkurrenz von Netflix und Amazon Prime bis Sky und RTL+ könnte einige Abos verlieren. Wobei RTL+ zusammen mit HBO Max auch ein Bundle Abo anbieten wird, das die Inhalte beider Dienste vereint.
Doch wird in den USA nach wie vor um die Übernahm von Warner Bros. gerungen, zu dem auch HBO gehört. Setzt sich hier Netflix durch und bekommt den Zuschlag, wonach es derzeit aussieht, würde ein Streaming-Riese entstehen. Das wiederum könnte weitreichende Auswirkungen auf die Serienlandschaft und das Kino gleichermaßen haben.
Masse statt Klasse?
Die Szenarien reichen von einem Qualitätsabfall der Serien auch bei HBO – denn Netflix selbst setzt schon geraume Zeit eher auf Masse statt Klasse und könnte dieses Prinzip auch bei HBO durchsetzen. Bis zum Tod des Kinos, weil Kino-Vorführungen nun mal nicht im Interesse eines Streaming-Anbieters wie Netflix sind und Netflix die Produktionskapazitäten des Hollywood-Giganten Warner Bros. für seine Streaming-Inhalte nutzen könnte.
Das ist alles noch etwas viel Glaskugel, aber Filmschaffende in Hollywood warnen eindringlich: Jane Fonda nannte eine mögliche Übernahme durch Netflix "katastrophal" und "destruktiv". James Cameron verurteilte es als "entsetzlich” und als "Desaster". Leonardo DiCaprio sprach vom Ende von Hollywood, wie wir es kennen.
Mehr gute Serien und Filme?
Doch ganz gleich, was in den USA passiert: Zumindest in der nahen Zukunft dürfte der Einstieg von HBO Max im deutschsprachigen Raum die hiesige Streaming-Landschaft eher beleben. Auch die deutsche Serienproduktion könnte neue Impulse bekommen. Beides führt im Idealfall zu mehr guten Serien und Filmen für die Couch.
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