Mads Mikkelsen (l.) und Nikolaj Lie Kaas im neuen Film von Anders Thomas Jensen.
Mads Mikkelsen (l.) und Nikolaj Lie Kaas im neuen Film von Anders Thomas Jensen.
Bild
Mads Mikkelsen (l.) und Nikolaj Lie Kaas im neuen Film von Anders Thomas Jensen.
Bildrechte: Neue Visionen Filmverleih / Splendid Film
Schlagwörter
Bildrechte: Neue Visionen Filmverleih / Splendid Film
Audiobeitrag

Mads Mikkelsen (l.) und Nikolaj Lie Kaas im neuen Film von Anders Thomas Jensen.

Audiobeitrag
> Kultur >

Wunderbar warm: Mads Mikkelsen glänzt in "Therapie für Wikinger"

Wunderbar warm: Mads Mikkelsen glänzt in "Therapie für Wikinger"

Mads Mikkelsen und der Regisseur Anders Thomas Jensen arbeiten oft zusammen. Ihr Film "Dänische Delikatessen" hat Kultstatus. Und "Therapie für Wikinger", die neueste Koproduktion der beiden, steht dem in nichts nach. Ein Highlight des Kinojahres.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Morgen am .

Wenn auf der Kinoleinwand explizite Gewalt, abgründiger Humor, eine von Männern dominierte Handlung und ein ebenso kluges wie dialoglastiges Drehbuch zusammenkommen, muss nicht zwingend Quentin Tarantino seine Finger im Spiel haben. Auch die Regiearbeiten des dänischen Filmemachers Anders Thomas Jensen vereinen diese Charakteristika. Sein neuer Spielfilm liefert einen cineastischen Schlussakkord für das ausgehende Kinojahr - mit Knalleffekt und unerwartet viel Herz.

Absurde Komödie oder blutige Gangsterballade?

"Therapie für Wikinger" ist ein wilder Mix aus absurder Komödie und blutiger Gangsterballade. Wie in jedem Film von Jensen sind Mads Mikkelsen und Nikolaj Lie Kaas mit von der Partie, diesmal spielen sie ein ungleiches Brüderpaar. Anker (Kaas), der impulsivere der beiden, hat eine Bank ausgeraubt und wandert ins Gefängnis. Manfred (Mikkelsen), der seit seiner Kindheit an einer Identitätsstörung leidet, sollte die millionenschwere Beute verstecken. Die erzwungene Trennung hat seine psychischen Probleme jedoch verstärkt.

Als Anker nach 15 Jahren entlassen wird, hält sich Manfred für John Lennon – und hat vergessen, wo das Geld versteckt ist. Wird er mit seinem Geburtsnamen angesprochen, schmeißt er sich aus dem fahrenden Auto oder springt aus dem Krankenhausfenster. Der ärztliche Rat ist eindeutig: Wohlfühlatmosphäre schaffen, Band-Reunion anstoßen, Erinnerungen aktivieren.

Schräger geht immer!

Wer denkt, schräger wird’s nicht, der irrt. Klar, geht da noch eine Schippe! Oder zwei, ach, machen wir drei draus! Denn "Therapie für Wikinger" ist mehr als eine Familiengeschichte mit tragikomischen Elementen. Anders Thomas Jensen hat eine moderne Fabel über Identität geschaffen. Die Beatles-Coverband, die an dem abgelegenen Ort zusammenkommt, an dem Anker die Beute vermutet, besteht samt und sonders aus multiplen Persönlichkeiten. Was zu aberwitzigen Situationen führt.

Dabei macht sich der Film nicht lustig über Menschen mit psychischen Problemen, sondern ist ein Appell für mehr Aufgeschlossenheit und weniger Wertung: Jeder Mensch, ob scheinbar normal oder psychisch labil, hat mehr als eine Facette. Es geht darum, wer man ist, wer man sein will und wie uns andere sehen. Denn frei nach Schopenhauer (auch eine der vielen Persönlichkeiten des multiplen Bandmitglieds) entsteht alles Streben aus Unzufriedenheit mit dem, was ist.

Warmherziger Exkurs in den Existenzialismus

Dieses Leiden lindern können Kunst, Musik oder Tiere – drei therapeutische Mittel, die auch im Film eine tragende Rolle spielen. Wie sehr sie das exzentrische Treiben von Anbeginn der Handlung geprägt haben, erschließt sich erst gegen Ende dieses komplexen und wundersam warmherzigen filmischen Exkurses in den Existenzialismus.

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!