TikTok wird nicht verboten – aber wem gehört die App jetzt?
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TikTok wird nicht verboten – aber wem gehört die App jetzt?
Bildrechte: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Hasan Mrad
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Die USA zwingen TikTok zu einem milliardenschweren Umbau – Mutterkonzern ByteDance soll für das US-Geschäft die Kontrolle abgeben. Doch der Deal ist kompliziert, und Kritik kommt von allen Seiten. Auch in Europa könnte er noch wichtig werden.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

TikTok bleibt vorerst in den USA weiter verfügbar – aber unter neuen Bedingungen. Am 18. Dezember 2025 wurden die Verträge für einen milliardenschweren Deal unterschrieben, der die Videoplattform aus der Kontrolle des chinesischen Mutterkonzerns ByteDance lösen soll. Doch wie genau funktioniert das – und was bedeutet es für Nutzer in Deutschland?

Die Entscheidung ist der vorläufige Schlusspunkt für eine bemerkenswerte Entwicklung. Noch in seiner ersten Amtszeit wollte US-Präsident Donald Trump TikTok in den USA verbieten lassen. Die App sei ein Sicherheitsrisiko, der chinesische Mutterkonzern ByteDance könne Nutzerdaten an Peking weitergeben oder den Algorithmus für Propaganda nutzen – so die Argumentation. 2024 verabschiedete der US-Kongress dann unter Joe Biden ein Gesetz, das TikTok vor die Wahl stellte: Entweder ByteDance verkauft die US-Sparte, oder die App fliegt aus den App-Stores. Im Januar 2025 bestätigte der Oberste Gerichtshof die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes.

Doch kaum war Trump zurück im Amt, änderte sich der Ton. Statt das Verbot durchzusetzen, schob er die Frist mit mehreren Executive Orders immer wieder auf – zuletzt bis zum 16. Dezember 2025. Nun präsentiert er sich als Retter der App: Im September 2025 rahmte das Weiße Haus den Deal offiziell als "Saving TikTok".

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Kein Verkauf, sondern ein Joint Venture

Was nun passiert ist? Das US-amerikanische TikTok-Geschäft soll tatsächlich veräußert werden. Allerdings wird US-TikTok nicht einfach von einem neuen Unternehmen übernommen. Stattdessen entsteht ein kompliziertes Konstrukt: ein Joint Venture namens "TikTok USDS Joint Venture LLC". Die Anteile verteilen sich auf mehrere Schultern: 50 Prozent gehen an ein Konsortium neuer Investoren, darunter der Softwarekonzern Oracle, die Investmentfirma Silver Lake und der Staatsfonds MGX aus Abu Dhabi – jeweils mit 15 Prozent. Weitere 30,1 Prozent halten bisherige ByteDance-Investoren. Und ByteDance selbst? Behält 19,9 Prozent.

Diese Zahl ist kein Zufall: Sie liegt knapp unter der 20-Prozent-Schwelle, ab der nach US-Recht von "ausländischer Kontrolle" gesprochen werden könnte. Ob das reicht, um die Kritiker zu beruhigen, ist eine andere Frage. Der Deal soll bis zum 22. Januar 2026 abgeschlossen werden.

Die Sache mit dem Algorithmus

Das Herzstück von TikTok ist sein Empfehlungsalgorithmus – jene Software, die entscheidet, welche Videos Nutzer auf ihrer "Für dich"-Seite sehen. Genau hier wird es kompliziert. Denn ob dieser Algorithmus wirklich an das US-Joint-Venture übergeht oder nur lizenziert wird, ist bislang nicht eindeutig geklärt.

Der Plan sieht vor, dass der Algorithmus für die USA auf Basis amerikanischer Nutzerdaten neu trainiert wird. Oracle soll als "trusted security partner" die Daten in einer US-Cloud hosten und die Einhaltung der Regeln überwachen. Doch Experten weisen darauf hin: China könnte über Exportkontrollen ein Mitspracherecht bei der Weitergabe des Algorithmus haben. Peking hat sich bislang nicht eindeutig zu dem Deal geäußert.

Was bedeutet das für Deutschland?

Für deutsche TikTok-Nutzer ändert sich zunächst wenig. Der Deal betrifft ausdrücklich nur den US-Markt: amerikanische Nutzerdaten, amerikanische Content-Moderation, amerikanische Compliance. Der Betrieb in Europa läuft parallel weiter – wie bisher unter vollständiger Kontrolle des chinesischen Konzerns ByteDance.

Allerdings könnte es langfristig zu einer Spaltung kommen. Wenn TikTok in den USA einen eigenen Algorithmus bekommt, eigene Moderationsregeln und eigene Werbesysteme, könnten sich die Plattformen auseinanderentwickeln. Deutsche Creator mit amerikanischem Publikum würden das womöglich zu spüren bekommen.

EU geht eigenen Weg

Während die USA auf einen erzwungenen Eigentümerwechsel setzen, reguliert Europa über Gesetze. TikTok steht in der EU weiterhin unter dem Druck des Digital Services Act und der Datenschutz-Grundverordnung. Die EU-Kommission untersucht die Plattform unter anderem wegen des Jugendschutzes und "süchtig machender Designs".

Erst im Mai 2025 verhängte die irische Datenschutzbehörde ein Bußgeld von 530 Millionen Euro gegen TikTok – wegen unzulässiger Datentransfers nach China. Eine weitere Untersuchung läuft seit Juli 2025: Es geht um EU-Nutzerdaten, die zeitweise in China gespeichert worden sein sollen.

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