Das Temperament ist in der Fußball-Familie Schlotterbeck alles andere als rar gesät. Dortmunds Nico Schlotterbeck nimmt kein Blatt vor dem Mund und deckt die Defizite seines Teams zum Leidwesen seiner Mitspieler regelmäßig öffentlichkeitswirksam auf. Auch sein zwei Jahre älterer Bruder Keven Schlotterbeck in Diensten des FC Augsburg legt den Finger gerne in die Wunde. Am Sonntag war es wieder einmal so weit. Der FCA hatte soeben mit 0:4 (0:3) bei Borussia Mönchengladbach verloren, als Führungsspieler Schlotterbeck vor die Journalisten trat und einmal mehr Klartext sprach.
Schlotterbeck wird deutlich: "Reicht einfach nicht"
Schlotterbeck störte sich besonders am Auftritt seines Teams. "Es wäre etwas drin gewesen, wenn wir elf Männer gehabt hätten, die hochintensiv angelaufen wären", bemühte der Innenverteidiger den Konjunktiv. Die Augsburger hätten sich nicht als Mannschaft präsentiert, so der Kapitän. "Wenn man einen Schritt zu wenig macht, reicht das einfach nicht. Ich hoffe, dass jeder weiß, um was es geht. Wer das nicht begreift, sollte zu Hause bleiben und seine Sachen packen", polterte der 28-Jährige.
Tatsächlich ließ der FCA den nötigen Biss vermissen. Ungefähr den Biss, den Schlotterbeck nach der Elfmeterentscheidung vor dem 0:2 zeigte, als er seinem Trikot kurzerhand einem Dentaltest unterzog.
Der FC Augsburg steckt weiter tief im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga. Nur zwei Zähler trennen die Schwaben von einem direkten Abstiegsplatz. Konkurrent St. Pauli hat dabei noch ein Spiel mehr in der Hinterhand.
Schlotterbecks Offensiv-Kritik: "Das erwarte ich von den Stürmern"
Schlotterbeck kritisierte vor allem die Offensivabteilung. "Du musst den Ball in die Box bringen, um Tore schießen zu können", erklärte Schlotterbeck und gab zugleich einen Einblick in die Augsburger Trainingsarbeit: "Wenn man unter der Woche das Tor nicht trifft, wie soll man es dann am Wochenende treffen. Es ist ganz klar Ziel im Training, Tore zu machen. Das erwarte ich von unseren Stürmern, wie sie von mir erwarten, dass ich das Tor verteidige."
Viermal hatte das mit dem Verteidigen nicht geklappt. Schlotterbeck selbst stach auch nicht positiv hervor. Bei Tabakovics Kopfball zum letztlich entscheidenden 0:4 ließ er sich zu leicht vom Gladbacher Angreifer wegdrücken. Augsburgs bester Verteidiger Chrislain Matsima fehlte an allen Ecken und Enden- und wird das auch noch lange. Der Franzose zog sich unter der Woche einen Sehnenabriss im Oberschenkel zu und droht monatelang auszufallen.
Ist die Euphorie um Trainer Baum schon wieder weg?
Die Aufgaben für Interimstrainer Manuel Baum sind nach der Partie in Mönchengladbach nicht weniger geworden. Besonders die unter seinem Vorgänger Sandro Wagner desolate Defensive schien Baum in den Partien vor dem Weihnachtsurlaub stabilisiert zu haben, die Partie in Mönchengladbach daher ein deutlicher Rückschritt. "Vier Tore und vor allem die Art und Weise, wie wir sie gekriegt haben, sind deutlich zu viel", musste auch der Cheftrainer nach der Klatsche im Borussia-Park zugeben. "Wir haben keine Intensität in den Zweikämpfen gehabt. Die Schärfe, an den Ball kommen zu wollen, hat gefehlt."
Weil im Winter kein Wagner-Nachfolger zu finden war, verlängerten die Verantwortlichen Baums Mandat bis zum Sommer. Baums Bilanz liest sich seit dem Sonntag eher dürftig. Zwei Niederlagen, ein Unentschieden, ein Sieg. Die Euphorie um Baum, die im Winter mit der Rückkehr von Michael Gregoritsch noch einmal befeuert wurde, scheint schon wieder weg zu sein.
Dahmen beruhigt: "Sind noch nicht abgestiegen"
Finn Dahmen war trotz der sportlichen Situationen um Ruhe bemüht. Ihm sei der Ernst der Lage bewusst, man dürfe jetzt aber "auch nichts überdramatisieren", befand der Augsburger Schlussmann, der eine noch höhere Niederlage verhinderte. "Wir sind noch nicht abgestiegen, aber wir benötigen auf jeden Fall noch viele Punkte."
Die schnelle Chance zur Wiedergutmachung bietet sich den Augsburgern schon am Donnerstag im Heimspiel gegen Union Berlin (ab 20.30 Uhr in der Radioreportage und im Liveticker). Danach warten der SC Freiburg und der FC Bayern München. Keine einfachen Aufgaben, um die dringend benötigten Zähler zu sammeln.
Aber sonst dürfte ein nächster verbaler Ausbruch von Keven Schlotterbeck nur eine Frage der Zeit sein.
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