Ein Regler an einem Untergrundgasspeicher wird überprüft (Archiv)
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Netzagentur: Gasversorgung trotz niedriger Speicherstände sicher

Netzagentur: Gasversorgung trotz niedriger Speicherstände sicher

Deutschlands Gasspeicher sind aktuell deutlich schlechter gefüllt als vor einem Jahr – und der Winter zeigt sich von seiner kalten Seite. Die Bundesnetzagentur hält die Versorgung für gesichert. Es gibt aber Stimmen, die das anders sehen.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Der Füllstand deutscher Gasspeicher ist gerade deutlich niedriger als zu Beginn des Jahres 2025 - und das kalte Wetter treibt den Verbrauch weiter nach oben. Die Bundesnetzagentur sieht die Gasversorgung in Deutschland dennoch als gesichert an. Es gibt aber auch Stimmen, die das anders beurteilen.

Speicher derzeit nur zu 47 Prozent gefüllt

Der aktuelle Füllstand der deutschen Gasspeicher liegt nach Angaben der Bundesnetzagentur bei 47 Prozent – und ist damit erheblich geringer als vor einem Jahr, als er bei über 70 Prozent lag. Der Gasverbrauch war 2025 laut Bundesnetzagentur mit 864 Terawattstunden etwas höher als 2024. Im Vergleich zum Durchschnitt der Vorkrisenjahre 2018 bis 2021 wurden jedoch knapp 13,5 Prozent Gas eingespart.

Die derzeitige Kälte sei aber trotz der schon seit November geringeren Gasreserve nicht bedenklich, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, der Funke Mediengruppe. "Die winterlichen Witterungsverhältnisse bereiten uns bei der Gasversorgung keine Sorgen", erklärte Müller: "Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil und die Versorgungssicherheit ist aktuell gewährleistet."

Uniper-Sprecherin warnt vor Engpässen

Vertreter der Energieversorger sehen die Situation weniger gelassen. Eine Sprecherin des Energiekonzerns Uniper sagte, die Versorgung mit Erdgas sei "aktuell gewährleistet, aber nicht garantiert". Bei einem "langen, kalten Winter oder geopolitischen Störungen" könnten "bei niedrigen Speicherfüllständen Engpässe" entstehen. 

EWE-Chef sieht Gefahr zu niedriger Füllstände

Mit Sorge blickt auch der Vorstandsvorsitzende des Oldenburger Energieversorgers EWE, Stefan Dohler, auf die Füllstände. Er wolle "keinen Alarm schlagen", aber darauf hinweisen, dass die "Füllstandssituation heute so schlecht ist, wie sie es Anfang 2022 war".

Wenn sich die Gasspeicher in den nächsten drei Monaten mit dem gleichen Tempo wie vor einem Jahr leerten, seien sie Ende März nur noch zu 5 Prozent gefüllt, so Dohler: "Das wäre ziemlich wenig." Er räumt aber ein, dass dies wenig realistisch ist, da die Marktlage entspannt sei. 

Netzagentur: Speicherfüllstand ist nicht alleine relevant

Darauf verweist auch die Bundesnetzagentur: Der Gasspeicherfüllstand sei zwar ein Indikator für die Versorgungsabsicherung – aber nicht alleine relevant. Deutschland verfüge über "ausreichende Import- und Speichermöglichkeiten", und die Gaspreise seien relativ stabil.

"Diese Stabilität ist darauf zurückzuführen, dass es am Weltmarkt ausreichend Gas gibt, das unter anderem über die LNG-Terminals importiert werden kann. Insofern gehen wir aktuell von einer gesicherten Gasversorgung aus", heißt es in der Bilanz zur Gasversorgung 2025.

Bundeswirtschaftsministerium verweist auf LNG-Importe

Auch laut Bundeswirtschaftsministerium kommt inzwischen den LNG-Terminals für Flüssiggas-Importe große Bedeutung zu. Die "gut ausgebaute LNG-Infrastruktur" ermögliche neben norwegischem Pipelinegas die notwendigen Importe nach Deutschland, so eine Sprecherin von Ministerin Katherina Reiche (CDU). 

Die Gasspeicher seien ein Puffer für Engpässe, mit den LNG-Terminals könne man in den Wintermonaten inzwischen aber 16 Prozent der Nachfrage decken. Die Terminals seien eine flexible Möglichkeit, Gas zu importieren, dies habe dazu geführt, dass Gasspeicher "an Attraktivität verloren haben".

Forderung nach Gasreserve

EWE-Chef Stefan Dohler mahnt dennoch zu mehr Vorsorge. Man müsse "ausreichende Sicherheit schaffen für besondere Ereignisse", erklärte er. Der Manager schlägt die Schaffung einer nationalen Gasreserve vor – ähnlich wie es sie für Erdöl gibt. 

Anträge auf Stilllegungen

Aktuell scheint die Entwicklung in die Gegenrichtung zu weisen. Da der Gaspreis im Sommer schon relativ hoch war und im Winter bisher nicht deutlich anstieg, lohnte es sich für Händler zuletzt nicht, viel Gas einzuspeichern, um es in den kalten Monaten teurerzu verkaufen.

Das ist auch der Hintergrund für Anträge bei der Bundesnetzagentur auf Stilllegungen von zwei Speichern in Bayern im Frühjahr 2027, darunter einer von Uniper. Unter den aktuellen Voraussetzungen sei ein wirtschaftlicher Speicherbetrieb langfristig nicht darstellbar, so Uniper.

Mit Informationen von DPA, AFP und Reuters

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