Der Jubel war riesig. Unter dem schallenden Applaus des Publikums sank Philipp Nawrath in den Schnee der Chiemgau Arena. Der Allgäuer hatte der Männerstaffel des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) gerade als Schlussläufer Rang drei beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding gesichert. Ein Lichtblick für die sonst wenig erfolgsverwöhnten DSV-Herren.
Biathlon: DSV-Männer stürmen zu Staffel-Podest
Das bis dahin letzte Weltcup-Podest in der Team-Disziplin lag fast genau ein Jahr zurück. Damals waren Justus Strelow, Danilo Riethmüller, Johannes Kühn und eben Nawrath ebenfalls in Ruhpolding zu Platz drei gelaufen.
Eine lange Durststrecke, vor allem wenn man bedenkt, dass seit dem Ende des Kalten Krieges kein Land mehr olympische Goldmedaillen in der Männer-Staffel gewonnen hat als Deutschland (fünf).
Auf Oberhof-Drama folgt Ruhpolding-Erlösung
Nun folgte also die Erlösung. Das "Stockerl" tut Nawrath und Co. nach dem Drama vom vergangenen Wochenende besonders gut. In Oberhof hatte die Mannschaft ebenfalls auf Kurs für die ersten Drei gelegen. Doch David Zobel hatte der Konkurrenz auf der Schlussrunde nichts mehr entgegenzusetzen, sodass man schlussendlich Fünfter wurde.
Für Ruhpolding baute Chef-Trainer Tobias Reiter seine Auswahl um. Riethmüller ersetzte den in Oberhof enorm starken Lucas Fratzscher. Nawrath übernahm im Tausch mit Zobel die Rolle als Schlussläufer. Die Änderungen gingen voll auf.
Ruhpolding: Nawrath hadert mit Stehend-Schießen
Nawrath hatte beim finalen Schießen sogar noch die Chance auf mehr, brauchte aber bei der letzten Scheibe einen Nachlader. Dieser öffnete die Tür für den laufstarken Norweger Vetle Sjastad Christiansen, der auf der Schlussrunde vorbeizog und Rang zwei für seine Mannschaft hinter Frankreich sicherte.
"Am Schießstand hätte ich es mir leichter machen können", gab Nawrath nach dem Rennen zu: "Leider geht der letzte Schuss daneben. Das hat es mir auf der letzten Runde schwer gemacht."
Biathlon in Ruhpolding: DSV-Herren mit positivem Staffel-Fazit
Trotzdem zog der 32-Jährige ein positives Fazit. "Wir sind mit einem guten Ergebnis hier am Start. Letzte Woche war es schon knapp und heute wirklich auch noch mal. Das Quäntchen Glück war auf unserer Seite. Das braucht man halt in wichtigen Rennen", sagte der Athlet vom SK Nesselwang.
Bei sich selbst sieht er sogar noch Luft nach oben. "Ich für meinen Teil habe immer noch das ein oder andere Quäntchen, das ich noch rausholen möchte. Aber wenn man zu viel will, geht es eben oft in die Hose", erklärte der Deutsche Meister im Einzel von 2023.
Ruhpolding: Mutmacher für die Winterspiele
Mit Blick auf die anstehenden Olympischen Winterspiele, die die Biathleten in Antholz austragen, ist der Auftritt beim Heim-Weltcup in Ruhpolding auf jeden Fall ein Mutmacher.
Mental war die letzte Staffel vor Olympia jedenfalls bereits eine gute Vorbereitung, findet Nawrath. "Ich habe mir fast gedacht, wie wichtig ist es heute wirklich für mich. Ich muss sagen, ein Olympia-Rennen ist wahnsinnig wichtig, aber es ist hier auch ein Heim-Rennen und die Generalprobe. Darum muss ich das fast auf eine ähnliche Stufe stellen. Die Anspannung war heute genauso da", beschrieb der Routinier seine Gefühlslage.
Rang drei in Ruhpolding: Gutes Olympia-Omen?
Für den 17. Februar, wenn es für die Männer-Staffeln um Edelmetall geht, ist der dritte Platz in Ruhpolding übrigens ein gutes Omen: Auf den Podestplatz in der Chiemgau Arena vor einem Jahr folgte bei den Weltmeisterschaften in Lenzerheide prompt die Bronzemedaille.
Wenn es dieses Jahr beim nächsten Großevent wieder so läuft, dürfte sich der Heim-Weltcup vollends zur Wohlfühloase für den DSV entwickeln.
