Mehrere Dartboards, im Vordergrund vor allem jugendliche Werfer beim Einwerfen.
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Der Dartsport in Bayern boomt: Rund 130 Aktive tummelten sich beim Turnier in Marktheidenfeld im Landkreis Main-Spessart
Bildrechte: BR / Patrick Obrusnik
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Der Dartsport in Bayern boomt: Rund 130 Aktive tummelten sich beim Turnier in Marktheidenfeld im Landkreis Main-Spessart

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Mehr als Kneipe: Darts wird zum Trendsport

Mehr als Kneipe: Darts wird zum Trendsport

Was einst als Freizeitvergnügen galt, entwickelt sich rasant zum ernsthaften Wettkampfsport. Immer mehr Menschen in Bayern greifen zu den Pfeilen. Zwischen Konzentration und Nervenkitzel erlebt der Dartsport einen rasanten Aufschwung.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Mainfranken am .

Eine Halle im Marktheidenfelder Ortsteil Altfeld im Landkreis Main-Spessart: 130 Menschen werfen sich ein, die Spielerinnen und Spieler im Alter von zehn bis 70 Jahren wechseln sich ab vor den 25 Scheiben. Und bei allen läuft es gleich ab: Kurzes Innehalten. Der Oberkörper beugt sich leicht vor, der Blick wird starr. Der Unterarm schnellt nach vorne und der Pfeil fliegt. Dann das satte "Tock", wenn die Spitze ins Board eindringt. Dreimal das Ganze, meist im selben Rhythmus.

Die Jagd nach der "180" fasziniert

Felix, 13 Jahre alt, tritt zur Wurflinie, die genau 2,37 Meter entfernt ist vom Board. Sein Ziel ist ein Feld so groß wie ein Daumennagel: die Dreifach 20, die 180 Punkte bringt, das Maximum. "Wenn du dich nicht richtig konzentrierst, dann triffst du nichts", sagt er. Und genau das fasziniert ihn. Felix zählt seine 180 akribisch mit, aktuell hat er insgesamt 84: Seit zwei Jahren spielt er Darts, seit sein Vorbild, der Engländer Luke Humphries, Weltmeister wurde: "Der bleibt ruhig in Krisensituationen", sagt er. "Das ist die Mentalität, die man braucht."

Dartsport boomt in Bayern

Das Turnier zeigt es: Dart ist ein Sport im Aufwind – auch in Unterfranken. "Ungefähr vor fünf Jahren haben 20 Vereine im Bezirk in den Ligen gespielt", erklärt Manfred Herwig, Vorstand des 1. Dartclubs Marktheidenfeld: "In dieser Saison sind wir bei 76 Vereinen. Die Zahl hat sich fast vervierfacht." Allein beim heutigen Turnier seien rund 40 Kinder und Jugendliche dabei. "Das hatten wir noch nie. Das ist ein Rekord für uns", freut sich der Vorstand.

Auch bayernweit zeigt sich dieser Trend. "Wir haben aktuell rund 380 Vereine und etwa 8.100 aktive Spieler", sagt Fritz Süllner, Sportwart beim Bayerischen Dart-Verband. "Und es kommen praktisch täglich immer mehr dazu." Allein in seinem Bezirk, in Niederbayern, würden im September vier neue Dartvereine den Ligabetrieb aufnehmen. "Das ist wirklich ein Hype."

Funke für den Hype: Deutsche Erfolge bei der WM

Ein Grund für das steigende Interesse am Dartsport liegt in seiner medialen Wahrnehmung, glaubt Vereinsvorstand Herwig. Die Weltmeisterschaften im Londoner Alexandra Palace – liebevoll "Ally Pally" genannt – würden zwar schon seit vielen Jahren im TV übertragen. Als deutsche Spieler bei der Weltmeisterschaft plötzlich weit kamen, wuchs die Aufmerksamkeit: "Und von da ist der Zuwachs bei der Jugend explodiert."

Wenig Equipment und Fitness notwendig

Ein weiterer Grund für den Hype ist die Niederschwelligkeit: Der Einstieg ist denkbar einfach. Eine Scheibe, ein paar Pfeile – mehr braucht es nicht. "Die ersten Darts gibt’s ab 20 Euro, die reichen erstmal", sagt Herwig. "Es gibt keine spezielle Sportkleidung." Anfangen könne man jederzeit. "Von etwa zehn Jahren bis open end. Solange man den runtergefallenen Dart noch aufheben kann." Auch körperliche Fitness sei nicht ausschlaggebend. Viele Profispieler seien ja ziemlich beleibt. "In England heißt's: The belly is for ballance", also der Bauch ist für das Gleichgewicht, schmunzelt der Vorstand des Dartclubs.

Weg vom Image des Kneipensports

"Eigentlich werden die Spiele mit dem Kopf gewonnen", sagt Herwig. "Wenn es Mann gegen Mann geht, sind die Nerven schon gefragt." Auch Verband-Sportwart Süllner betont: "Man spielt gegen einen Gegner – aber auch gegen sich selbst."

Dass Darts lange als Kneipensport galt, passt immer weniger zur Realität. Beim Turnier in Altfeld herrscht striktes Alkoholverbot – wie bei allen offiziellen Turnieren und Ligaspielen. "Wenn einer offensichtlich alkoholisiert ist, muss er sofort das Board verlassen", betont Süllner. "Wir wollen weg von diesem Kneipen-Image. Darts ist Leistungssport."

Ein Sport auch für Frauen

Der Dartsport fasziniert auch mehr und mehr Frauen. Die 17-jährige Marie Huber vom TSV Dachau ist mit ihrer Mannschaft ins über 320 Kilometer entfernte Marktheidenfeld gefahren, um am dortigen Turnier teilzunehmen: "Darts macht super viel Spaß! Es ist einfach was anderes. Das macht nicht jeder." Aber wer es mal angefangen hat, hört so schnell nicht wieder auf – meint jedenfalls Dart-Sportwart Süllner: "Probiert es aus – es macht süchtig. Ich garantiere es euch."

Zum Video: Darts - Meister der kleinen Pfeile

München Amateur-Dartspieler treffen sich zu ihrer ersten Meisterschaft
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Darts - in Großbritannien schon immer Kult - gewinnt auch hierzulande immer mehr Freunde und wird zum regelrechten Trendsport.

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